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Ein Zeckenstich kann die Gehirnhautentzündung FSME und weit häufiger eine Borreliose verursachen. Da es keinen Impfschutz gegen sie gibt und sie oft verkannt wird, kann Borreliose schlimme Folgen haben.

In Corona-Zeiten suchen viele Menschen Entspannung in der Natur. Nicht selten findet sich zuhause allerdings eine böse Überraschung: winzige Zecken, die versuchen, sich in die Haut zu bohren oder dies bereits getan haben. Die kleinen Blutsauger können FSME, also eine Art von Gehirnhautentzündung und Borreliose übertragen. Eine Infektion mit FSME betrifft pro Jahr in Deutschland etwa 500 Menschen. Mit bundesweit rund 200.000 Fällen im Jahr ist dagegen eine Infektion mit Borreliose weitaus häufiger. Eine Krankheit, die schlimme Folgen haben kann.

Es war vor einigen Jahren in ihrem Garten, als Astrid Breinlinger aus Bollschweil wahrscheinlich von einer Zecke gestochen wurde. Zumindest die "Wanderröte" um die Einstichstelle herum hätte den Verdacht nahe legen können.

"Am nächsten Morgen hatte ich eine Art Stich – umgeben mit einem roten Fleck."

Astrid Breinlinger, Borreliose-Patientin aus Bollschweil

Erst als eine mutmaßliche Sommergrippe die damals 50-Jährige Wochen später ins Bett zwang, ging sie zum Arzt. Der testete sie auf Borreliose: Negativ. Doch es kamen immer neue Beschwerden, unter anderem eine Blasenentzündung. Erst sechs Jahre später erinnerte sich ihr Arzt an den Zeckenstich. Der zweite Borreliose-Test schlug jetzt an. Die Borreliose-Bakterien hatten sich aber inzwischen so gut im Körper festgesetzt, dass bereits das Nervensystem befallen war. Die ersten Antibiotika-Therapien halfen wenig.

Durch Borreliose-Infektion verursachte sogenannte Wanderröte (Foto: SWR, SWR -)
Die "Wanderröte" ist ein typisches Kennzeichen einer Borreliose-Infektion. SWR -

Nur die wenigsten Borreliose-Erkrankungen nehmen solch einen schweren Verlauf. Wird die Infektion nämlich früh erkannt, stehen die Heilungs-Chancen gut. Oft genug wird sie jedoch verkannt und bleibt unbemerkt. Die AOK Südlicher Oberrhein meldet in ihrer neuesten Statistik für 2018 bei ihren Versicherten 1.265 Borreliose-Fälle. Die Zahlen würden seit Jahren ansteigen, so Pressesprecher Frank Kölble. Er verweist darauf, "dass auch in diesem Jahr die Zecken sehr aktiv sind und damit auch das Borreliose-Risiko steigt."

Auch der Freiburger Arzt Gunter Schlegel muss immer öfter Zecken entfernen, wobei längst nicht jeder Stich infektiös ist. In bestätigten Fällen analysiert der Mediziner zunächst das Immunsystem und verordnet dann keine Antibiotika, sondern homöpathieähnliche Globuli mit unterschiedlichen Molekülen. Stark verdünnt und deshalb ohne Nebenwirkungen wirken diese als Botenstoffe im Immunsystem.

"Viele Erreger, auch Borrelien, haben die Fähigkeit, das Immunsystem zu manipulieren und das verhindert die Heilung. Diese Manipulationen aufzuheben ist das Ziel der Mikro-Immuntherapie."

Gunter Schlegel, Arzt in Freiburg

Bei Astrid Breinlinger war es eine spezielle Antibiotika-Therapie, die nach langem Martyrium die Heilung gebracht hat. Andere Betroffene haben ähnliches durchgemacht, waren bei Ärzten, Psychiatern oder Psychologen. Deshalb hat die Bollschweilerin inzwischen eine Borreliose-Selbsthilfegruppe gegründet und ist seit zwei Jahren Vorsitzende im "Borreliose und FSME Bund Deutschland".

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