Bächleputzer mit Publikum (Foto: SWR)

Einzigartige Stadtführung für Touristen und Einheimische

Mit dem Bächleputzer auf Tour durch Freiburg

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Stocky hat einen seltenen Beruf. Er ist Bächleputzer. Und den gibt es eigentlich nur in Freiburg und passend dazu eine ungewöhnliche Stadtführung: Die Original Bächleputzer-Tour.

Alain Stockmayr, alias Stocky, führt Gruppen durch die Freiburger Altstadt. Bei seiner Stadtführung wird aber nicht hoch zur Münsterspitze geguckt, sondern hinab unter die Gullydeckel. Da unten schlägt das Herz der Stadt. Und da regelt Stocky mit Blechschiebern den Wasserdurchfluss. Er ist einer von vier Bächleputzern in Freiburg und spült und schrubbt sich tagtäglich durch die Altstadt.

Die Bächle fließen ohne eine einzige Pumpe

Die Bächle sind so einzigartig wie sein Beruf. Sie sind eine Erfindung des Mittelalters. Damals wurde die Altstadt extra ein paar Meter aufgeschüttet, damit das Wasser fließt. Bis heute funktioniert das rein über das Gefälle ohne eine einzige Pumpe.

Im Mittelalter führten die Bächle Brauchwasser durch die Stadt, zum Beispiel zum Feuerlöschen, oder um das Vieh zu tränken. Heute sind sie Kinderspielplatz, Getränkekühler und Touristenattraktion. Bei schönem Wetter ziehen Kinder kleine bunte Bächleboote an Schnüren hinter sich her, bis sie plötzlich weg sind. Da, wo die Bächle auch mal ein Stück weit unterirdisch rauschen.

Kind zieht Bächleboot (Foto: SWR)
Bei Kindern in Freiburg beliebt: Bächleboote ziehen

Stocky fischt Boote, Portemonnaies und Kippen aus dem Wasser

Häufig findet der Bächleputzer die verlorenen Boote wieder und schenkt sie weiter. Auch Schuhe, Geldbörsen und unzählige Kaffeebecher hat er schon aus dem Bächle gefischt. Und einmal sogar eine Forelle. Solche Geschichten erzählt Stocky bei seinen Bächlespaziergängen. Es geht um seinen Alltag und seine Arbeit.

"Wenn auf Zigarettenfilter ein bis zwei Euro Pfand wäre, dann wäre ich nach einem Jahr Bächleputzer Millionär, glaube ich."

Der Bächleputzer ist auch zentrales Informationsbüro

Stocky befreit die Bächle von Scherben, Verpackungen und Essensresten. Er justiert Schleusen, er spült den Schlamm in den Abwasserkanal. Mehr als zehn Kilometer läuft er tagtäglich an den kleinen Wasserkanälen entlang. Auf der KaJo, der zentralen Kaiser-Josefstraße, ist Stocky ganz in seinem Element.

"Alle paar Minuten wirst du angesprochen, wo der Münsterplatz ist, wo das Rathaus ist, selbst wo's Bächle ist. Im Prinzip bist du ein Drittel von der Tour Informationsbüro."

Der Bächleputzer gibt gerne Auskunft über seine Stadt und seine Bächle. Die gehören zur DNA von Freiburg. Und Stocky ist mit den Bächle fast ein bisschen verheiratet.

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