Indische Azubis lernen seit diesem Jahr ihr Handwerk im Landkreis Lörrach.  (Foto: SWR, Tamara Spitzing )

Fachkräftemangel in BW

Erste Metzger-Azubis aus Indien sind da - Pilotprojekt im Kreis Lörrach

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Paula Zeiler

13 Inderinnen und Inder lernen im Landkreis Lörrach ab sofort das Fleischerhandwerk. Ein Metzgermeister aus Weil am Rhein förderte das deutschlandweit erste Projekt dieser Art.

Der Nachwuchs-Mangel im Fleischerhandwerk ist groß - auch im Kreis Lörrach. Aus diesem Grund wurden erstmals rund 13 Inderinnen und Inder für eine Ausbildung zum Metzger angeworben. Gefördert wurde das Pilotprojekt vom Fleischerei-Obermeister Joachim Lederer aus Weil am Rhein (Landkreis Lörrach).

Indische Azubis lernen seit diesem Jahr ihr Handwerk im Landkreis Lörrach.  (Foto: SWR, Tamara Spitzing )
Bei Joachim Lederer (li.) lernen gerade zwei neue Azubis aus Indien das Fleischerhandwerk. Tamara Spitzing

13 neue Azubis aus Indien für fünf Betriebe im Landkreis Lörrach

Lederer selbst hat in seiner Metzgerei ab sofort zwei neue Auszubildende: Eine junge Frau und einen jungen Mann aus Indien. Sie und sieben weitere junge Menschen zwischen 19 und 29 Jahren haben im Rahmen eines Pilotprojektes ihre Ausbildung zum Metzger in fünf Betrieben im Landkreis Lörrach begonnen. Vier weitere Inderinnen und Inder werden folgen.

"Wir werden in Deutschland keine Fachkräfte mehr finden. Es sind einfach zu wenige Leute da, die unseren Beruf lernen wollen."

Pilotprojekt von Handwerkskammer und Fleischer-Innung

Die Fleischer-Innung Lörrach-Waldshut und die Handwerkskammer (HWK) Freiburg haben das Projekt gemeinsam aufs Gleis gesetzt. In den kommenden Jahren sollen bis zu 200 Inderinnen und Inder nach Baden-Württemberg kommen. Das im März 2020 eingeführte Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtert die Einreise und den Aufenthalt von Fachkräften aus sogenannten Drittstaaten wie Indien.

Hier der Fernsehbeitrag über die Azubis aus Indien in SWR Aktuell zum Nachschauen:

Video herunterladen (13,4 MB | MP4)

Warum junge Menschen aus Indien?

Eine indische Personalvermittlungsagentur hatte sich vor rund zwei Jahren an die Handwerkskammer Freiburg gewendet, bestätigt HWK-Geschäftsführer Handirk von Ungern-Sternberg. Nach ausführlichen Prüfungen habe sich die Handwerkskammer für eine Zusammenarbeit entschieden. Die Agentur übernahm die Kandidatensuche, den Sprachkurs und die Betreuung der jungen Menschen in Indien.

Dazu Handirk von Ungern-Sternberg von der Handwerkskammer Freiburg:

Joachim Lederer ist ebenfalls überzeugt: "Der Schritt war längst überfällig." Der Metzger-Obermeister hatte in den letzten Jahren schon positive Erfahrungen mit Fachkräften aus anderen Ländern, wie Gambia, Türkei oder Italien, gemacht. Er habe mehrere hundert Arbeitsstunden in das Gelingen des Pilotprojektes investiert, berichtet der Metzgermeister.

"Du kannst nur Erfolg haben, wenn du gute Mitarbeiter hast."

Zukünftige Metzger zahlten für den Deutschkurs in Indien

Es dauerte beinahe zwei Jahre, bis die Inderinnen und Inder ihre dreijährige Ausbildung beginnen konnten. Die zukünftigen Metzger, mit Erfahrungen im Nahrungsmittelbereich, wurden in einem ausführlichen Online-Casting ausgewählt. Danach erhielten sie in Indien einen mehrwöchigen Deutschunterricht. Denn noch vor der Einreise mussten sie ein Sprachniveau der Stufe B1 vorweisen. Zudem gab es monatliche Online-Treffen.

Die jungen Menschen trugen die Kosten für den Deutschkurs selbst, ebenso wie die Betreuung durch die Personalvermittlungsagentur und die Unterbringung während des Sprachkurses in Indien. Die Reisekosten übernahmen die deutschen Betriebe. Während der Ausbildung werden den Inderinnen und Indern von den Innungsbetrieben Wohnungen bereitgestellt.

Zwei Azubis und eine Metzgerin stehen an einer Fleischtheke. (Foto: SWR, Tamara Spitzing)
In der Metzgerei von Joachim Lederer wurden in den letzten Jahren auch Menschen aus Spanien, Gambia und Italien angelernt. Tamara Spitzing

Indische Auszubildende bald auch in der Bauwirtschaft

Laut einer Umfrage des Deutschen Fleischer-Verbandes war die Personalsituation im Fleischerhandwerk schon im Mai 2021 extrem angespannt. Rund 40 Prozent der Betriebe suchten nach Auszubildenden. Die indischen Auszubildenden könnten diese Lücke, zumindest im Landkreis Lörrach, für die nächsten Jahre schließen. Im April 2023 soll ein zweiter Projektdurchlauf starten.

"In der nächsten Phase weiten wir das Projekt aus, auch auf die Bauwirtschaft."

Mann in einem grauen Anzug steht in einer Metzgerei. (Foto: SWR)
Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Geschäftsführung der Handwerkskammer Freiburg, hofft auf weitere indische Auszubildende.

Schon jetzt seien 20 Prozent der Azubis im Gebiet der Handwerkskammer Freiburg nicht aus Deutschland, so Handirk von Ungern-Sternberg, Mitglied der Geschäftsführung der Handwerkskammer Freiburg. "Der Fachkräftemangel entwickelt sich in den nächsten Jahren so dramatisch, dass wir solche Projekte fördern müssen", sagt von Ungern-Sternberg. Langfristig sollen indische Azubis auch für andere Handwerksberufe gefunden werden. Der nächste Bereich wird die Bauwirtschaft sein. Auch gab es bereits Gespräche mit weiteren Innungen aus dem Nahrungsmittelhandwerk.

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