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Die Corona-Impfungen laufen in Deutschland nicht ohne Probleme und Kritik. Trotzdem sind bei uns inzwischen weit mehr Menschen gegen das Virus geimpft als bei unseren Nachbarn in Frankreich.

Die Impfquote in Baden-Württemberg ist mehr als doppelt so hoch, wie die in der benachbarten Grenzregion Grand Est, zu der auch das Elsass gehört. Kommende Woche nun wollen die Nachbarn aber aufholen. Neue Impfzentren sollen öffnen, der Kreis der Impf-Berechtigten wächst. Die Impf-Bereitschaft der Menschen auch?

Die Inzidenz-Werte sind wieder über 200 gestiegen, die Einschränkungen des Lebens seit Sonntag noch einmal deutlich verschärft: Um 18 Uhr beginnt die nächtliche Ausgangssperre. Die Stimmung ist düster in Straßburg. Vom Hoffnungsschimmer der anlaufenden Impfungen ist auf der Straße noch wenig angekommen. "Tatsächlich war ich hier in Frankreich über den langsamen Beginn der Impfungen erstaunt. Ich war stutzig und ein bisschen wütend, weil es nicht losging bis Ende Dezember. Jetzt im Januar sind die Imfpungen angelaufen und ich werde mich impfen lassen, sobald ich dran bin, sobald ich die Information erhalten habe, dass ich mich impfen lassen kann. Ich gehe sofort und ohne Zögern", so eine Straßburgerin.

Menschen über 75 sollen geimpft werden

Seit Jahresbeginn sind in der Grenzregion Grand Est etwa 16.000 Menschen geimpft worden. Das sind nicht einmal drei von 1.000 Einwohnern. In Baden-Württemberg sind es 6,6. Verabreicht werden die Impfdosen bisher an Bewohner von Pflegeheimen. In den Kliniken können sich außerdem Medizinier, Pflege- und Rettungskräfte über 50 oder mit besonderem Risiko impfen lassen. Ab kommender Woche sollen auch Menschen über 75 geimpft werden. Die Frage ist nur: Wo?

"Es ist eine unserer Aufgaben die Risikogruppen zu schützen. Deshalb wird die Stadt zur Unterstützung des internationalen Impfzentrums der Uniklinik am 18. Januar ein kommunales Impfzentrum im früheren Börsensaal eröffnen."

Jeanne Barseghian, Bürgermeisterin von Straßburg

Kommunales Impfzentrum soll eng mit Uniklinik zusammenarbeiten

Dort wird auch der Impfstoff verwaltet. Ärzte und weiteres Personal sollen aber nicht von der Klinik kommen, erklärt Alexandre Feltz, Beigeordneter für Gesundheit: "Wir werden mit der Gesundheitsbehörde und der Präfektur zusammenarbeiten, aber auch mit freien Medizinern. Es ist wichtig das Allgemeinmediziner und Krankenpfleger ins Impfzentrum kommen, deren Einsatz über die Sozialversicherung honoriert wird. Wir haben die Mittel um dieses Zentrum zu organisieren und abzusichern."

Präfektur Département Bas-Rhin: Weitere Impfstellen werden eingerichtet

Die Abstimmung mit den Kommunen und der Regionalen Gesundheitsbehörde ARS habe begonnen, heißt es in einer Mitteilung. Gleichzeitig versuche man die Impf-Bereitschaft der Franzosen zu steigern. Zu Jahresbeginn hatten Umfragen ergeben, dass sich die Mehrheit der Bürger nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen will.

Impf-Skepsis rührt wohl von Schweinegrippe 2009

Ein Grund dafür könnten die schlechten Erfahrungen aus dem Jahr 2009 sein. Frankreich hatte damals Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe organisiert. Anschließend mehrten sich Fälle der sogenannten Schlafkrankheit. Experten ermittelten den Impfstoff Pandemrix als möglichen Auslöser. Wirkt der Skandal bis heute nach? "Für mich ist das nicht sehr rational. Das Wichtigste ist, dass wir uns schützen, um andere zu schützen, dass wir so schnell wie möglich geimpft werden und das ohne Unsicherheit, Angst oder Zweifel", sagt ein Mann in Straßburg.

Umfragen kippen: Immer mehr Franzosen für Impfung

Aber trotz Sorgen und Angst vor Zweifeln - die Umfragen kippen, ergänzt der Straßburger. Es seien jetzt mehr Franzosen für die Impfung: "Sie hatten vielleicht etwas Angst vor dem Neuen, diesem neuen Typ von Impfung. Aber, wenn die Impfung für alle angeboten wird, werden die Leute sie sich holen. Da habe ich keinen Zweifel."

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