Die hauptsächlich aus Mais bestehende Biomasse wird in der Umgebung angebaut (Foto: SWR) (Foto: SWR)

Klimaneutrale Energiegewinnung

Biogas als Alternative zu Gas aus Russland? Ein Beispiel aus Forchheim

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Robert Wolf

Wie kann Deutschland russisches Gas schnell ersetzen? Diese Frage wird seit Beginn des Ukrainekrieges immer häufiger gestellt. Eine klimaneutrale Möglichkeit: Biogas.

Andreas und Herbert Binder vor einem Teil der Biogasanalge (Foto: SWR) (Foto: SWR)
Andreas und Herbert Binder vor einem Teil der Biogasanalge

In Forchheim betreibt die Familie Binder schon seit 2006 eine stetig wachsende Biogasanlage. Mit dem größten Vorurteil gegenüber Biogasanlagen räumt Herbert Binder gleich auf: dem Gestank. Ja, Biomasse hat einen ganz eigenen Geruch, aber der bringe doch keinen um, sagt der Mitbegründer der Anlage. Für ihn zählt nur, was daraus werden kann. "Eine Tonne Material bringt 480 KW elektrischen Strom und das Abfallprodukt muss nicht die nächsten 10.000 Jahre aufbewahrt werden, sondern wir fahren es auf den Acker."

Die Biomasse wächst vor der Hoftüre

Das Prinzip ist einfach: Die Biomasse, in Forchheim hauptsächlich Mais, wird in eine Kammer eingefüllt. Dort gärt und fermentiert die Masse und es entsteht Gas, welches zur Stromerzeugung genutzt wird. 3.600 Kilowatt kann die Anlage in Forchheim mittlerweile in der Stunde leisten.

Die Biomasse wird von den Binders selbst angebaut. Reine Landwirtschaft war für die Landwirtsfamilie irgendwann keine Option mehr. "Die Preise in der Landwirtschaft sind seit den 1980er Jahren sukzessive zurückgegangen, dementsprechend auch die Zahlungsmoral der Kunden. 2004 haben wir uns entschlossen, eine Biogasanlage zu bauen", sagt Herbert Binder über die Anfänge.

Keine Klagen von Anwohnenden

Und seit 2006 läuft die Anlage rund um die Uhr. 13 Menschen arbeiten hier. Klagen von den Anwohnenden gab es noch nie. Im Gegenteil: Die Binders modernisieren die Anlage ständig und der Gemeinderat hat jedes Mal zugestimmt. Probleme sehen die Binders eher in den Steinen, die Behörden und Landespolitik Anlagenbetreibern in den Weg legen. Herbert Binder berichtet von Kollegen, die mittlerweile schon wieder das Handtuch geworfen haben. Neffe Andreas Binder, der mittlerweile Eigentümer der Anlage ist, glaubt nicht, dass jetzt wegen des Ukraine-Kriegs ein Biogasanlagen-Boom in Deutschland kommt. Aber er sieht Potential an anderer Stelle: "Die Gasaufbereitungsanlage zu Biomethan für den Kraftstoffsektor, da denke ich schon, dass man da noch was machen kann."

"Jeder will erneuerbare Energie. Aber keiner will ein Windrad. Keiner will eine Biogasanlage, keiner will eine Photovoltaikanlage, weil sie blendet oder nicht schön aussieht. Aber Energie braucht jeder."

Nur mit Innovation ist die Anlage zukunftsfähig

Die Binders planen selbst schon die nächsten Schritte. Neue Pflanzensorten sollen noch die Gasausbeute erhöhen, auch Algen könnten zukünftig in irgendeiner Form eine Rolle spielen. Dass geplante Biogasanlagen wie in Meißenheim in der Ortenau auf große Widerstände stoßen und von Bürgerinitiativen verhindert werden, stößt bei Familie Binder auf Unverständnis. Lärm-, Geruchs- und Verkehrsbelastung seien nicht größer als bei anderen landwirtschaftlichen Betrieben, sagt Herbert Binder. Und Landwirtschaft rieche nun mal. Auch Sicherheitsbedenken wegen des hochexplosiven Methans sind für ihn kein Argument. "Wir haben darin keinen Sauerstoff. Das heißt, wir können jetzt sofort eine Fackel anzünden und reinstecken, es passiert gar nichts", sagt Herbert Binder und betont, dass die Anlage mehrmals pro Jahr auf Gaslecks überprüft werde. So wie alles in der Anlage regelmäßig vom TÜV überprüft werden muss.

"Wir unterliegen der Störfall-Verordnung, wir sind in einem Kontrollsystem, das liegt eine Stufe unter dem Atomkraftwerk."

Ein Teil der Biogas-Anlage in Forchheim (Foto: SWR) (Foto: SWR)
Ein Teil der Biogas-Anlage in Forchheim

Verwaltungsakte bremsen Innovation

Die Energieversorgung der Zukunft geht für die Binders nur über die erneuerbaren Energien. Damit diese aber vorankommen, wünschen sich Herbert und Andreas Binder weniger Hürden bei den Behörden. Planungsverfahren benötigten immer noch mehrere Jahre. Und das, so Herbert Binder, bremse Innovation. Man könne schon viel weiter sein, wenn man es zuließe.

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