Immer öfters werden Bankautomaten in Südbaden gesprengt. Die Polizei schließt sich zusammen und fahndet über die Landesgrenzen hinweg.

Dreiland Aktuell

Internationale Fahndung: Immer mehr Automatensprenger in Grenznähe unterwegs

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Anita Westrup
Anita Westrup ist Reporterin und Redakteurin im SWR Studio in Freiburg.
Louise Schöneshöfer
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Explosionen und Millionen-Schäden: Immer häufiger werden Geldautomaten gesprengt, besonders in Grenznähe. Die Polizei arbeitet länderübergreifend zusammen, doch die Aufklärungsquote ist gering.

Geldautomatensprengungen haben den klassischen Bankraub längst abgelöst. Deutschland verzeichnet in Europa die höchste Dichte an Geldautomaten und ist daher ein bevorzugtes Ziel für international organisierte Banden. Besonders in Grenznähe, wie beispielsweise in Südbaden mit kurzen Fluchtwegen nach Frankreich, schlagen diese Banden häufig zu. Doch auch in der Schweiz häufen sich derzeit die Sprengungen von Geldautomaten.

Gebäude und Automaten zerstört: Schäden in Millionenhöhe

Im vergangenen Jahr wurden laut Landeskriminalamt (LKA) Stuttgart mehr als 40 Geldautomaten gesprengt, sowohl in Südbaden als auch in der Schweiz. Die Schäden an Gebäuden und Automaten gehen in die Millionenhöhe, weit mehr als der tatsächliche Bargeldverlust. Die Aufklärungsquote liegt laut baden-württembergischem Innenministerium lediglich bei 15 Prozent.

Teilweise heftige Explosionen: Anklage wegen Mordes möglich?

Die Explosionen gefährden nicht nur die Menschen in den betroffenen Gebäuden, sondern auch diejenigen, die sich in der Nähe aufhalten. Aus diesem Grund prüft die Justiz in Deutschland, ob gefasste Täter auch wegen Mordes angeklagt werden können.

Das LKA Stuttgart hat im vergangenen Jahr Tests durchgeführt, um die Gefährdung von Menschen bei solchen Sprengungen zu untersuchen. Dabei wurden Trümmerteile festgestellt, die bis zu 30 Meter weit fliegen können. Zudem wurde der Einsatz von Farbe untersucht, die das Geld in den Geldkassetten unbrauchbar macht. Immer mehr Geldinstitute rüsten ihre Automaten derzeit mit dieser Technologie aus.

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Verschiedene Täter, verschiedene Methoden

Im Rahmen von Europol tauschen Schweizer und deutsche Fahnder Informationen aus, auch über die unterschiedlichen Methoden, mit denen die Täter gegen die Geldautomaten vorgehen. Laut Berina Repesa, Mediensprecherin der Bundespolizei Schweiz, sind vor allem rumänische und niederländische Tätergruppierungen mit Verbindungen zur Mafia aktiv und setzen hauptsächlich Sprengstoff ein. Serbische und französische Täter hingegen verwendeten Gas, um die Automaten zu sprengen. Albanische Täter hingegen würden Werkzeuge nutzen, um die Automaten aufzubrechen. Unter Fahndern gilt das niederländische Utrecht als Zentrum der Automatensprenger. Insbesondere junge Männer mit marokkanischen Wurzeln würden dort gezielt darin trainiert, Geldautomaten zu knacken.

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Banken im Dreiländereck sind häufig Zielscheiben

Besonders gefährdet sind laut Experten Banken in Grenznähe, da die Täter maximal zehn Minuten benötigen, um an das Geld zu gelangen. Nach dem Überfall entkommen sie selbst Helikoptern. Mit überhöhter Geschwindigkeit entwischen sie über die nächstgelegene Landesgrenze.

Die Täter haben es besonders auf Bankautomaten in Grenznähe abgesehen. Inzwischen haben Geldautomatensprengungen den klassischen Bankraub längst abgelöst.
Die Täter haben es besonders auf Bankautomaten in Grenznähe abgesehen. Inzwischen haben Geldautomatensprengungen den klassischen Bankraub längst abgelöst.

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