Studie der Uni Basel zur Behandlung von Spinnenphobie

App hilft bei Angst vor Spinnen

STAND
AUTOR/IN

Haben Sie Angst vor Spinnen? Das muss nicht sein, denn an der Uni in Basel wurde eine App entwickelt, mit der Betroffene ihre Angst abbauen können.

"Iiiihhhh, mach das weg!" - Diese Reaktion auf eine Spinne kennen viele. Ekel, nicht anfassen, andere das Insekt wegmachen lassen, das kommt häufig vor. Eine Passantin in Lörrach berichtet von ihrer Abneigung: "Ich mag generell so Krabbeltierchen nicht. Ich rufe dann meinen Freund, der macht sie weg."

Und eine andere, die vor allem Angst vor großen Spinnen hat, meint: "Ich glaube, wenn man Angst vor Spinnen hat, dann bleibt die Angst auch." Das muss aber nicht sein, wie Anja Zimmer, Psychologie-Doktorandin an der Uni in Basel, herausgefunden hat.

App gegen Spinnenangst entwickelt

Sie litt selbst einmal unter Spinnenangst und hat nun eine Handy-App entwickelt, mit der Menschen ihre Angst vor Spinnen reduzieren können: "Es ist eine App, mit der man quasi das, was man sonst in einer Therapie machen würde - sich nämlich konfrontieren, also auseinandersetzen mit der Angst und mit der Spinne - das üben kann auf eigene Faust."

Eine Frau vor einem Computer (Foto: SWR, Laura Könsler)
Psychologie-Doktorandin Anja Zimmer hat die App zusammen mit einem kleinen Team entwickelt. Laura Könsler

Virtuelle Spinne zum Üben

Dabei wird die Kamera des Handys benutzt und zugleich wird eine Spinne eingespielt – es sieht dann beispielsweise so aus, als krabbele das Insekt daheim über den Fußboden. "Man kann sich so spielerisch mit einer virtuellen Spinne auseinandersetzen und sich dann in der Situation befinden und schauen, was das macht mit einem. Dann kann man seine Angst oder auch seinen Ekel bewerten. Und wenn der noch sehr hoch ist, dann empfiehlt die App "bleibe in dieser Situation, mache die so oft wie möglich", bis man sich so daran gewöhnt. Und wenn die Angst dann abnimmt, dann kann man zum nächsten Level fortschreiten. Genauso wie bei einer Therapie auch", sagt Anja Zimmer.

"Es spielt sich häufig im Kopf ab, was mit dieser Angst ist und wir haben geschaut, wie sieht es aus, wenn eine echte Spinne da ist."

Die Doktorandin hat die App in einer Studie getestet. 66 Menschen haben daran teilgenommen, es gab eine Vergleichsgruppe, die zunächst nichts gemacht hat – die andere probierte die App zu Hause aus. Das Ergebnis war eindeutig, wie Anja Zimmer feststellte: "Wir haben vorher und nachher Tests gemacht, wir haben ein kleines Interview geführt. Es spielt sich häufig im Kopf ab, was mit dieser Angst ist und wir haben geschaut, wie sieht es aus, wenn eine echte Spinne da ist. Die Leute wurden konfrontiert mit einer echten Spinne und da haben sich ganz schöne Unterschiede in den Gruppen gezeigt. Die App hat einen Effekt, es löst was aus, die Angst nimmt ab und auch das Verhalten bei einer echten Spinne hat sich deutlich verändert, sodass sie deutlich näher rangehen konnten."

Studie belegt: App bringt was

Die Menschen waren danach in ihrem Verhalten nicht mehr so eingeschränkt, wie zuvor. Die Psychologin räumt aber auch ein, dass die Angst nicht ganz verschwindet, aber auf einem erträglichen Level verharren kann. Und sollte die Angst, weil sie etwas Erlerntes ist, wieder zunehmen, so kann sie auch später mit der App wieder abtrainiert werden: "Das Risiko ist da, dass die Angst zurückkehrt. Aber das ist das schöne an einer Konfrontationstherapie, dass man das immer wieder auffrischen kann."

Die App heißt Phobys und ist in den App-Stores von Apple und Google erhältlich.

Die ganze Sendung finden Sie hier: SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Dreiland-Aktuell, Anfangszeit 04:42

Ängste (2/3) Angststörungen – Wie Therapien helfen

Das Herz rast, der Blutdruck steigt, Schweiß bricht aus: Wer immer wieder unter Ängsten leidet, sollte sich professionelle Hilfe holen. Eine Psychotherapie hilft, eingefahrene Denkmuster zu unterbrechen und durch neue Erfahrungen zu überschreiben. Je früher man eine Angststörung behandelt, desto größer sind die Chancen auf Heilung.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Depression, Magersucht und Angststörung So gefährlich ist Social Media für die Psyche

Social Media soll uns verbinden, weltweit und zu jeder Zeit. Aber zu viel Zeit in den sozialen Netzwerken zu verbringen, kann gefährlich werden: Welche psychischen Krankheiten dadurch entstehen können, erfahren Sie hier.  mehr...

ARD radiofeature Die Vermessung der Psyche

Digitale Diagnose- und Behandlungsmethoden für psychische Krankheiten sind im Kommen, auch in Deutschland. Sind Algorithmen die besseren Therapeuten?  mehr...

SWR2 Feature SWR2

STAND
AUTOR/IN