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Wie Antidepressiva wirken, ist in der psychiatrischen Forschung seit Jahrzehnten umstritten. Eine Forschergruppe der Uniklinik Freiburg ist nun zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Die meisten Medikamente gegen Depressionen sind darauf ausgerichtet, das menschliche Gehirn mit zusätzlichen Serotonin-Hormonen zu versorgen. Diese wirken sich positiv auf die Stimmungslage des Patienten aus. Eine Studie der Uniklinik Freiburg hat nun gezeigt, dass Antidepressiva darüber hinaus an das sogenannte BDNF-Molekül andocken. Es ist für die Aufmerksamkeits- und Lernfähigkeit des Menschen zuständig.

Neue Impulse für die Forschung?

Antidepressiva steigern also auch die Konzentration von depressiven Personen. Das macht sie aufnahmefähiger für positive Reize aus ihrer Umgebung. Studienleiter Prof. Dr. Normann von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie hofft, durch die Erkenntnisse neue Impulse in der Forschung zu setzen: "Die meisten Medikamente, die in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden, wirken sehr ähnlich, sind nur Abwandlungen von Stoffen. Diese Studie bietet die Möglichkeit, dass man durch diese Bindungsstelle beim BDNF-Molekül neue Medikamente entwickeln kann."

Studie könnte wirksamere Medikamente hervorbringen

So könnten neue Medikamente entwickelt werden, die gezielt versuchen, an der Bindungsstelle mit dem BDNF-Molekül zu wirken. Diese Arzneimittel würden womöglich deutlich schneller und mit weniger Nebenwirkungen anschlagen als gängige Antidepressiva. "Wenn man ein normales Antidepressivum einnimmt, braucht es mindestens drei bis vier Wochen, bis es wirkt. Das Ziel wäre es, diese Zeit deutlich abkürzen", sagt Claus Normann. Die Entwicklung solcher Medikamente werde aber noch Jahre dauern.

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