Die Ausstellung "Der Rhein" im Dreiländermuseum in Lörrach zeigt die unterschiedlichen nationalen Perspektiven auf den Rhein.

Grenzüberschreitende Ausstellungsreihe

Mythos, Grenze und Lebensraum: Ausstellung "Der Rhein" eröffnet in Lörrach

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Autor/in
Katharina Seeburger
Eine Frau mit dunkelblonden Haaren lacht in die Kamera. Ihre Haare sind etwas länger als schulterlang. Katharina Seeburger trägt einen gestreiften Pullover in blau, rosa und grau.

Die Ausstellung "Der Rhein" im Dreiländermuseum Lörrach zeigt die nationalen Perspektiven auf den Rhein. Sie ist Teil einer trinationalen Ausstellungsreihe mit 38 Museen.

Ein Holztisch mit Stühlen, an den Wänden hängen Weinreben herunter. Es läuft Schunkel-Musik. Dieses Eck in der Ausstellung im Lörracher Dreiländermuseum ist eine urige Weinschenke. In einem anderen Ausstellungsraum im Dreiländermuseum in Lörrach sind eine Zeichnung von Vater Rhein und ein Soldatenbilderbuch zur "Wacht am Rhein" zu sehen.

SWR-Reporterin Katharina Seeburger hat sich die Ausstellung im Dreiländermuseum vorab angesehen:

Der Rhein ist in Deutschland mehr als ein Fluss, sagt Museumsleiter Markus Moehring. Er sei ein Mythos. Es gehe darum, dass der Rhein ein deutscher Fluss ist.

"Die deutsche Perspektive auf den Rhein ist emotional, sie ist national aufgeladen."

Doch was bedeutet der Rhein für die Nachbarländer Frankreich und die Schweiz? Unter anderem dieser Frage geht ab Freitag, 11. November, die zweisprachige Ausstellung "Der Rhein" des Dreiländermuseums in Lörrach nach. Sie ist Teil der gleichnamigen, grenzüberschreitenden Ausstellungsreihe, an der 38 Museen entlang des Rheins beteiligt sind. Darunter findet sich zum Beispiel eine Ausstellung über die NS-Zeit am Oberrhein in der Universitätsbibliothek Straßburg.

Das Nibelungenmuseum Worms hat eine Ausstellung über den Rhein in den Dichtungen der Nibelungensage im Programm. Das Schweizer Museum "Museum Schiff Laufenburg" zeigt eine Ausstellung über die Gefahren am Fluss, unter anderem für Fischer und Reisende.

Der Rhein führt durch die Lörracher Ausstellung

Am Boden der Ausstellungsräume im Dreiländermuseum in Lörrach verläuft eine leicht erhöhte, blaue, geschlängelte Linie. In ihrer Mitte ist ein Lichtschlauch verlegt: der Verlauf des Rheins. Er führt die Besucher auf ein Boot aus Holz zu, mit Sitzbänken zum Platznehmen.

Dahinter wird auf einer Leinwand eine Schifffahrt auf dem Rhein bei Basel gezeigt. Das Schiff fährt vorbei an der Altstadtkulisse, unter den Baslerbrücken hindurch bis zur Dreiländerbrücke zwischen Hunigue und Weil am Rhein.

Lokale Bedeutung des Rheins für die Schweizer

Für die Schweiz ist der Rhein laut Museumsleiter Markus Moehring der längste Fluss des Landes mit lokaler Bedeutung. Diese sei nicht so national aufgeladen. "Der Rhein gehört zu Basel, das Rheinschwimmen, die Brücken von Basel, die Rhy Fähri. Das ist ein Basler Fluss. Für die Schaffhauser ist es ihr Rheinfall, ihr Fluss", sagt Markus Moehring.

Für die französischen Nachbarn sei der Rhein dagegen schlicht die Ostgrenze des Landes. Nicht mehr als eine Linie.

