während der Sanierung der Vonovia-Wohnanlage in Freiburg müssen Mieter Dusch- und KloContainer benutzen (Foto: SWR, Owusu Künzel)

Dusch- und Klocontainer für Mieter

Bauschäden und Schimmel: Freiburger Vonovia Wohnanlage wird saniert

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Wohnen - ein großes Thema im Wahlkampf. Was würde sich hier künftig ändern und wann? Recherchen in Freiburg decken teils haarsträubende Zustände auf.

In einer Wohnanlage des Konzerns Vonovia im Auggener Weg in Freiburg-Weingarten klagen die Mieter über Schäden und Schimmel sowie unangemeldetes Abstellen von Wasser oder Strom während der Bauarbeiten. Die Häuser werden aktuell kernsaniert, daher müssen hier Dusch- und Klocontainer vor dem Haus genutzt werden. Diese Sanierung geht nicht spurlos an den Mietern vorbei.

Eine kurze Umfrage unter Mietern in der Vonovia-Wohnanlage im Auggener Weg in Freiburg-Weingarten lässt erahnen, was sie hier in den letzten Monaten mitgemacht haben. In dem Vonovia-Komplex, findet gerade eine Generalsanierung statt. Die Mieter berichten davon, dass ohne Vorankündigung das Wasser abgestellt würde.

"Wir schämen uns jemanden einzuladen - nach der Bad-Sanierung hatten wir Schimmel. Dann wurde uns gesagt, wir hätten falsch gelüftet."

Im Moment müssen manche Bewohner nach draußen vor das Haus, um dort auf Dusch- und Klocontainer auszuweichen. Ursprünglich sollte die Sanierung bis Oktober fertig sein. Vonovia-Sprecher Matthias Wulff: "Ende Oktober werden die Duschcontainer abgeholt, das ist unsere Planung, die wir für realistisch halten. Dennoch kann ich dafür nicht garantieren."

Für Günther Rausch vom Mietenbündnis Freiburg ist dieser Fall ein Skandal: "Ich kenne das Haus seit 40 Jahren. Jetzt gehört es Vonovia. Es wurde 2005 unter der damaligen grün-schwarzen Kommunalverwaltung von der Gagfa an die Vonovia verkauft. Es wurde viel Geld verdient, aber den Mietern nichts dafür geboten. Es wurde vernachlässigt." Rausch befürwortet deshalb die Enteignung großer Unternehmen wie Vonovia. In Berlin gab es jetzt ein Referendum zu diesem Thema. Gefragt wurde, ob große Konzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen vergesellschaftet werden sollten. 56,4 Prozent der Berliner sprachen sich dafür aus. Dies dürfe aber immer nur der letzte Schritt sein, so Günther Rausch vom Mietenbündnis Freiburg.

"Enteignungen sind das letzte Mittel, um Konzernen als Großeigentümern in das Geschäft hinein zu regieren, wenn sie ihre soziale Verantwortung nicht wahrnehmen. In diesem Fall ist das so."

Das Ergebnis des Referendums ist für den Berliner Senat rechtlich nicht bindend. Dennoch: Die Diskussion um Spekulation mit Wohnraum wurde dadurch neu entfacht. Manfred Wolf, Vorsitzender des Mietervereins Regio Freiburg sieht Enteignungen eher kritisch: "Ich bin da etwas zwiegespalten. Bundesweit besitzen Vonovia und Deutsches Wohnen insgesamt 2,5 Prozent aller Wohnungen - ein verschwindend kleiner Teil." Es mag sein, dass es für Berlin eine sinnvolle Maßnahme ist, so Wolf, aus seiner Sicht müssten für die Zukunft aber mehr Maßnahmen wie etwa die Mietpreis-Bremse her. Diese Bremse regelt, dass die Miete für ein Objekt innerhalb von drei Jahren höchstens um 20 Prozent steigen darf.

Vonovia betont, dass die Mieten im Auggener Weg in Freiburg-Weingarten aufgrund der Sanierung nicht steigen sollen. Dennoch: Die Menschen in der dortigen Wohnanlage wünschen sich einfach wieder mehr Normalität, so eine Mieterin: "Wenn jemand zwischen vier und sechs Wochen kein Bad hat, ist das ganz schlecht und ganz mies. Das hätte besser laufen können. Und wenn unangekündigt das Wasser abgestellt wird, dann betrifft das alle im Haus - egal ob man gerade unter der Dusche steht oder die Waschmaschine läuft. Das geht einfach nicht."

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