Um ihre Start- und Landerechte (Slots) nicht zu verlieren fliegt die Swiss derzeit meist halb leer durch Europa (Foto: SWR, SRF)

Start-und Landerechte bedroht

Corona-Folgen: Swiss fliegt auf vielen Europa-Flügen halb leer

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AUTOR/IN
Marc Bodenmann (SRF)

Die Fluggesellschaft Swiss fliegt meist halb leer durch Europa, um Start-und Landerechte nicht zu verlieren. Sorgen EU-Regeln für einen Umwelt-Skandal?

Angesichts der andauernden Corona-Pandemie wächst der Druck auf die EU-Kommission, die Regeln für Start- und Landerechte an Flughäfen weiter zu lockern. Start und Landerechte, die sogenannten Slots, sind nämlich begrenzt und entsprechend begehrt - insbesondere zu Spitzenzeiten. Das Problem: Eine EU-Regelung schreibt vor, dass Fluggesellschaften diese Slots nach einer Pandemie bedingten Verschnaufpause wieder mindestens zur Hälfte nutzen müssen - sonst gehen sie verloren. Dazu sagt die Mediensprecherin der Swiss, Karin Müller: "Swiss hat bereits frühzeitig gesagt, dass die 50 Prozent sehr optimistisch sind. Sie jetzt im Winter bei diesem Pandemie-Verlauf zu erfüllen ist sehr schwierig."

18.000 eigentlich unnötige Flüge müsse sie in diesem Winter durchführen, teilte kürzlich auch die Lufthansa Gruppe mit. Nur um Start- und Landerechte zu sichern. Dagegen begrüßen Europäischer Flughafenverband und Airport Zürich die EU-Regelung, so Bettina Kunz, Mediensprecherin am Flughafen Zürich: "Wenn sie Destinationen in der Pandemie nicht anfliegen können aus unvorhergesehen Gründen, ist aber absehbar, dass Slots aus strukturelle Gründen von Airlines nicht bedient werden können. Dann macht es aus Flughafensicht Sinn, wenn diese freigegeben werden können."

Experte: "Verlieren Airlines ihre Slots, wird's existenziell"

Für den Luftfahrt-Experten an der Universität St. Gallen, Andreas Widmer, ist es verständlich, dass die Swiss an ihren Start und Landerechten festhält: "Einen Slot ganz zu verlieren, heißt am Ende vielleicht einen Teil des gesamten Netzwerks zu verlieren. Und das ist existenziell für eine Netzwerk-Airline." Um also halb leere Flieger zu verhindern, müsste die EU-Regelung angepasst werden. So lange, bis die Nachfrage nach Flugreisen wieder nachhaltig anzieht.

Mitschnitt SWR Aktuell (Dreiland Aktuell ab 04:43)

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Marc Bodenmann (SRF)