Landwirt Markus Glockner mit zwei Kühen  (Foto: SWR, Nadine Zeller)

Sprachrohr der Landwirtschaft

Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband feiert 75-jähriges Bestehen

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Christoph Ebner

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) hat sein 75-jähriges Bestehen gefeiert. Unter Corona-Auflagen fand in Freiburg am Freitag der Landesbauerntag 2021 statt.

Keine Busse aus allen Teilen Südbadens, nicht ein Traktor auf dem Parkplatz - ein Bauerntag unter Corona-Bedingungen und auf Abstand, obwohl der Verband ein großes Jubiläum zu feiern hat. Am 18. November 1946 fand die Gründungsversammlung des Verbandes statt. Er musste sich auf den südbadischen Landesteil beschränken, da Nordbaden Teil der amerikanischen Besatzungszone war. So ist es bis heute, denn der BLHV wollte immer seine Unabhängigkeit bewahren und entschied sich gegen eine Beteiligung am Landesbauernverbands mit Sitz in Stuttgart.

Interessen der Landwirtschaft in Südbaden vertreten

75 Jahre später hat sich die grundlegende Aufgabe des Verbandes nicht geändert. Er vertritt die Interessen der Landwirtschaft, die in in weiten Teilen Südbadens bäuerlich geprägt ist, vor allem was die Höfe im Schwarzwald angeht und die Wein- und Obstbaubetriebe am Oberrhein. Allerdings hat der Verband im Lauf der Jahrzehnte auch an Bedeutung verloren, weil immer weniger Menschen in der Landwirtschaft arbeiten und die Betriebe weniger als ein Prozent an der gesamtwirtschaftlich Bruttowertschöpfung hat in Deutschland. Die Mitgliederzahl hat sich im Lauf der Jahre halbiert.

Bäuerinnen und Bauern stehen unter Druck

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, macht zum Thema, unter welchem Druck die Bäuerinnen und Bauern heute sind. Er prangert an, dass Lebensmittel verramscht werden in Deutschland und der Handel die Preise diktiert. Wer die heimische Landwirtschaft erhalten wolle, müsse an der Theke für gute Produkte auch einen fairen Preis bezahlen, den der Handel dann auch angemessen weitergeben müsse, so Rukwied.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (Foto: SWR, Christoph Ebner)
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes Christoph Ebner

Präsident des Deutschen Bauernverbandes macht Mut

Die Haushalte geben noch rund zehn Prozent des Einkommens für die Ernährung aus - dieser Welt lag vor Jahrzehnten bei fast 50 Prozent. Rukwied machte den Bäuerinnen und Bauern kämpferisch Mut und verbreitete Selbstbewusstsein.

Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) beim Festakt zu 75 Jahre BLHV (Foto: SWR, Christoph Ebner)
Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) beim Festakt zu 75 Jahre BLHV Christoph Ebner

Auch Landwirtschaftsminister Peter Hauk in Freiburg zu Gast

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hebt in seiner Rede vor allem auf die gesellschaftlichen Leistungen für die Landwirtschaft ab, die in Form von Subventionen und Unterstützungszahlungen geleistet werden. Hauk macht deutlich, dass die Gesellschaft auch künftig über einen solchen Transfer die Landwirtschaft unterstützen muss.

BLHV als Kompass durch Zeiten der Veränderung

Für BLHV-Präsident Werner Räpple ist der BLHV Lotse und Kompass durch Zeiten der Veränderung. Das sagte er auch im Radiointerview im SWR. Der südbadische Verband habe viel erreicht für die bäuerliche Landwirtschaft, beispielsweise sei die Förderung der kleinen Höfe im Schwarzwald heute Vorbild für das Bergbauernprogramm der europäischen Landwirtschaftspolitik. Räpple sagt in seiner Grundsatzrede, die Herausforderung sei heute, "Arten- und Klimaschutz in Einklang zu bringen mit der Ernährungssicherung unseres Landes."

Umwelt- und Klimaschutz werden immer wichtiger

Sehr deutlich wird beim Bauerntag in Freiburg, dass für den BLHV die Themen Umwelt- und Klimaschutz immer wichtiger werden. Hier sind die Bäuerinnen und Bauern im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und ökologischer Ausrichtung und fühlen sich zum Teil auch zu Unrecht an den Pranger gestellt, wenn es um den Einsatz von Agrarchemie oder umstrittene Haltungsformen geht.

Preispolitik ist Thema beim Landesbauerntag in Freiburg

Das Thema Preispolitik zieht sich durch den Tag. Bäuerinnen und Bauern wollen einen gerechten Lohn für ihre Arbeit durch faire Preise und einen gesellschaftlichen Beitrag, allerdings ohne am Tropf von Subventionen hängen zu müssen.

Verband will jünger und weiblicher werden

Der Verband hat auch die Losung ausgegeben, jünger und weiblicher zu werden. Dass da noch Luft noch oben ist, zeigt die abschließende Podiumsdiskussion mit einem Moderator und vier Landwirten - die wenig weiblich besetzt ist.

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