Steffen Brupbach, der junge Bauer ohne Bauernhof, führt seine Kühe zu neuen Weideflächen (Foto: SWR)

Zimmermann mit Liebe zu Rindern

Quereinsteiger als Großviehhalter ohne Hof in Teningen-Heimbach

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Was braucht man für einen landwirtschaftlichen Betrieb? Einen Bauernhof jedenfalls nicht. Das beweist ein junger Großviehhalter aus Teningen-Heimbach.

Steffen Brupbach liebt seine 19 Stück Großvieh in Mutterkuhhaltung. Es kommt vor, dass er die Rinder drei oder vier Mal am Tag besucht, weil er ständig an sie denkt: "Die Bindung ist schon stark. Das was ich ihnen gebe, geben sie mir auch zurück", sagt er. Heute zum Beispiel müssen sie ein Team sein, Steffen und seine Rinder, "denn die Weide ist leer gefressen und jetzt geht es auf ein neues Stück." Die neue Weide ist einige 100 Meter entfernt – alles muss schnell gehen, die Straßen darf er nicht so lang sperren: "Wenn das jetzt bei einem Hof wäre, dann wären die Flächen zusammenhängend und dann müssten wir nicht von Parzelle zu Parzelle laufen. Das wäre schon einfacher, dann könnten wir von Tor zu Tor."

Steffen Brupbach ist ein Bauer ohne Bauernhof

Wo er kann, kauft er da ein Stück Wiese, pachtet hier eine Weide. Oft liegen diese weit auseinander, aber Frau und Kinder helfen mit. Sie sperren Straßen ab und dokumentieren seine Arbeit. Ist die neue Weide erreicht, sind die Kühe im Glück. Es ist ein Kraftfutter der besonderen Art, schwärmt Steffen Brupbach: "Mir geht's nicht drum, dass die Viecher schnell an Gewicht zunehmen. Mir geht's drum, dass sie gesund sind und sich wohlfühlen und zusätzlich die Landschaft gepflegt ist. Da nehme ich auch in Kauf, dass die nicht so schnell zunehmen, aber trotzdem eine super Fleischqualität haben."

Instagram ist ein wichtiges Medium für Direktvermarkter

Der Weideumtrieb wird abends gepostet – Instagram bringt den Direktvermarktern Aufmerksamkeit. Ines Brupbach nimmt das in die Hand, "damit man auch einfach weiß, wo das Fleisch herkommt. Das ist uns schon wichtig. Und das ist natürlich der Pluspunkt. Da ist Instagram ein Medium, mit dem man viele Leute erreicht."

Landwirtschaft ist Steffens Leidenschaft. Bis er davon leben kann, arbeitet er in der St. Jakobuskirche in Denzlingen als Hausmeister und Messner. Er ist gläubiger Katholik und die Arbeit lässt sich besser mit der Landwirtschaft vereinbaren, als sein erlernter Beruf als Zimmermann, erzählt er: "Bei fast 40 Grad auf dem Dach stehen und dann abends noch in der Landwirtschaft Power geben – die körperliche Belastung war mir da einfach zu groß. Und manchmal, während dem Gottesdienst, ist das quasi wie eine Meditation für mich."

Als Jugendlicher 50 Euro zuviel - damit fing alles an

Ziegen, Schafe, Rinder – knapp 50 Tiere hat Steffen inzwischen. Alles fing damit an, weil er als Jugendlicher einmal 50 Euro zu viel hatte: "Angefangen hat das Ganze mit meinem Tierwahnsinn, als ich 15 war. Da habe ich in der Zeitung eine Anzeige gelesen, dass jemand Ziegen verkauft. Da hab ich gedacht, jawohl, das ist der Startschuss. Bin aufs Mofa gesessen, hingefahren, habe dem 50 Euro gegeben und gesagt, heute Abend bringst du die Ziegen heim. Dann ist der abends gekommen, und meine Eltern sind natürlich aus allen Wolken geflogen."

Anfangs waren Steffen und seine Tiere Dorf-Gespräch

Steffen pachtete seine erste Wiese, stellte einen Stall drauf und zog mit den Ziegen von seinem Elternhaus durch das Dorf hinaus ins Grüne: "Die Leute - was die über mich gesprochen haben, das war wahnsinnig am Anfang. Die haben nur gelacht und gesagt, der hat ja nur einen Spleen, das hält nicht lang an, der ist ja verrückt!" Doch Steffen legte noch einen drauf: Er kaufte Rinder und baute ihnen einen Stall – als Zimmermann kein Problem. Gern würde er daneben auch ein Haus für sich und seine Familie bauen – doch das ist nicht genehmigungsfähig.

Für Steffen Brupbach ist es wichtig, dass seine Kinder mit der Landwirtschaft aufwachsen und sie auch erlernen.
Zwischendrin ein Fotoshooting für den Instagram-Kanal. Warum der wohl so erfolgreich ist? Ines Brupbach hat da eine Ahnung: "Ich glaube weil er gut aussieht. Klar, ich mein' ein junger gut aussehender Mann - und tierlieb - das zieht schon gut."

Klingt nur paradox: Erzeuger wirbt für weniger Fleischkonsum

Bauer ohne Bauernhof will Steffen nicht ewig bleiben. Doch viel wichtiger, als der eigene Hof mit zusammenhängenden Weiden, sind ihm Kunden, die weniger Fleisch essen – dafür aber gutes: "Ich bin schon der Meinung, dass man weniger Fleisch essen sollte, dafür aber qualitativ gutes. Und dass man mehr Geld dafür ausgeben muss und dafür vielleicht nur einmal in der Woche isst. Klar ist das praktisch gegenwirkend zu dem, was ich mache. Ich erzeuge ja Fleisch, aber ich habe einen geringen Bestand, ein hohes Tierwohl, und eine artgerechte Haltung. Das muss halt bezahlt sein. Das wär ein Traum."

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