Drei Männer sind mit einem Müllwagen unterwegs, werfen Bäume in die Presse des Fahrzeugs und laden die Bäume am Ende auf einem Haufen ab. (Foto: SWR, Wera Engelhardt)

Tausende Bäume werden eingesammelt

Was wird aus ausgedienten Tannen? Unterwegs mit Freiburgs Christbaum-Abholern

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Wera Engelhardt
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Wohin mit dem Christbaum, wenn der Schmuck verschwunden ist? In Freiburg werden aktuell Tausende Tannen eingesammelt. Wie läuft das eigentlich - und was passiert mit den Bäumen?

Die Feiertage sind vorbei, und viele Menschen fragen sich jetzt: Was tun mit dem ausgedienten Tannenbaum? Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden in Baden-Württemberg pro Jahr rund 2,5 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Und die müssen nach Weihnachten ja irgendwohin. Klar, wer einen Kamin hat, kann sie privat verfeuern, nachdem sie ein bis zwei Jahre getrocknet sind. Oder ihn - wie in Freiburg - vor die Tür legen, wo die städtische Reinigung sie zu bestimmten Terminen abholt.

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Es ist fast noch Nacht, als das Team sich auf den Weg macht. Im Stockdunklen geht es los, vom Gelände der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) in Richtung Günterstal, einem idyllischen Stadtteil im Freiburger Süden. Die drei Männer vorne im Müllwagen haben einen speziellen Auftrag: Sie nehmen die noch verbliebenen Zeugen der Weihnachtszeit mit auf eine letzte Fahrt - Hunderte von Christbäumen, die bis zuletzt noch in den Wohnzimmern der Stadt standen.

Fahrer Daniel Wolff muss auf seine Kollegen aufpassen

An diesem Tag beginnt eines von zwei Teams gegen 6 Uhr morgens mit dem Einsammeln. Am Steuer des Müllwagens sitzt Daniel Wolff. Er muss auf seine beiden Kollegen Kevin Oehler und René Marquardt aufpassen, die die Bäume vom Straßenrand auflesen und hinten in die Presse des Fahrzeugs werfen. Vor allem in der Dunkelheit muss das Trio Acht geben auf andere Autos, Menschen, die zwischen den geparkten Autos auf die Straße laufen, oder Fahrradfahrer.

"Es ist meine Aufgabe, dass ich alles im Blick habe, damit nichts passiert. Aber manchmal kann es schon sein, dass man unachtsam ist, oder dass die Pkw-Fahrer unachtsam sind. Radfahrer sind ein ganz schwieriges Thema, die nehmen überhaupt keine Rücksicht."

In den vier Jahren, die er den Job schon mache, sei seinen Leuten oder anderen Menschen zum Glück noch nichts passiert, berichtet Wolff. Immer wieder drückt er auf einen der Knöpfe am Armaturenbrett des Fahrzeuges. Öffnet die Tür, um die Kollegen auf längeren Abschnitten Fahrt ins Auto zu lassen, oder setzt die Elektronik der Müllpresse in Gang. Ist eine Straße erledigt, greift Wolff zu einem Klemmbrett und schreibt auf, zu welcher Uhrzeit sie dort fertig geworden sind. Damit hinterher kein Anwohner behaupten könne, sie seien dort nie gewesen, erläutert Wolff.

Der Job erfordert Muskelkraft

Hinten am Müllwagen werfen Kevin Oehler und René Marquardt derweil unablässig Bäume in den Schlund, in dem Tannenbäume zusammengedrückt werden. Damit so viele wie möglich hineinpassen. Eine Arbeit, die irgendwann doch an den Kräften zehre, gibt Kevin Oehler zu.

"Es ist schon ziemlich anstrengend, weil manche Bäume extrem groß und extrem schwer sind. Man weiß abends auf jeden Fall, was man gemacht hat. Ins Fitness-Studio muss ich dann nicht mehr."

Drei Männer sind mit einem Müllwagen unterwegs, werfen Bäume in die Presse des Fahrzeugs und laden die Bäume am Ende auf einem Haufen ab. (Foto: SWR, Wera Engelhardt)
Das Einsammel-Team Kevin Oehler, René Marquardt und Daniel Wolff (v.l.). Wera Engelhardt

Dabei lacht er - wie eigentlich die meiste Zeit an diesem Januarmorgen. Man merkt dem Trio an, dass es Spaß an der Arbeit und seiner etwas anderen Fracht hat. Es sei eine schöne Abwechslung, finden sie einhellig. Die Mülltonnen seien sehr schwer, bei gelben Säcken müsse man höllisch aufpassen, dass keine Spritzen oder andere spitze Gegenstände herausstechen. Vor allem Fahrer Daniel Wolff hat als gelernter Forstwirt einen speziellen Bezug zu den Bäumen - die er auch seiner kleinen Tochter in der Weihnachtszeit nahebringen will.

"Meine Kleine schmückt den Baum so gerne. Also haben wir einen bei einem befreundeten Bauern geholt. Sie durfte ihn also selber aussuchen, schneiden und sägen. Ich will einfach, dass sie es nicht für selbstverständlich hält, dass die Dinger irgendwo rumstehen, sondern dass Arbeit dahintersteckt."

Die Christbäume landen im Verwertungszentrum Eichelbuck

Nach etwa vier Stunden ist das Müllauto erstmals voll – und für die eingesammelten Tannenbäume geht es Richtung Ende. Der letzte Halt: das Verwertungszentrum Eichelbuck. Hier werden die Bäume abgeladen, kleingehäckselt und dann zu Kompost oder teilweise zu Pflanzenkohle weiterverarbeitet. Die entsteht aus pflanzlicher Biomasse, wie sie zum Beispiel in der Landwirtschaft, im Garten- und Weinbau sowie in den Kommunen in großen Mengen anfällt. Nach Angaben des Fachverbands Pflanzenkohle wird sie unter anderem als fester Hilfsstoff für fruchtbare Böden, in der Tierhaltung oder als Filter benutzt.

Drei Männer sind mit einem Müllwagen unterwegs, werfen Bäume in die Presse des Fahrzeugs und laden die Bäume am Ende auf einem Haufen ab. (Foto: SWR, Wera Engelhardt)
Ein Team der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) sammelt die ausgedienten Weihnachtsbäume ein, die am Ende auf dem Hügel des Verwertungszentrums Eichelbuck landen. Wera Engelhardt

Zehntausende Weihnachtsbäume sammeln die Teams ein

Hunderte Bäume liegen jetzt aufgetürmt zu Kevin Oehlers Füßen. Am Ende der Touren werden die Teams nach Angaben der ASF zwischen 30.000 und 40.000 Tannenbäume eingesammelt haben. Bei dem Anblick komme schon etwas Weihnachts-Wehmut auf, räumt Oehler ein. "Man trauert dem doch ein bisschen nach, weil es ja die Zeit der Familie ist, der Liebe. Und das hier so zu sehen, ist schon ein bisschen schade. Aber es kommt ja wieder. Alle Jahre wieder."

Bis Freitag, 20. Januar, werden in Freiburg noch Christbäume abgeholt. Die Termine für alle Straßen sind im jeweiligen Abfallkalender oder unter www.abfallwirtschaft-freiburg.de zu finden. Die Bäume sollten bis 6 Uhr morgens auf dem Gehweg liegen und müssen frei von jeglichem Schmuck sein - sonst bleiben sie liegen.