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Über 100 Jahre lang war das Straßburger Stadtbad bis 2018 ununterbrochen in Betrieb. Seitdem können die Einwohnerinnen und Einwohner nicht mehr in ihr geliebtes Bad, denn: Das historische Juwel wird grundlegend saniert und hat geschlossen.

Ozeanblau blitzt es an einer Säule in der Badehalle der Frauen. Die letzten farbigen Kacheln, die noch hängen, erinnern daran, dass man hier mitten in einem Hallenbad steht. Das große Schwimmbecken liegt trocken. Baugerüste stehen dort, wo Generationen von Straßburgerinnen und Straßburgern ihre ersten Schwimmzüge gemacht haben. Das städtische Bad von 1908 zeugt laut dem zuständigen Beigeordneten Alexandre Feltz von der fortschrittlichen Gesundheitspolitik dieser Zeit: "Mediziner hatten die Stadtverwaltung aufgefordert, dieses Gebäude für Gesundheit und Hygiene zu bauen. Viele Menschen hatten kein Bad, keine Dusche. Sie konnten sich nicht waschen."

Das Stadtbad ist quasi ein Unikat

Auch 100 einzelnen Dusch- und Badezellen sollten die Hygiene und damit die Gesundheit der Bevölkerung verbessern. Es war der Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts, der auch in anderen europäischen Städten solche Bäder entstehen ließ. Doch kaum eines ist so erhalten, wie das Straßburger Stadtbad, sagt Olivier Ohresser, Präsident der Vereinigung "Les amis du vieux Strasbourg", die sich für die Erhaltung des historischen Stadtbilds einsetzt: "Leider sind viele durch Bombardierungen im Weltkrieg zerstört worden. Andere wurden schlecht restauriert. Neben vielleicht zwei, drei anderen ist das städtische Bad in Straßburg praktisch das einzige, das man im eigenen Saft liegen ließ. Vielleicht hat man dadurch, dass sich die Restaurierung hier enorm verzögert hat, den Charakter des Gebäudes erhalten."

Das historische Stadtbad in Strassburg (Foto: SWR, Christine Veenstra)
Das große Becken im Strassburger Stadtbad Christine Veenstra Bild in Detailansicht öffnen
Baden wie die Römer im kleinen Becken Christine Veenstra Bild in Detailansicht öffnen
In der oberen Etage der großen Halle befinden sich viele Kabinen Christine Veenstra Bild in Detailansicht öffnen
Der Ausgang mit Schwingtüren wird auch restauriert Christine Veenstra Bild in Detailansicht öffnen
Der Eingang des "Bains Municipaux" in Strassburg. Christine Veenstra Bild in Detailansicht öffnen

Charakteristik soll geschützt werden

Wer in der großen Schwimmhalle steht und den Blick nach oben schweifen lässt, könnte sich auch in einem Theater wähnen. Rund um das Becken zieht sich eine gewaltige Balustrade. Die großen Fenster sind mit bunter Bleiverglasung verziert. Davon soll möglichst viel erhalten werden. Die Schwachstellen des Gebäudes sind eher technischer Natur, sagt Architekt Francois Chatillon, der die Sanierung leitet: "Die Heizungsanlage war bisher eine Dampfmaschine. Eine Dampflok die kolossale Energieverluste verursacht hat. Man verschwendete Unmengen Wasser. Es ist doch nur normal, dass man da etwas Ordentlicheres hinsetzt."

Ein Stadtbad für alle

40 Millionen Euro wird die Sanierung für Isolation, Wasserrückgewinnung, Elektrik und vieles mehr laut Stadt kosten. Finanziert wird das aus öffentlichen Mitteln, so bleibt das Bad in städtischer Hand. Abgesehen vom Römischen Dampfbad mit eigenen Tarifen, soll weiterhin der ortsübliche Bädertarif gelten. Mehr als 100 Jahre war das Bad für alle da und so soll es bleiben. Ende des Jahres oder Anfang des nächsten soll es wieder weitergehen.

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