Am Boden ist ein eine leuchtende, geschwundene Linie zu sehen. Sie verläuft in der Mitte von einer breiteren, blauen Linie am Boden der Ausstellung stellt den Flussverlauf des Rheins dar. Im Hitnergrund ist ein Teil eines Bootes zu sehen, das vor einer Leinwand steht. Darauf läuft eine Schifffahrt auf dem Rhein bei Basel.
Der Flussverlauf des Rheins führ durch die Ausstellung. Bild in Detailansicht öffnen
Zu sehen ist eine Zeichnung zu "Vater Rhein" und dem Nibelungenschatz. Vater Rhein, ein alter Mann mit weißem langen Bart und Blätterkranz auf dem Kopf liegt seitlich und gestikuliert. Unter ihm sind sechs Frauen im Fluss. Sie spielen mit den Herrschaftsinsignien und dem Nibelungenschatz. Hinter Vater Rhein wächst ein großer Baum. Darüber steht geschrieben "Vom deutschen Rhein".
Vater Rhein und der Nibelungenschatz. Bild in Detailansicht öffnen
In einem Glaskasten ist rechts eine Reservistenpfeife zu sehen. Danaben steht ein Bilderbuch. Der Titel lautet "Die Wacht am Rhein" Darauf ist ein Preussischer Soldat mit Pickelhaube zu sehen. Neben ihm steht ein Pferd, das er am Zügel hält.
Das Lied "Die Wacht am Rhein" war die inoffizielle Hmyne des Deutschen Kaiserreiches. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Bild in einem goldenen Bilderrahmen hängt an einer dunkelblauen Wand. Auf dem Bild ist der Rhein beim Isteiner Klotz zu sehen. Rechts sind Felsen und Bäume links daneben das Flussbett. Darin spiegeln sich die Felsen. Am Himmel hängen Wolken.
"Der Isteiner Klotz" von Eduard Tenner. Das Ölgemälde von 1882 zeigt den Rhein noch vor seiner Begradigung. Bild in Detailansicht öffnen
Im Vordergrund stehen vier rote Sitzbänke je zwei neben einander. Die Sitzbänke stehen in einem Boot. Vor dem Boot hängt eine Leinwand. Darauf ist eine Filmaufnahme von einer Schifffahrt auf dem Rhein bei Basel zu sehen.
Hier können Besucherinnen und Besucher Platz nehmen und eine Schifffahrt auf dem Rhein genießen. Bild in Detailansicht öffnen
Ein BIld hängt in einem silbernen Rahmen vor einer hellblauen Wand. Das Bild ist fast vollständig in verschiedenen Grüntönen gemalt. Zu sehen sind zwei Gesichter, die einander zugewandt sind. Dazischen sind Fische zu sehen. Einer der Männer hält eine rot-weiße Stange in der Hand.
"Der letzte Angler" von Gottfried Legler. Legler hat das Bild 1987 wegen der Umweltkatastrophe des Schweizer Konzernz Sandoz gemalt. Damals sind giftige Chemikalien in den Rhein gelangt. Das führte zu einem großen Fischsterben. Bild in Detailansicht öffnen
Zu sehen ist eine Skulptur aus Bronze. Es ist ein Fischer, der auf einem Boot steht, er hält eine Angelschnur in der Hand, die er dabei ist, auszuwerfen.
Die Bronzeskulptur ist von Arthur Waagen. Sie war 1892 ein Geschenk vom badischen Fischereiverband an die kaiserliche Fischzucht in Hüningen. Bild in Detailansicht öffnen

Gemeinsamer Lebensraum seit tausenden von Jahren

Trotz der national unterschiedlichen Perspektiven ist der Rhein ein gemeinsamer Lebensraum. Das zeigt die Ausstellung im Dreiländermuseum in Lörrach. Ob in Sachen Rheinverschmutzung, Industrie oder Kunst. Denn schon vor 2.000 Jahren in der Römerzeit und später dann im Mittelalter sei der Rhein für die Menschen ein gemeinsamer Lebensraum gewesen.

"Die Menschen haben hier zusammengelebt und zusammen eine Kultur entwickelt. Die Grenzen am Rhein haben sich erst im 19. Jahrhundert richtig verfestigt und den Kontakt der Menschen schwerer gemacht."

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe dann auf der Grundlage der Grenzen am Rhein wieder ein Brückenbauen und ein Miteinander begonnen.

Was bedeutet der Rhein für die Menschen im Dreiländereck?

Besonders eng ist dieses Zusammenleben im Dreiländereck. Nahe der Dreiländerbrücke zwischen Weil am Rhein und dem französischen Huningue treffen sich, mitten im Rhein, die Landesgrenzen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz. Was bedeutet der Rhein für die Menschen, die im Dreiländereck leben?

Die Ausstellung "Der Rhein" im Dreiländermuseum in Lörrach zeigt die unterschiedlichen nationalen Perspektiven auf den Rhein.

Für die Französin Ninon ist der Rhein ein öffentlicher Raum für alle. "Ich bin hier groß geworden und ich würde mir wünschen, dass man aus dem Rhein hier im Dreiländereck noch mehr macht." Sie gehe oft an den Rhein auf der Schweizer Seite, weil es für sie dort geselliger ist als auf der französischen Seite.

"Der Rhein ist ein Naherholungsgebiet und eine Lebensader."

Markus Tiel aus Deutschland bezeichnet den Rhein als einen Fluss mit viel Vergangenheit. Das sieht Yvon aus Frankreich ähnlich. Für ihn ist der Rhein erstmal ein Fluss und eine Grenze. Doch im Gegensatz zu früher müsse man nicht mehr durch den Zoll, wenn man von Frankreich nach Deutschland geht. "Der Rhein ist heute keine Grenze mehr", stellt Yvon abschließend fest.

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