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Im Corona bedingten Ausreisestau in Großbritannien stecken auch Südbadener fest. Ohne Corona-Test kommen sie nicht heim. Doch vorm Testzentrum stauen sich 4.000 Lkw, berichtet ein Fahrer aus Schallstadt.

Auch Eberhard Schweizer aus Schallstadt sitzt mit seinem Lkw in Südengland fest. Er fährt im Auftrag der Spedition Rinkleib aus Hartheim und wurde kurz vor Weihnachten von den Entwicklungen ganz kalt erwischt. Im Interview mit SWR4-Moderator Matthias Schlott appelliert er an die Politik.

SWR: Wo genau, Herr Schweizer, hängen Sie denn jetzt eigentlich fest?

Eberhard Schweizer: Wir stehen jetzt in Hythe, das ist in der Nähe von Folkestone, im Südosten von Kent, und ich bin in der komfortablen Situation, dass ich an einem Rasthof stehe, da ist eine Verzollungsagentur angeschlossen, und da musste ich vor zwei Tagen verzollen und seitdem stehe ich hier.

SWR: Wie viele andere Fahrzeuge stehen denn mit ihnen vor dieser Zollanlage?

Eberhard Schweizer: Also hier stehen so circa 500.

SWR: Könnten Sie nach Deutschland zurückfahren?

Eberhard Schweizer: Also wir können zurückfahren, wenn wir einen negativen Test haben, der nicht älter als 72 Stunden ist. Die einzige Möglichkeit, sich zu testen, ist allerdings auf diesem alten, ehemaligen Airport. Und da möchte ich jetzt nicht hinfahren, weil ich habe vorhin mit einem Kollegen gesprochen, der dort steht und der sagt, ihm geht jetzt so langsam das Essen aus, und die polnischen Lkw-Fahrer fangen jetzt an zu randalieren. Die haben dort auch schon Zeug kaputt gefahren, dort auf dem Flughafen, und haben Lkw quer gestellt und den Abfluss blockiert, also wirklich nicht so schön. Es gibt keine sanitären Anlagen dort! Das ist richtig schlimm, das kann man vergleichen mit einem Flüchtlingslager.

SWR: Haben Sie Verständnis dafür, dass Ihnen vor Ort keine Testmöglichkeiten angeboten werden?

Eberhard Schweizer: Ich habe natürlich alles Mögliche versucht, hier irgendwie an einen Test zu kommen: Ich habe auch private Testlabors hier in Folkestone angerufen, aber die führen nur Tests an Einwohnern von Kent durch. Also wenn man nicht in Kent wohnt, hat man keine Chance, einen Test zu kriegen hier. Mein Verständnis hält sich sehr, sehr in Grenzen, muss ich sagen, weil es wird ja überall gesagt, dass diese Situation durch die Mutation von diesem Virus entsteht. Meiner Ansicht nach ist das Quatsch, weil die Gefahr oder die Angst vor diesem Virus war früher viel, viel größer. Und da hat man die Grenzen geschlossen in ganz Europa, und die Lkw-Fahrer durften trotzdem fahren, weil sie einfach für die Versorgung wichtig sind, und weil es immer hieß, Lkw-Fahrer in ihren Kabinen sind keine Verbreiter von diesem Virus, weil sie keine sozialen Kontakte haben. Ja, und das ist hier genauso: Die Lkw-Fahrer, die haben keine persönlichen Berührungspunkte mit irgendwelchen Leuten hier in England.

SWR: Wenn Sie jetzt aber auf diesen Rasthöfen da zusammengepfercht werden, dann gibt es ja automatisch Kontakte, die man eigentlich gar nicht will.

Eberhard Schweizer: Ja, es ist natürlich so, dass die Nationalitäten unter sich, sich ein bisschen zusammenrotten. Wir Deutsche sind ja nicht so viele hier, direkt auf diesem Platz sind wir drei, und natürlich unterhalten wir uns, aber wir halten Abstand, also wir sitzen nicht zusammen im Führerhaus oder irgendwie sowas. Das machen wir nicht.

SWR: Haben Sie denn jetzt noch irgendeine Hoffnung oder gibt es vielleicht sogar irgendeine Art von Signal, dass Sie doch demnächst dort wegkommen können?

Eberhard Schweizer: Es ist so, dass wir überhaupt keine Informationen bekommen. Gar keine. Die Informationen, die wir kriegen, die saugen wir uns aus dem englischen Rundfunk und aus dem Internet. Was wir so tröpfchenweise mitkriegen, ist durch Kollegen, die eben zum Beispiel in Manston stehen. Die Hoffnung, dass sich das jetzt ändert, ich sehe sie nicht... Ich sehe sie wirklich nicht, ich denke, dass in Manston jetzt getestet wird, das wird einfach zwei drei Tage gehen, bis es überschaubar wird. Es bilden sich jetzt schon große Staus vor dem Flughafen in Manston. Auch hier wurden vorhin Flugblätter verteilt, dass die Lkw-Fahrer nach Manston sollten, um sich dort testen zu lassen. Aber Manston ist total an der Kapazitätsgrenze, und aus meiner Sicht macht es überhaupt keinen Sinn, dorthin zu fahren. Also wir werden einfach warten, zwei, drei Tage, bis das abfließt. Und dann werden wir halt auch nach Manston fahren, aber ich möchte und kann nicht drei Tage irgendwo sein, wo ich nicht auf die Toilette kann, und so, das geht nicht.

SWR: Wir drücken die Daumen, dass sich das möglichst schnell erledigt und Sie dann doch nach Deutschland zurückkommen können. Vielen Dank, Eberhard Schweizer, der mit tausenden anderen Lkw-Fahrern aktuell in Großbritannien festsitzt und Weihnachten wohl einsam in der Kabine seines Lkw verbringen muss.

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