Maschine für OP-Masken (Foto: SWR, Katja Schiementz)

Maskenhersteller in Schopfheim

Billigimporte gefährden heimische Maskenproduktion

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Zu Beginn der Pandemie war klar: Deutschland braucht eigene Maskenhersteller. Produzenten wurden bezuschusst. Mittlerweile werden sie von Billigimporten verdrängt. Ein Beispiel.

In der Produktionshalle der Firma A+M in Schopfheim (Kreis Lörrach) herrscht bislang noch Hochbetrieb. Jeden Monat laufen hier hunderttausende Schutzmasken vom Band, so Firmenchef Michael Hitz: "Wir stellen hier mit vier Produktionsanlagen FFP2-Masken und OP-Masken her. Die laufen vollautomatisch, sodass die Mitarbeiter dann nur noch die Masken verpacken und die Qualitätskontrolle durchführen müssen." So sei sichergestellt, dass nur gute Ware an die Kundschaft geliefert werde.

Ihr Start-Up-Unternehmen haben Michael Hitz und seine Frau Abda im Frühjahr letzten Jahres gegründet. Sie kündigten ihre Jobs, kauften eine Produktionsmaschine und stellten drei Mitarbeiter ein. Inzwischen ist die Belegschaft auf 20 Leute angewachsen - die Geschäfte laufen gut.

Bislang jedenfalls, denn neben Aufträgen aus der Region konnte die Firma einen Großauftrag der Bundesregierung ergattern: "Wir können 400.000 OP-Masken pro Woche an die Bundesregierung liefern. Das geht bis Ende 2021, aber unsere Befürchtung ist, dass wir dann 2022 eben mit zu wenigen Aufträgen dastehen, um die Produktion aufrecht erhalten zu können."

"Made in Germany" ist teurer - Kosten sind ausschlaggebend

Denn in den letzten Monaten bekam der Schopfheimer Maskenhersteller bei öffentlichen Ausschreibungen immer seltener den Zuschlag. Stattdessen wurde Billigware aus China bevorzugt.

Denn Schutzmasken "made in Germany" sind doppelt so teuer: "Die Kriterien in den Ausschreibungen sind meistens die Kosten und dann wird auch veröffentlicht, wer den Auftrag bekommen hat, und da sieht man, dass das eben oft Händler sind, die Ware aus China kaufen, insofern wissen wir, dass preislich ein sehr hoher Druck ist."

Einige deutsche Maskenhersteller hätten deshalb bereits aufgegeben, sagt Abda Hitz: "Natürlich können wir mit unseren Herstellungskosten nicht mit den chinesischen mithalten, sodass schon einige Produzenten in Deutschland ihre Produktion runterfahren mussten oder auch schon Mitarbeiter entlassen haben."

Qualität und nachhaltige Produktion für Masken gefordert

Auch das Schopfheimer Unternehmerpaar macht sich Sorgen. Es unterstützt deshalb den Maskenherstellerverband Deutschland, der eine Anpassung der Ausschreibungskriterien fordert.

Michael Hitz wünscht sich: "Erstens müssen die Krankenhäuser höhere Fallpauschalen bekommen, sodass sie sich eben auch die Schutzprodukte aus Deutschland leisten können, und das zweite ist, dass nicht nur der Preis ausschlaggebend ist bei öffentlichen Ausschreibungen, sondern auch die Qualität und andere Kriterien, wie der CO2-Fußabdruck des Produktes."

Hoffnung auf Bundesregierung

Große Hoffnungen setzen die deutschen Produzentinnen und Produzenten auf die Bundesregierung. Denn die will in den nächsten Jahren rund 20 Lager mit Schutzausrüstung aufbauen und dafür soll vorrangig deutsche Ware gekauft werden.

Doch dieses Versprechen hilft dem Schopfheimer Maskenhersteller derzeit nicht weiter. Das Unternehmerpaar braucht dringend Planungssicherheit und das heißt möglichst schnell konkrete Auftragszahlen und Zeitpläne.

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