In der sogenannten "Nonnengruft" sind Grabschätze des Alten Friedhofs in Freiburg zu sehen. (Foto: SWR, Anita Westrup)

Ausstellung zeigt Originale

Uralte Grabsteine und Geschichten in der Freiburger Nonnengruft

STAND
AUTOR/IN

Er ist ein echter Geheimtipp - der Alte Friedhof in Freiburg. Im Sommer ein schattiges Plätzchen, im Winter eine fast schon unheimliche Zeitreise in die Vergangenheit. Fast zwei Jahrhunderte lang (1683 bis 1872) wurden dort Freiburgerinnen und Freiburger beigesetzt - in mehr als 1.000 Gräbern hinter dicken Steinmauern. In der Ausstellung "Nonnengruft - Schätze des Alten Friedhofs" gibt es seit Freitag uralte Original-Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen.

Freiburger Grabkultur: Die Ruhestätte der Caroline Walter

Unterm Blätterdach riesiger Platanen verwittern die Grabsteine, auf den Gruften wuchern wilde Flechten und bedecken die Inschriften. Ein Grabmal auf dem Alten Friedhof in Freiburg sticht besonders heraus: das von Caroline Walter aus Jahr 1867. Eine Spaziergängerin hält kurz inne davor: "Ich sehe eine Frau, die gerade eben eingeschlafen zu sein scheint, die in der rechten Hand noch das aufgeschlagene Buch hält, vollkommen friedlich, fast schon lächelt, dahin geworfen auf ihr Bett."

Mit nur 16 Jahren starb Caroline Walter an Tuberkulose, eine frische, weiße Rose schmückt ihr Grab – ein Farbklecks auf dem gräulichen, vermoosten Stein, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. Was die Spaziergängerin nicht ahnt, sie steht "nur" vor eine Kopie. Das Original-Grabmal ist in der sogenannten "Nonnengruft" des Schwarzen Klosters untergebracht - ein hoher Gewölbekeller mit mehr als 30 uralten Grabsteinen, zu sehen nun in einer Ausstellung. Kuratorin Corinna Zimber von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs e.V. freut sich über die Eröffnung: "Jetzt kann man so viele Details und Inschriften wieder lesen, da geht einem doch das Herz auf, wenn man eben die Originale sieht und nicht die Kopien."

Original-Grabsteine vor dem Zerfall bewahren

Saurer Regen, Luftverschmutzung, Verwitterung setzten den Grabsteinen vor allem in den 1980er Jahren zu. Damals hat Wolfgang Stopfel das Freiburger Denkmalamt geleitet. Die Grabsteine vor der Zerstörung zu retten, das war sein Lebenswerk: "Die Grabsteine gingen immer weiter kaputt, Sandstein verwittert sehr schnell, es gibt einen Zeitpunkt, an dem man ihn nicht mehr retten kann und wir haben versucht, gerade noch rechtzeitig eine Kopie zu machen." So entstand auch eine Kopie des schönen Grabmals von Caroline Walter. Mit Abgüssen und Kunststein. Um den Charme des Alten Friedhofs zu behalten, hat Wolfgang Stopfel die schlafende junge Frau buchstäblich draußen im Regen stehen gelassen. Zwei Jahre Jahre verweilte das Grabmal im Hof des Denkmalamtes, bis es Moos angesetzt hatte. Dann wurde es auf dem Alten Friedhof ersetzt.

Die maßstabsgetreuen Kopien verwittern und die Originale gesellen sich jetzt zu den Grabkammern ehemaliger Nonnen aus dem Schwarzen Kloster in Freiburg. Diese Kombination aus wirklicher Gruft und unterirdischen Friedhofs findet Wolfgang Stopfel ideal: "Schöner geht’s kaum".

Seit 150 Jahren ein Geheimnis: Unbekannte Blumenspende


Und so lebt uralte Freiburger Grabkultur in der Kühle des Gewölbekellers weiter. Sogar die schlafende Schöne, Caroline Walter, wird weiter mit Blumen beschenkt, heute sind es rote Rosen. Kuratorin Corinna Zimber hat eine Erklärung dafür: "Es geht die Geschichte um, dass diese Blumen von einem Verehrer Carolines nach ihrem Tod auf das Grab gebracht worden sind, nun ist Caroline seit 150 Jahren tot. Der Verehrer muss recht betagt sein, offenbar hat er auch einen Zugang zur Nonnengruft, denn auch hier haben wir die Blumen vorgefunden und wir können nicht sagen, von wem sie hierher gelegt worden sind."

STAND
AUTOR/IN