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Unliebsame Nagetiere ziehen Profit aus menschlichem Verhalten im Corona-Lockdown: Ratten. Sie kommen vermehrt in die Wohngebiete - in Vorgärten und Häusern finden sie gerade neue Nahrungsquellen.

Der Schädlingsbekämpfer Leonard Bermel hatte seinen letzten Einsatzort am Rheinufer von Bad Säckingen. Ein gesamter Vorgarten war regelrecht durchwühlt. Die Spuren sind noch deutlich sichtbar. Hier waren Ratten, die vom Rhein her immer wiederkehren.

Rattenplage in Nähe von Menschen nimmt drastisch zu

Ratten nun auch in den Vorgärten. Das ist neu. Normalerweise bleiben die Nager in Hinterhöfen, Kellern und in der Kanalisation versteckt. Doch jetzt kommen sie aus ihren Löchern. Das zuständige Ordnungsamt in Bad Säckingen beobachtet das ungewöhnliche Treiben der listigen Tiere in der ganzen Stadt.

Corona Lockdown ändert das Verhalten von Ratten

Das Verhalten der Nagetiere ist neu – coronabedingt sozusagen. Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich geändert. Am Rhein ist zum Beispiel nicht mehr so viel los, die Leute picknicken nicht mehr dort und es bleiben demnach auch keine Abfälle liegen, die bislang die Ratten angezogen haben. Außerdem haben die Gaststätten geschlossen und dort fällt auch nicht mehr so viel für die Tiere ab. Dementsprechend orientieren sie sich um und kommen den Häusern und Vorgärten näher.

Neue Futterquellen werden gesucht und gefunden

Die Menschen kochen viel mehr zu Hause, so kommen auch mehr Nahrungsmittel in die Kanalisation und die Ratten lassen sich das schmecken. Und wo eine Ratte etwas Leckeres entdeckt hat, da sind bald viele zu finden, denn die Tiere schicken regelrechte Patrouillen aus, die übrigens nur aus Weibchen bestehen. Die weiblichen Tiere suchen abends oder wenn sich sicher glauben, immer nach neuen Futterquellen. Diese Entdeckungen teilen sie den anderen Ratten mit und es werden immer mehr.

Menschliche Bequemlichkeit erfreut die Ratten

Immer öfter muss Leonhard Bermel deshalb auch zur Bekämpfung zu schädlingsgeplagten Privathaushalten aufbrechen, weil die Ratten der Spur der Nahrung folgen. Viele Leute, so seine Erfahrung, sind einfach bequem und entsorgen Lebensmittelreste in der Toilette. Den meisten ist dabei noch nicht einmal bewusst, dass sie damit den Ratten eine große Freude bereiten. Die Probleme sind nicht auf Bad Säckingen beschränkt, überall im Land trotzen die Ratten dem Lockdown und finden bei ihren Streifzügen reichlich Alternativen zu den altbekannten Nahrungsplätzen. Sie vermehren sich sogar schneller als vorher. Dem Schädlingsbekämpfer wird die Arbeit in nächster Zeit nicht ausgehen. Sie hat in den letzten Wochen eher noch zugenommen.

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