Menschen neben und hinter einem Schild mit der Aufschrift Protzek  (Foto: SWR, Laura Könsler)

Initiative gegen Müllflut

Lörracher Firma bietet Corona-Tests ohne Plastik an

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Laura Könsler

Gegen eine vierte Corona-Welle sollen Impfungen und Tests helfen. Antigen- und Antikörpertests werden gebraucht, am besten ohne Plastik. Und die produziert eine Lörracher Firma.

Ein Mitarbeiter heißt die Besucher willkommen. Er führt sie vorbei an Büroräumen und durch ein Lager, in dem auf Regalen kleine Kartons stehen. Dann geht es die Treppen hoch bis zu einem Sitzungsraum mit Blick auf die Stadt.

Antikörpertest der Firma Protzek (Foto: SWR, Laura Könsler)
Vor dem Interview wird getestet. Laura Könsler

"Dann fangen wir mit der praktischen Übung an", sagt Firmenchef Christoph Protzek. Alle im Raum tragen Mund-Nasenschutz, alle sind geimpft. Doch wie es sich für ein Medizintechnik-Unternehmen mit eigenen Antigen- und Antikörpertests gehört, werden die Besucher erst einmal mit dem firmeneigenen Produkt getestet. Es wird geschaut, ob nach der Impfung Antikörper entwickelt wurden.

Standardisierte Coronatests

Während Dao Maba, Molekularbiologe und Produktentwickler bei Protzek, Blut abnimmt, dies auf einen Teststreifen aufträgt und den Streifen dann anschließend in ein Gerät - so groß wie eine mittelgroße Damenhandtasche - schiebt, erklärt Firmenchef Christoph Protzek, was im Gerät passiert:

Testergebnisse sollen vergleichbar sein

"Jetzt läuft unser messtechnischer Test: genau so wie ein visueller Test, nur werten wir das optoelektronisch aus. Das Gerät ist kalibriert, so dass wir in 15 Minuten auch in BAU-Einheiten aufzeigen können", also den Anteil an sogenannten Binding Antibodies Units je Milliliter. Das Verfahren ist den Standards der Weltgesundheitsorganisation angepasst. So können Ergebnisse verschiedener Hersteller miteinander verglichen werden, erklärt Protzek weiter.

Firma ist auf vierte Welle vorbereitet

Angesichts einer gewissen Impfmüdigkeit und einer bevorstehenden saisonalen Ausbreitung des Virus präpariert sich das Unternehmen schon mal auf die kommenden Monate: "Wir sind darauf vorbereitet, dass wir den Antigen- und Antikörpertest zur Verfügung haben. Klar ist aber auch, dass wir weiterhin die messtechnische Methode anwenden. Wir werden keine visuellen Tests verkaufen, das entspricht nicht unserer Philosophie."  

Antikörpertest der Firma Protzek (Foto: SWR, Laura Könsler)
Laura Könsler

Nachhaltigkeit auch bei Coronatests ein Thema

Weitere Philosophie des Unternehmens ist Nachhaltigkeit – die Protzek-Tests sind statt aus Plastik aus Kartonage. Dadurch kann das Müllaufkommen deutlich reduziert werden. Das ist auch Unternehmenstochter Theresa Protzek ein Anliegen. 

"Wir wollen weniger Plastik haben. Es gibt so viel Plastik bei den Tests."

"Es ist unser großes Ziel, auch als kleines Unternehmen, dass wir immer mehr in diese Richtung gehen und wir weniger Plastik haben", so die Geschäftsführerin. "Wir haben so viele Plastikschnelltests." Dabei sei es machbar, die Tests auch mit einer Kartonagehülle zu produzieren.

Konkurrenz aus Asien ist wegen Billigimporten erdrückend

Doch wie so oft, sind Billigimporte aus Asien eine zu starke Konkurrenz für das kleine Lörracher Unternehmen. Christoph Protzek sieht deshalb die Politik in der Pflicht: "Ich glaube politisch muss man erkennen, dass man bestimmte Technologien und Produktionen wieder im Land hat - nicht um national zu denken, sondern um als Land und als Gesellschaft nicht so angreifbar und abhängig zu sein. Das bedeutet aber auch, dass bei Ausschreibungen das Kriterium Preis nicht das Entscheidende sein kann."

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