Zu sehen ist der Archäotechniker Markus Klek. Er blickt in die Kamera. Er hat einen dunklen Bart. Er trägt eine Mütze aus rötlichem Fuchspelz. Sein Mantel ist aus hellbraunem Leder. Seine linke Hand ist auch zu sehen: Sie steckt in einem dunkelbraunen Pelzhandschuh und hält einen Speer in der Hand. Auf dem Rücken hat Klek einen hellbraunen Lederrucksack. Um ihn herum liegt Schnee, es sieht kalt aus. (Foto: SWR, Sandra Helmeke)

Wandern mit Knochenbeil und Fellen

Schramberger Forscher auf Steinzeit-Tour durch den Schwarzwald

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Sandra Helmeke
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Katharina Seeburger

Mit selbst gebautem Steinzeit-Werkzeug wandert der Archäotechniker Markus Klek zurzeit durch den Schwarzwald. Er will ausprobieren, ob er ohne weitere Hilfsmittel durchkommt.

Köcher, Klingen, Knochenbeil - Markus Klek ist Archäotechniker. Mit selbst gebautem Steinzeit-Werkzeug wandert der 53-Jährige dieser Tage von Schramberg (Kreis Rottweil) nach Freiburg. Rund 100 Kilometer durch Schnee und Matsch. Ihn treibt dabei die Frage an, wie weit er das ohne weitere Hilfsmittel schafft.

SWR-Reporterin Sandra Helmeke hat Markus Klek vor seiner Steinzeit-Tour getroffen:

Ausrüstung aus Fellen und Knochen

Von der Fuchspelzmütze über die Stiefel aus Wildschweinleder bis zum Knochenbeil: Seine gesamte Ausrüstung hat Markus Klek in einer eigenen Werkstatt selbst hergestellt. Nun wandert er damit seit dem Wochenende durch die Schwarzwälder Wildnis. Alle Handwerkstechniken, alle Ausrüstungsteile sind ethnologisch und archäologisch belegt.

Markus Klek fehlt nur noch der Praxistest im verschneiten Schwarzwald. Er ist gespannt, ob seine Steinzeit-Ausrüstung den Anforderungen in der Natur gerecht werden und ob seine selbst gemachten Fellstiefel ausreichen.

"Ich will herausfinden, ob die Dinge, die ich hergestellt habe, dieser Extrembelastung standhalten."

Zu sehen ist die Werkstatt von Markus Klek. Auf dem Boden liegt ein dunkelbraunes Fell. An einer Leine hängen weitere, hellbraune, fast weiße Tierhäute. An der Wand lehnt ein Rahmen aus Holz in den die Tierhaut eines Hirsches gespannt ist.  (Foto: SWR, Sandra Helmeke)
Markus Klek hat die Felle und Tierhäute selbst hergestellt. Sandra Helmeke

Klek hält als Archäotechniker Vorträge über die Steinzeit

Markus Klek ist Archäotechniker, das heißt, er erforscht altertümliche Arbeitsweisen, wie die Herstellung von steinzeitlichem Werkzeug oder das Feuermachen. Sein Können zeigt er in Museen und bei Vorträgen, schreibt Bücher und stattet immer wieder Filmproduktionen aus. Außerdem bietet er Kurse an, in denen man das Gerben von Leder lernen kann, oder wie man einen Bogen baut.

Klek lernte Ledergerben, Werkzeugbau und Feuermachen

Sein Wissen über die Steinzeit hat Markus Klek sich selbst erarbeitet. Dafür hat er nicht nur sämtliche Steinzeit-Fachliteratur gelesen, er hat auch Kurse bei den Ureinwohnern Amerikas belegt. Er hat gelernt, wie man mit Pflanzen, Tierfetten und durch Räuchern Leder gerbt. Wie man mit Feuersteinen Feuer macht oder Werkzeuge aus Knochen herstellt.

"Jeder von uns hat Neandertalerblut! Der eine spürt es mehr, der andere weniger. Und ich spüre es vielleicht ein bisschen mehr."

Die Begeisterung dafür hatte er schon als Kind. Die Ureinwohner Amerikas seien schon immer sein Ding gewesen. "Meine Mutter hatte auch so diverse Pelzartikel, das waren meine Schätze", sagt Klek.

In einen Holzrahmen ist eine Tierhaut gespannt. Markus Klek steht davor, er berarbeitet sie. Man sieht Klek von hinten. Er steht in einer Werkstatt, um ihn herum hängen mehrere Tierfelle auf einer Leine. Links im Bild ist ein Kameramann des SWR zu sehen. Er filmt Klek bei seiner Arbeit. (Foto: SWR, Sandra Helmeke)
Die aufgespannte Tierhaut soll Kleks Unterlage werden, eine Isomatte für die Wanderung. Das ist Winterhaar vom Hirsch und isoliert laut Klek sehr gut. Sandra Helmeke

Übernachten auf Hirschhaut bei Minusgraden

Bei seiner Steinzeit-Tour durch den Schwarzwald ist Markus Klek ohne Zelt unterwegs. Er schläft auf privaten Grundstücken, weil man im Schwarzwald nicht wild übernachten und Feuer machen darf. Nachts kann es minus 15 Grad kalt werden. Als Schlafunterlage hat er eine Hirschhaut dabei. "Das isoliert sehr gut, das wird sehr schön kuschelig werden", sagt Klek.

"Ich hoffe, dass ich nicht zu nass werde und dass ich mental ein Lebensgefühl bekomme, das dem von damals ein bisschen gleicht.“

Proviant in Schweinsblasen

Der 52-jährige Schramberger hat zwar einen Speer dabei, auf die Jagd geht er damit aber nicht. Markus Klek hat Eichelmehlbrötchen, Trockenfleisch und Trockenfrüchte dabei. Das transportiert er unter anderem in selbst hergestellten Schweinsblasen, eingelegt in einem Pflanzensud aus gekochter Eichenrinde.

Auch wenn es das damals in der Steinzeit definitiv noch nicht gab - ein Handy hat Klenk trotzdem dabei. Er sei ja nicht lebensmüde.

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