Neuer Stadtteil Dietenbach

Protest gegen Waldrodung: Junge Menschen besetzen Bäume

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Der geplante neue Stadtteil Dietenbach im Freiburger Westen ist nach wie vor umstritten. Seit einer Woche gibt es dort nun auch Baumbesetzungen, als Protest gegen die Rodung von viereinhalb Hektar Wald.

Bis zu 20 Meter in die Höhe reichen die Plattformen, die Klima-Aktivistinnen und -Aktivisten zwischen die Bäume gebaut haben. Konstruktionen aus Seil halten die Holzpaletten, Planen schützen gegen den Regen.

"Wir sind hier, um den Wald zu schützen und wir gehen erst, wenn uns garantiert wird, dass dieser Wald erhalten bleibt."

Innerhalb weniger Tage haben sich Naya und etwa zehn junge Menschen im Wald am Dietenbachgelände im Freiburger Westen eingerichtet. Dass Teile davon gerodet werden, ist für die Gruppe unvereinbar mit Freiburgs Klimazielen. Es geht um 4,5 Hektar Waldfläche, die nach den Plänen der Stadt einer Bebauung im Weg stehen.

Auf dem Dietenbachgelände im Freiburger Westen entsteht bald ein neuer Stadtteil. 4,5 Hektar wald müssen dafür gerodet werden. (Foto: dpa Bildfunk, Patrick Seeger)
Im Freiburger Westen entsteht bald ein neuer Stadtteil. 4,5 Hektar Wald müssen dafür gerodet werden. Patrick Seeger

Doch um den Wald zu erhalten, würden kleine Veränderungen nicht ausreichen. Das würde eine grundsätzliche Veränderung des gesamten Planes bedeuten, behauptet Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag und führt als Beispiel die Straßenbahnlinie an.

"Die Straßenbahn soll den Stadtteil erschließen und die fährt eben durch diesen Wald. Dann wird es da eben auch ein paar Bäume geben, die für diesen Stadtteil gefällt werden müssen".

Stadt Freiburg: zu spät für Umplanungen

Für Haag kommt die Debatte zu spät: Der Grundstücksankauf sei größtenteils abgeschlossen. Im Dezember 2020 habe der Gemeinderat einen Rahmenplan verabschiedet. Straßenzüge, Haltestellen und Häuserblöcke seien darauf eingetragen und die ersten Bagger bereits vor wenigen Wochen angerückt. Den Eingriff in die Natur verteidigt der Baubürgermeister: Immerhin habe man Ausgleichsmaßnahmen realisiert. "Auch für Vögel haben wir Bruthabitate hergestellt, weil wir schon erste Bäume für Zuwege gefällt haben. Es wird jetzt Schritt für Schritt los gehen.“

Begehrlichkeiten sind groß

Wer allerdings die geplanten 7.000 Wohnungen bauen darf, ist noch immer strittig. 50 Prozent geförderter Mietwohnungsbau sind geplant. Zu viel sagen die einen, zu wenig die anderen. Die Begehrlichkeiten sind enorm. Im Herbst soll es Klarheit geben. Bis dahin wollen die Baumbesetzerinnen und -besetzer Dietenbach weiter im Gespräch halten. Es soll nicht nur um den Schutz des Waldes gehen. Auch die Frage nach bezahlbarem Wohnraum sei wichtig. Zu einem ersten Treffen war Baubürgermeister Haag bereits im Wald.

"Es wurden viele Fakten noch einmal gegengecheckt und sich gegenseitig viele Vorwürfe gemacht. Aber zu einem tiefen Austausch ist es noch nicht gekommen."

Naya und ihre Gruppe wollen nicht aufgeben. In einem weiteren Gespräch wollen sie der Stadt zeigen, dass mehr Klimaschutz doch noch möglich ist.

Baumbesetzung Dietenbach:  Die Aktivistinnen und Aktivisten haben sich in fünf bis zwanzig Metern Höhe"eingerichtet". (Foto: SWR, Isabel Röder)
Baumbesetzung Dietenbach: Die Aktivistinnen und Aktivisten haben sich in fünf bis zwanzig Metern Höhe"eingerichtet". Isabel Röder

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