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Manche Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, leiden noch Wochen oder Monate später unter Nachwirkungen - doch die sind bislang wenig erforscht. Beispiele aus Südbaden.

Anfang März hat sich Rafael Osswald aus der Nähe von Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) mit dem Corona-Virus angesteckt, Mitte März hatte er Symptome. Vorher war er fit, wie er sagt, hatte keine Vorerkrankungen. Die akute Erkrankung verlief recht mild, berichtet der 39-Jährige. Nach zwei Wochen dachte er, er sei gesund. Aber: "Dann kam das Ganze nochmal wieder."

Eine Stunde Gartenarbeit pro Woche - viel mehr geht nicht

Anhaltende Erschöpfung, dazu Nierenbeschwerden und Halsschmerzen. Auf die Frage, was inzwischen – dreieinhalb Monate nach der Erkrankung – körperlich wieder geht, sagt Osswald: "Gartenarbeit, eine Stunde die Woche, vielleicht anderthalb." Bei Cornelia Rühlemann geht selbst das noch nicht. Die 64-Jährige aus Villingen-Schwenningen erkrankte Ende März: Zwei Wochen Intensivstation, vier weitere Wochen Krankenhaus, zwei Wochen Reha. Bis heute hat sie Nierenbeschwerden und Atemnot bei Belastung. Selbst Duschen ist fast zu viel.

Ärzten und Forschern fehlt noch das Wissen

Rühlemanns Sorge: Dass es so bleibt – dauerhaft. Eine ihrer Töchter leidet nach einer Infektion noch unter Atemnot, bei der anderen funktioniert der Geruchssinn noch nicht normal. Dass verschiedenste Beschwerden bei einigen Patienten länger bleiben, stellt auch Winfried Kern immer wieder fest, der Leiter der Infektiologie an der Freiburger Uniklinik. "Da lernen wir auch mit", erklärt er, "denn viel Zeit gab es bislang noch nicht, chronische Beschwerden nach Corona zu erforschen. Entsprechend wenig weiß man über längerfristige Folgen."

Freiburger Uniklinik plant Corona-Nachsorge-Ambulanz

Das hat auch Rafael Oswald gespürt. Bei verschiedenen Ärzten suchte er Rat. Sie seien sehr bemüht gewesen, aber Wissen und Erfahrung waren einfach zu gering, sagt er. Die Uniklinik Freiburg plant gerade eine Corona-Nachsorge-Ambulanz – eine Anlaufstelle für alle Patienten, die mit langfristigen Folgen zu kämpfen haben. Rafael Osswald hat auch der Austausch mit anderen Betroffenen geholfen. Inzwischen hat er sogar weltweit Kontakte geknüpft.

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