60 Jahre nach de Gaulles Rede

So denken junge Deutsche und Franzosen über ihr Nachbarland

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AUTOR/IN
Yannick Lipinski

Zum 60. Jahrestag von de Gaulles Rede an die deutsche Jugend am 9. September fragen wir: Wie blicken junge Menschen in Deutschland und Frankreich heute auf das jeweilige Nachbarland?

Zwei Länder - vier junge Menschen - eine Frage: Wie schauen sie auf ihr jeweiliges Nachbarland? 60 Jahre nach der berühmten Rede an die deutsche Jugend des französischen Präsidenten Charles de Gaulle. Er rief damals den jungen Deutschen auf Deutsch (!) zu:

"Ich beglückwünsche Sie, junge Deutsche zu sein. Das heißt, Kinder eines großes Volkes zu sein, das manchmal im Laufe seiner Geschichte große Fehler begangen hat."

Wir haben mit vier jungen Erwachsenen aus Frankreich und Deutschland geredet und sie gefragt, wie sie die deutsch-französische Beziehung wahrnehmen.

Claudia ist Krankenschwester in Colmar

Eine junge Krankenschwester lächelt in die Kamera. (Foto: SWR)
Die junge Krankenschwester Claudia aus Frankreich lobt die Solidarität Deutschlands während der Corona-Pandemie.

Claudia Meyer ist 25 Jahre alt und arbeitet seit drei Jahren als Krankenschwester in einem Krankenhaus in Colmar. Ihr Bild von Deutschland ist vor allem wegen der Corona-Pandemie sehr positiv.

"Deutschland und Frankreich haben sehr gut zusammengearbeitet. Vor allem während Corona, als Deutschland uns Patienten abgenommen hat."

Laut Claudia werden sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich immer weiter verbessern. Je länger der Krieg vorbei sei, desto mehr würden die Wunden heilen.

In Deutschland geht sie gerne essen oder besucht den Europa-Park.

Anna ist Friseurin in Breisach

Anna ist Friseurin aus Breisach und sitzt auf einem Friseurstuhl. (Foto: SWR)
Für Anna spielen Frankreich und die Menschen dort eine große Rolle in ihrem Leben.

Anna ist 32 Jahre alt und arbeitet in einem Friseurladen in Breisach (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) - direkt an der Grenze zu Frankreich. Für Anna spielt Frankreich eine große Rolle in ihrem Leben. Sie selbst besucht das Nachbarland regelmäßig und hat dort auch viele Freunde. Sie hat viele Kundinnen und Kunden aus dem Elsass, die nach Deutschland kommen.

"Ohne die Franzosen wäre die Stadt nicht so belebt. Frankreich gehört einfach dazu."

Die Grenzschließung während der Corona-Pandemie war für Anna eine große Umstellung.

"Es war sehr, sehr leer hier. Es hat einfach was gefehlt. Man konnte keine Freunde besuchen und sie konnten auch nicht nach Deutschland kommen."

Mit Frankreich verbindet sie vor allem: gutes Essen und die Freundlichkeit der Menschen.

Marc ist auszubildener Elektroniker in Kehl

Ein junger Mann in Handwerks-Kittel schaut in die Kamera. (Foto: SWR)
Der Franzose Marc sieht seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland und bezeichnet sich als Europäer.

Marc ist 23 Jahre alt und in Frankreich geboren. Heute arbeitet er zwar in Kehl (Ortenaukreis), wohnt aber weiterhin in Straßburg. Sein Lebensmittelpunkt ist in Deutschland.

"Ich sehe mich eher als Deutscher. Ich habe einen französischen Pass, deshalb bin ich wohl Europäer."

Da Marc Grenzgänger ist, hatte er viele Probleme, als 2020 die Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen wurden. Es sei stressig gewesen, weil er immer auf dem neuesten Stand sein musste und die beiden Länder unterschiedliche Regeln eingeführt hätten.

An Deutschland schätzt er vor allem die gute Infrastruktur und die Bezahlung in seinem Job. An Frankreich schätzt er vor allem den Käse oder das Baguette.

Vanessa ist im 3. Lehrjahr Industriekauffrau

Eine junge Frau sitzt auf einem Stuhl und lächelt in die Kamera. (Foto: SWR)
Deutschland und Frankreich haben aus Vanessas Sicht eine starke Beziehung innerhalb Europas.

Vanessa ist 20 Jahre alt und macht in Neuenburg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) eine Ausbildung zur Industriekauffrau. In ihrem Ausbildungsbetrieb sind über zwölf Prozent Französinnen und Franzosen angestellt.

Sie geht in Frankreich viel einkaufen, vor allem auf den Wochenmarkt mit ihrer Familie. Ansonsten verbindet Vanessa mit Frankreich vor allem Urlaub - ob in den Vogesen, in Paris oder zum Campen.

"Ich bin, seitdem ich klein bin, großer Fan von Frankreich. Weil ich immer mit in Urlaub oder zum Einkaufen genommen wurde."

Laut Vanessa unterstützen sich Deutschland und Frankreich in vielen Krisen gegenseitig und ziehen die anderen EU-Staaten mit. Eine starke Beziehung, so Vanessa.

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Yannick Lipinski