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Ein 40-köpfiges Blasorchester hat sich in den Dienst der Wissenschaft gestellt: Bei einer mehrtägigen Probe wurde die Luftqualität gemessen - um herauszufinden, wie in Corona-Zeiten gelüftet werden muss.

Egal, was ein Blasorchester spielt: Instrumente mit Atemluft haben es aktuell schwer. Orchester und Musikvereine im ganzen Land leiden unter der Corona-Pandemie: "Die Vereine haben im letzten halben Jahr kaum geprobt, sie können ihre Jugendarbeit nicht mehr erfüllen", beklagt Christoph Karle vom Bund deutscher Blasmusikverbände mit Sitz in Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald).

Es muss also bald etwas geschehen. Aber wie lässt sich mit möglichst geringem Infektionsrisiko musizieren? Ein Probenwochenende der Freiburger Orchestergemeinschaft Seepark sollte da mehr Klarheit bringen. Die Probe in der Musikakademie Staufen wurde wissenschaftlich begleitet, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich die Luft zwischen den Musikerinnen und Musikern verhält.

Sprechen oder blasen macht keinen Unterschied

Drei verschiedene Messgeräte registrieren CO2-Gehalt, Temperatur und Raumfeuchte, also die Luftqualität insgesamt. Messtechnikerin Lara Burger kann in Echtzeit beobachten, wie die Musiker die Raumluft beeinflussen. Mit einer interessanten Erkenntnis: Der CO2-Gehalt steigt zunächst sprunghaft an, wenn sich die Musiker im Saal versammeln. Aber: "Der stagniert dann interessanterweise während der Probe - es macht also keinen Unterschied, ob man einfach zusammen sitzt oder ob man musiziert", sagt Burger.

Ob also geblasen oder nur gesprochen wird, macht keinen Unterschied für die Luftqualität. Aber welcher Zusammenhang besteht zwischen der Raumluftgüte und einem Corona-Infektionsrisiko? Aerosole, kleinste Schwebeteilchen in unserer Atemluft, werden gemeinsam mit Kohlendioxid (CO2) ausgeatmet, erklärt Manfred Nusseck vom Freiburger Institut für Musikermedizin: "Das heißt, man kann vermuten, dass, wenn der CO2-Gehalt angestiegen ist, es dann auch mehr Aerosole in der Luft gibt."

Lüften ist eine der wirksamsten Methoden

Das bedeutet: Je länger die Luft im Raum steht, desto häufiger wird sie nochmal eingeatmet. Und dadurch steigt das Risiko, die Aerosole eines eventuell Erkrankten in die Lungen zu bekommen. Die endgültige Auswertung der Daten wird noch einige Tage dauern, aber eine erste Erkenntnis gibt es bereits: Lüften ist eine der wirksamsten Methoden, um das Infektionsrisiko zu senken. Diese Information hilft nicht nur Orchestern, sondern auch zum Beispiel den Schulen.

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