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Der Freiburger Chirurg Bernhard Rumstadt zählt in Deutschland zu den besten seines Fachs. Trotz Corona-Pandemie hat er einen exklusiven Blick in den Operationssaal gewährt.

Schichten von 14 Stunden sind für ihn Alltag: Der Chirurg Bernhard Rumstadt leitet seit acht Jahren die Chirurgische Klinik des Evangelischen Diakoniekrankenhaus in Freiburg. Er hat das Haus zu einer anerkannten Schwerpunktklinik für Viszeralchirurgie geführt, also für die Chirurgie des Bauchraumes.

Der Tag beginnt mit einem Zwerchfell-Bruch

Der 59-Jährige operiert seit 34 Jahren, Chefarzt ist er seit 23 Jahren. Der Tag, an dem der SWR ihn begleitet, beginnt früh. Auf die Visite und Besprechung mit den Ärzten der Nachtschicht um 7:30 Uhr folgt die erste Operation. Ein Zwerchfell-Bruch, der Patient klagte über schlimmes Sodbrennen. Mit der sogenannten Schlüsselloch-Technik gehen Rumstadt und sein Team vor. Also, Kamera in den Bauch, dann unterstützen Bildschirme die Arbeit.

Im OP ist es sehr leise

Bernhard Rumstadt gibt kurze, klare Anweisungen. Sehr leise geht es bei der Operation zu. Das Wort Stress mag der Chirurg überhaupt nicht. Bei Bernhard Rumstadt passiert nichts aufgeregt: "Ich mag diese Ruhe und brauche sie, um konzentriert arbeiten zu können. Und das wird von den Mitwirkenden respektiert. Dafür bin ich wirklich dankbar."

Keine Komplikationen

Nach einer Stunde ist die Operation vorbei, Rumstadt ist zufrieden: "Es gab keine Komplikationen, es ist so gelaufen wie geplant. Das freut einen natürlich." Nun komme es wie immer auf die nächsten Stunden und Tage an, aber Rumstadt zeigt sich zuversichtlich. Er legt eine kurze Pause im Büro ein, es gibt einen Kaffee, der Schreibkram wird nebenbei erledigt. Er spricht über seinen Beruf und die Anforderungen an einen Chirurgen. Es komme auf handwerkliches Geschick an, aber nicht nur.

"Sie entwickeln mit der Zeit die dritte Dimension im Hirn. Es kommt in der Chirurgie viel auf Technik an, auf Gefühl, auf Verständnis für die Anatomie und für das Gewebe."

Bernhard Rumstadt, Chirurg aus Freiburg

Corona ist das alles bestimmende Thema

Wie nahezu überall ist auch in der Chirurgischen Klinik die Corona-Pandemie allgegenwärtig. Die Hälfte der Station sei geschlossen, weil auch Pflegekräfte der Chirurgischen Klinik Covid-19-Patienten versorgen müssten. Auf die tägliche Arbeit im OP habe Corona aber keinen Einfluss.

Interview mit Chirurg Bernhard Rumstadt (Foto: SWR)
Der Freiburger Chirurg Bernhard Rumstadt (links) gibt SWR Redakteur Freddy Kunzelmann einen Einblick in seinen Arbeitsalltag

Viele Gedanken im Kopf

Ein Blick auf die Uhr, die nächste Operation steht an. Bei einem Patienten müssen wegen eines Tumors der Magen und ein Teil der Speiseröhre entfernt werden. Darauf folgen vier weitere Operationen; nach 14 Stunden endet Rumstadts Arbeitstag. Er ist müde und er weiß, dass er seine Gedanken nicht einfach wie seinen Arztkittel in die Ecke legen kann: "Man macht sich Sorgen um die Patienten, hängt gewissen Operationsszenen nach." Das merkt auch sein Umfeld: "Sie können sich darauf verlassen, dass die Familie immer mitbekommt, wie der Tag gelaufen ist." Zu Hause entspannt Rumstadt mit der Familie oder auch mal mit einem Buch oder Musik. Am nächsten Tag, das weiß er schon, wird ihm Ähnliches abverlangt. "Wir können nicht abschätzen, wie viele Notfälle wir in der Nacht haben. Aber das Pensum ist, wie ich es überblicken kann, ähnlich wie an diesem Tag", sagt Bernhard Rumstadt.

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