Impfauskunftspflicht: Was das Freiburger Marienhaus davon hält

Pflegeheim: Chef darf nach Corona-Impfung fragen

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AUTOR/IN
Anita Westrup
ONLINEFASSUNG
Ulrike Liszkowski

Wer in Kitas, Schulen oder Altenheimen arbeitet, muss seinen Impfstatus angeben. Das hat der Bundestag entschieden. Im Freiburger Marienhaus ist in der Pandemie aber noch anderes entscheidend.

Maske tragen, regelmäßig lüften und Hände waschen - das gehört mittlerweile zum Alltag von Pflegerin Adelheid Rynk. Die Hygieneregeln sind ihr heilig, aber hat sie sich auch gegen Corona impfen lassen? Genau das darf ihr Chef nun abfragen. Doch der steht der Auskunftspflicht eher kritisch gegenüber.

Ich möchte halt auch nicht, wie früher angedacht, dass die einen mit einem gelben und die anderen mit einem grünen Bändchen am Arm hier rumlaufen. Der eine ist verimpft, der andere nicht, das bringt einfach Unruhe rein. Die Leute sollen an einem Strang ziehen, ob geimpft oder nicht, das ist einfach die Hauptsache.

Im Marienhaus sind die allermeisten geimpft

Rund 300 Menschen arbeiten in dem Freiburger Pflegeheim, 90 Prozent von ihnen sind geimpft. Die Impfstatus-Abfrage findet Pflegerin Adelheid Rynk sinnvoll, da gebe es im Heim auch keine negative Stimmung. Die Arbeit im Pflegeheim unter Corona-Bedingungen ist aber ein Balanceakt: Einerseits möchte der Einrichtungsleiter die Lebensfreude hoch-, andererseits die Ansteckungsgefahr niedrighalten.

Gäbe es jetzt zum Beispiel Bewohner und Bewohnerinnen, die sagen würden, ich möchte nur von geimpften Pflegekräften versorgt werden, da müsste ich dementsprechend den Dialog suchen und dann handeln.

Pflegekräfte versorgen besonders Schutzbedürftige

Der offengelegte Impfstatus soll ermöglichen, ungeimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bereichen einzusetzen, wo sie weniger Personenkontakte haben. Fest steht aber: In der Pflege herrscht Fachkräftemangel, jede Hand wird gebraucht, das spürt auch Bewohnerin Rotraut Weinmann:

Ich möchte ja gepflegt werden, und ich möchte mit dem auch ein gutes Verhältnis haben, da frage ich schon gar nicht, ich kann nicht sagen, wenn der mir morgens Frühstück bringt, sind Sie geimpft? Da habe ich Hunger. Da will ich frühstücken.

Die Impfauskunftspflicht ist in Kliniken seit langem selbstverständlich, wenn die Angestellten Patientenkontakt haben. Sie wurde nun auf Kitas, Schulen und Heime ausgeweitet und gilt, solange die sogenannte epidemische Lage andauert. Zuletzt wurde sie vom Bundestag bis zum 24. November verlängert.

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