Cannabis (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/KEYSTONE | Christian Beutler)

Legalisierte Heilpflanze

Erste Cannabis-Praxis in Freiburg eröffnet

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Cannabis ist bereits seit 2017 als Medikament zugelassen. Doch viele Ärzte scheuen noch davor zurück, die Pflanze zu verschreiben. Im Cannabis-Therapiezentrum in Freiburg können sich Patienten nun beraten und behandeln lassen.

Seit über zehn Jahren leidet Claudia Schneider unter einer entzündlichen Auto-Immunerkrankung, die von verschiedenen Ärzten als unheilbar eingeschätzt wurde. Cannabis soll ihr nun dabei helfen, wieder den Alltag zu genießen und ihren Beruf als Marketing-Fachfrau schmerzfrei auszuüben. Beraten wird sie dabei vom ersten Cannabis-Therapiezentrum in Freiburg.

Cannabis als Heilmittel etablieren

Das Therapiezentrum im Freiburger Stadtteil Brühl ist Teil des Unternehmens "Algae Care". Gründer ist der Radiologe Julian Wichmann aus Frankfurt, der deutschlandweit bereits 18 Therapiezentren gegründet hat - vier davon in Baden-Württemberg. Wichmann will nach eigenen Angaben der Stigmatisierung der Pflanze entgegenwirken und in der Schulmedizin etablieren.

Ärzte haben Berührungsängste

Denn obwohl Cannabis als Medikament bereits seit 2017 offiziell erlaubt ist, nutzen bislang nur wenige Ärzte diese Möglichkeit. Einerseits ist das Thema sehr komplex. Andererseits gibt es noch viele bürokratische Hürden, wenn es um die Kostenübernahme für die Behandlung durch die Krankenkassen geht. Diese lehnen Anträge von Patienten oftmals ab.

Opioide statt Cannabis

Julian Wichmann hält es für paradox, dass Schmerzpatientinnen und -patienten auch heute noch oft Opioide (opiumartige Wirkstoffe) verordnet bekommen, obwohl medizinisches Cannabis bei langwierigem Krankheitsverlauf meist die nebenwirkungsärmere Alternative sei. Laut Julian Wichmann kommt Cannabis für drei Patientengruppen in Frage: Für Schmerzpatientinnen und -patienten sowie Menschen mit psychischen und Nervenerkrankungen.

Eine Patientin lässt sich von einem Arzt beraten (Foto: SWR, Sebastian Bargon)
Julian Wichmann berät eine Patientin Sebastian Bargon

Dampf ist heilsam, Rauch gesundheitsschädlich

Nach einem Erstgespräch im Freiburger Therapiezentrum und weiteren Beratungen per Videoschalte hat Claudia Schneider ein Rezept für medizinisches Cannabis erhalten. Die Einnahme erfolgt mithilfe eines medizinischen Rauchgeräts, einem sogenannten Vaporizer. Die Patientin würde Dampf, nicht Rauch einatmen, erläutert der Facharzt Julian Wichmann. Dabei werde die Pflanze nicht verbrannt, denn das erhöhe das Krebsrisiko.

Schnelle Erfolge bei Patientin

Bei Claudia Schneider zeigt die Cannabis-Therapie nach kurzer Zeit Wirkung:

„Die Auto-Immunerkrankung ist noch da, aber die Begleit- Symptomatiken wie Schafstörungen, körperliche Schmerzen und Taubheiten sind in kurzer Zeit fast verschwunden“. 

Oft keine Kostenübernahme durch Krankenkassen

Bislang werden die Kosten für Behandlung und Präparate nicht von der Krankenkasse übernommen. Rund 300 Euro muss Claudia Schneider monatlich für die Cannabis-Therapie zahlen. Aber das ist es ihr wert, betont sie:

„Jetzt stehe ich wieder mitten im Leben und kann wieder ganz normal arbeiten. Es geht mir richtig gut.“

Julian Wichmann (Foto: Detlef Gottwald/Algea Care)
Julian Wichmann, Gründer von "Algea Care" Detlef Gottwald/Algea Care

Bereits 1.000 erfolgreiche Therapien

Julian Wichmann hat mit seinem Unternehmen nach eigenen Angaben in den letzten anderthalb Jahren rund 1.000 Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheiten geholfen. Er hofft, dass die bürokratischen Hürden zur Kostenübernahme für die Behandlung durch die Krankenkassen schon bald überwunden werden. Es gelte auf Erfolgen aufzubauen, um die Situation für viele Patienten zu verbessern.

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