STAND

Der Impfstoff AstraZeneca wurde von der Bundesregierung vorläufig ausgesetzt. Man fragt sich: Was passiert mit meinem Impftermin? Woran erkenne ich Nebenwirkungen? Erreichen wir jemals Herdenimmunität? Auch in Südbaden reagieren die Menschen verunsichert.

Diese Nachricht ist am Montag wie eine Bombe eingeschlagen: Die Bundesregierung hat beschlossen, AstraZeneca auszusetzen. Der Impfstoff soll geprüft werden, weil er im Verdacht steht, das Auftreten einer seltenen Thrombosenart zu begünstigen. Da AstraZeneca aber rund ein Viertel aller verimpften Impstoffe in Deutschland ausmacht, war die Aufregung in der Bevölkerung groß.

Lena Frey arbeitet als Kitaleiterin in der Nähe von Freiburg und hat sich vergangene Woche mit AstraZeneca impfen lassen. Als die 33 Jahre alte Frau die Nachricht über den Impf-Stopp erreicht, schießen ihr folgende Gedanken durch den Kopf: "Ich muss sagen, ich bin jetzt nicht begeistert von der Nachricht. Ich hab mich letzte Woche das erste Mal impfen lassen, war eigentlich ganz froh, einen Schritt weiter. Ich hatte auch Nebenwirkungen, das war jetzt nicht so schön. Aber alles im Rahmen und bin jetzt deswegen auch noch ein bisschen mehr deprimiert. Ich denke, wenn das jetzt alles umsonst ist und dann muss man wieder von vorne anfangen - man weiß jetzt nicht, ob man eine zweite Dosis kriegt. Diese Aussicht ist jetzt gerade nicht so schön und das ist eigentlich das Deprimierende an der Sache."

Beteiligten an Erst-Impfungen sitzt der Schock in den Knochen

In vielen Städten Südbadens wie Freiburg, Waldshut und Lörrach gab es schon viele Erst-Impfungen mit AstraZeneca. Die meisten Zweit-Impfungen waren für April vorgesehen - was daraus jetzt wird: Niemand kann es sagen. Allen Beteiligten sitzt der Schock über die Nachricht noch tief in den Knochen. Martin Hug, Direktor der Freiburger Uniklinik-Apotheke, war im Impfzentrum Freiburg als er vom AstraZeneca-Stopp hörte: "Als uns die Nachricht erreichte hatten wir natürlich schon sehr viele Spritzen aufgezogen. In jeder Impfkabine waren Spritzen bereit, um weitere Patienten zu versorgen. Und das mussten wir jetzt alles wegwerfen. Nach dem Aufziehen der Spritzen dürfen die nur eine begrenzte Zeit aufbewahrt werden und die ist jetzt natürlich längst verstrichen. Wenn Sie also sehen, wie eine ganze Kiste voll mit fertigen Impf-Spritzen entsorgt werden muss - das bricht einem fast das Herz."

Zentrales Impfzentrum Freiburg verfügt neben Biontech-Pfizer jetzt auch über den dritten EU-weit zugelassenen Impfstoff AstraZeneca (Foto: SWR, Peter Steffe)
Im Zentralen Impfzentrum Freiburg mussten aufgezogene Impf-Spritzen mit AstraZeneca weggeworfen werden Peter Steffe

Impfstopp von AstraZeneca sendet ein fatales Signal

Der Weg zur Herdenimmunität - er erscheint immer länger und steiniger. Martin Hug findet: Der Impfstopp von AstraZeneca sendet ein fatales Signal: "Wenn sie jetzt plötzlich sagen, das ist vielleicht doch nicht so gut, dann führt das zur Verunsicherung unserer Angestellten und der Geimpften. Die sagen dann: Muss ich jetzt Angst haben, dass ich irgendeine Thrombose entwickle, muss ich Angst haben, dass der Impfstoff nicht gut genug wirkt? Das geht dann am Ende zu Lasten der Bereitschaft, sich überhaupt impfen zu lassen. Dann werden die Leute sagen: Ja gut, das eine kriege ich nicht und das andere taugt nichts, dann lassen wir es halt ganz bleiben. Und dann werden wir uns nicht wundern müssen, wenn die Infektionszahlen weiter ansteigen."

Unzureichende Information verunsichert Impf-Willige

Auch Kitaleiterin Lena Frey hat der Impfstopp nachdenklich gestimmt: "Also es hat mich schon verunsichert, ich muss sagen, dass ich die Info gut gefunden hätte, wenn sie im Beipackzettel gestanden wäre. Dann hätte ich mich wenigstens gewusst worauf ich mich einlasse. Letztendlich hätte ich es wahrscheinlich trotzdem genommen."

STAND
AUTOR/IN