Ein Mann füllt Lebensmittel aus der Tonne in eine aufgehaltene Tüte (Foto: SWR)

Bundesweites Netzwerk gegen Verschwendung

Containern in Freiburg: Mahlzeit aus der Tonne

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AUTOR/IN
Dorothea Dörner
ONLINEFASSUNG
Ina Held

18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut WWF jedes Jahr in Deutschland weggeschmissen. Aktivisten wollen aufrütteln und holen sich das Essen zurück aus der Tonne – riskant!

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Es ist früher Morgen. Ein Gruppe junger Menschen, die zum bundesweiten Netzwerk "Aufstand der letzten Generation" gehört, macht sich über die Mülltonnen eines Freiburger Supermarktes her. Die Tonnen sind um diese Uhrzeit kaum gefüllt, ein paar Salatköpfe, eine Gurke – die Ausbeute hier ist eher mau.

Polizei beendet Lebensmittel-Rettung

Weiter geht es zum nächsten Supermarkt. Hier stehen die Tonnen hinter einer Mauer. Sie sind voller. Während die Gruppe die abgelaufenen Lebensmittel aus dem Müll zieht, wird die Aktion bemerkt. Zehn Minuten später stehen Polizeiautos vor dem Supermarkt. Hausfriedensbruch und Diebstahl lautet die Anzeige. Aktivist Tobias März ist verärgert. Eigentlich, so sagt er, müsste es doch strafbar sein, Lebensmittel in die Tonne zu schmeißen.   

Aktivisten in Freiburg holen Lebensmittel aus dem Müll (Foto: SWR)
Aktivisten beim Containern in Freiburg

"Ich find’s einfach erschreckend, wie viel man jede Nacht findet!"

Das bundesweite Netzwerk "Aufstand der letzten Generation" hat sich zum Ziel gesetzt, die Bundesregierung mit diversen Aktionen aufzurütteln. Die Aktivistinnen und Aktivisten fordern einen anderen Umgang mit Lebensmitteln. Ihre Aktionen heißen im Jargon "Containern". Dass sie dabei geltendes Recht brechen und angezeigt werden, nehmen sie in Kauf.

Gerettete Lebensmittel verschenken

Auf einem Freiburger Wochenmarkt verschenken die Umweltaktivisten, was sie in der Nacht zuvor aus diversen Mülltonnen von Supermärkten geholt haben. Darunter auch Lebensmittel, die versehentlich aussortiert und weggeschmissen wurden, die aber noch ein Jahr haltbar sind. Viele Passanten reagieren überrascht und finden es positiv, dass Essen aus dem Müll gerettet wird.

Menschen an einem Stand in der Freiburger Innenstadt (Foto: SWR)
Gerette Lebensmittel werden von den Aktivisten an Passanten verteilt

"Das ist doch ein Skandal, dass es uns so gut geht, dass wir meinen, wir können Lebensmittel wegschmeißen."

Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung nötig

Die Gruppe will auf jeden Fall weitermachen, einzelne sind sogar bereit, sich verhaften zu lassen und ins Gefängnis zu gehen. Im Nachbarland Frankreich gibt es mittlerweile ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung. Genau das fordert das Netzwerk von der Bundesregierung ein.   

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