#besserRadfahren: Fazit der SWR-Aktion

Noch viel Luft nach oben in der "Fahrradstadt" Freiburg

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Immer mehr Räder auf den Straßen, mit und ohne Motor: Das ist gut für die Umwelt und auch für die eigene Gesundheit. Doch im Autoland Deutschland ist das oft gefährlich, selbst in der "Fahrradstadt" Freiburg.

Rad fahren ist für viele die coolste Art der Fortbewegung. Vor allem auch seit der Pandemie sind zahlreiche Menschen auf´s Rad umgestiegen. Leider haben auch schwere Unfälle zugenommen. Deshalb hat der SWR die Aktion #besserRadfahren gestartet: ein Aufruf an die Bevölkerung, besonders gefährliche Stellen zu melden. Entstanden sind so viele Geschichten, Filme und Reportagen für Hörfunk und TV. Jetzt geht die Aktion zu Ende und im SWR Fernsehen gibt es zum Abschluss eine "betrifft"-Sendung. SWR-Moderatorin Suse Kessel hat sich mit Filmemacher Claus Harnischdörfer darüber unterhalten:

SWR: Ihr habt viel in der Fahrradstadt Freiburg gedreht. Besser Rad fahren geht auch hier, oder?

Claus Hanischdörfer: "Ich würde das mal mit "jein" beantworten. Ich kenne Freiburg seit meiner Studentenzeit. Da hat meine Freundin damals studiert und ich war in den 90er Jahren sehr viel in Freiburg mit dem Rad unterwegs. Ich finde, da hat sich sehr viel verbessert: Es gibt viel, viel mehr und bessere Radwege. Allerdings hat auch der Radverkehr zugenommen. Aber mir scheint, die Stadt beziehungsweise die Verkehrsplaner kommen nicht nach, die Infrastruktur zu verbessern. Es ist einfach schneller, sich ein Rad zu kaufen, als einen Radweg zu bauen."

Wir berichten immer wieder von tödlichen Fahrradunfällen in Freiburg. In der Aktion ging es deshalb auch darum, besonders gefährliche Stellen zu zeigen und wie diese entschärft werden können. Da gib es auch in Freiburg einige, habt ihr festgestellt?

"Ja. Beim Radfahren wird es vor allem gefährlich, wenn es in den Kreuzungsbereich geht. Da gibt es in Freiburg zum Beispiel die Wiehre, ein Wohngebiet und eigentlich ein verkehrsberuhigter Bereich. Trotzdem fahren da viele Autos schneller als die erlaubten 30 km/h und da gab es auch im letzten Jahr einen tödlichen Unfall, bei dem einem jungen Familienvater die Vorfahrt genommen wurde. Es wird jetzt daran gearbeitet. Die Kreuzungsbereiche sollen von Autos befreit werden. Das heißt, in den Randbereichen darf nicht mehr geparkt werden. Da sind jetzt Poller, es dürfen nur noch Räder abgestellt werden. Allerdings fordern die Radfahrenden vom Radentscheid in Freiburg, dass da "Berliner Kissen" aufgebaut werden. Das sind Fahrbahnaufstockungen, durch die jeder Verkehrsteilnehmende gezwungen ist, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Das würde sicher helfen, aber von den "Berliner Kissen" gibt es bisher viel zu wenige in Freiburg."

Ein Fahrradfahrer vom Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. fährt mit einer ca. 1,5 m langen Schaumstoffstange ("Poolnudel") zur Illustration des vorgeschriebenen Mindestabstandes von Autofahrern über eine Straße (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk,  Julian Stratenschulte)
Julian Stratenschulte

Es gibt in Freiburg eine weitere neuralgische Stelle: die Kronenbrücke. Da passiert auch immer sehr viel. Wart ihr da auch?

"Ja. Da sind schon mehrere ganz schwere Unfälle passiert. Zwei Frauen sind dort in den letzten Jahren tödlich verunglückt, weil sie beim Abbiegen von einem LKW überfahren und überrollt worden sind. Da hat die Stadt Freiburg eigentlich eine gute Lösung gefunden. Sie haben den Radverkehr ganz nach rechts genommen und eine separate Ampelschaltung gemacht. Radfahrer dürfen nur noch fahren, wenn es für sie grün ist, und die Autofahrenden nur, wenn für sie grün ist. Wenn sich jeder an die Signale hält, dürfte da eigentlich nichts mehr passieren."

Wie hast Du denn die allgemeine Situation in Freiburg erlebt? Würdest Du hier heute gerne Rad fahren?

"Ich bin jetzt selbst gar nicht mit dem Rad in Freiburg gefahren, weil ich mit dem Dienstwagen aus Stuttgart anreisen musste, und war dann drei Tage mit dem Auto in Freiburg unterwegs. Wir haben auch noch mit einem Busfahrer gedreht, der ja jeden Tag in seiner Schicht durch die Innenstadt fahren muss. Und auch der hat uns berichtet, dass viele Radfahrende sich nicht an die Verkehrsregeln halten, mit dem Handy am Ohr fahren oder keine Zeichen geben, wenn sie abbiegen. Da müssten sich auch die Radfahrenden an die Verkehrsregeln halten, dann wird es auch für sie sicherer."  

Ihr habt überall im Land gedreht: Wie steht denn Freiburg da im Vergleich zu anderen Regionen?

"Freiburg hat den ganz großen Vorteil, dass es einen wirklich sehr hohen radfahrenden Anteil gibt. Dadurch ist es aber auch wieder ein bisschen problematisch. Weil eben so viele unterwegs sind, gibt es auch mehr Unfälle. Leider ist Freiburg Spitzenreiter im Südwesten, was schwere Radunfälle angeht." 

Dein Fazit: Hat die SWR Aktion #besserRadfahren etwas gebracht?

"Na hoffentlich! Wir haben insgesamt über zehntausend, ich glaube rund 10.700 Meldungen bekommen. Ich denke, durch die Aktion beim SWR ist da noch einmal eine höhere Sensibilität entstanden, die hoffentlich dazu führt, dass es zu einem besseren Miteinander führen wird. Autofahrende und Radfahrende müssen einfach mehr aufeinander Acht geben, dann klappt das auch."

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