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Sie war eine kleine Dorfschule, heute ist die Alemannenschule in Wutöschingen eine der Vorzeigeschulen bundesweit. Zum zweiten Mal steht die Schule aus dem Landkreis Waldshut jetzt im Finale des Deutschen Schulpreises.

2009 hatten Gutachter der weiterführenden Schule kaum Zukunftschancen eingeräumt. Doch Gemeinde und Schulleiter traten die Flucht nach vorne an: die Alemannenschule wurde als eine der ersten Schulen in der Region zur Gemeinschaftsschule umfunktioniert. Mit großem Erfolg. Sie ist jetzt eine der wenigen, die sogar eine gymnasiale Oberstufe anbietet. Das Konzept überzeugt nicht nur die wachsende Zahl an Eltern und Schülern, sondern auch Fachleute.

In den verschiedenen Räumen in der Schule herrscht angenehme Betriebsamkeit. An einem der niedrigen Tische im sogenannten "kollektiven Lernraum" sitzen Emma, Marielle, Melisa und Fiona. Dazwischen sitzt - und das ist hier ganz selbstverständlich - Schulleiter Stefan Ruppaner. Alle fünf haben Laptops vor sich stehen und tauschen Daten und Termine aus. Jeder hat seinen eigenen Laptop mit seinen persönlichen Dingen drauf. Selbstorganisiertes Lernen, digital lernen mit den schuleigenen Softwareprogrammen und dem hauseigenen Lernmaterial für Mathe, Deutsch und Englisch – die Schule macht das seit zehn Jahren so und war damit auf Corona gut vorbereitet.

Schüler froh über Unterricht in Präsenz

Für die 71 Lehrer und 720 Schülerinnen und Schüler der Alemannenschule Wutöschingen war die Umstellung auf "Home-Schooling" deshalb kein Problem. Trotzdem sind Emma, Marielle, Melisa und Fiona nun froh, wieder in ihrer Schule zu sein: "Man kann sich halt in der Schule besser konzentrieren als zu Hause, weil es dort 1.000 Sachen gibt, die einen mehr ablenken als in der Schule. Es ist ja schon definitiv anders, wenn man nicht immer seine Lehrer fragen kann, weil hier könnte man jetzt einfach zu den Lehrern gehen und da musste man manchmal warten oder sie haben nicht abgenommen."

"Schmetterlingspädagogik": Lernen durch Erleben

Weil Emma, Marielle, Melisa und Fiona daheim trotzdem so gut gelernt haben, dass sie ihren Lernzielen für dieses Halbjahr sogar schon weit voraus sind, will sich Stefan Ruppaner nun auch bei Ihnen vor allem um das kümmern, was während Corona zu verkümmern droht. Schmetterlingspädagogik nennt man das hier: "Die Schmetterlingspädagogik besagt, dass wir auf der einen Seite das selbständige Lernen pflegen. Das können die bei uns eigentlich sehr gut, wir haben sogar manche, die schon drauf und dran sind ein Schuljahr zu überspringen. Aber was mir halt ganz arg fehlt ist der zweite Flügel. Das ist Lernen durch Erleben. Das sind schöne Sachen die wir gemeinsam machen. Die, die jetzt hier sitzen, die haben noch nie ein Musical gemacht, wir hatten keine Bläserklasse, wir machen keine Schul-Übernachtungen.

Flexibilität zahlt sich erneut aus

So hofft Ruppaner, dass wenigstens die Schulstunden auf dem Bauernhof und draußen in der Natur bald wieder möglich sind. Für diese Bereitschaft immer wieder neue Wege zu gehen und flexibel zu reagieren, ist die Alemannenschule nun schon zum zweiten Mal für den Deutschen Schulpreis nominiert. 400 Bewerbungen gab es, 18 sind im Finale. In diesem Jahr wird ein Spezialpreis vergeben, für Schulen, die besonders gut durch die Coronazeit gekommen sind.

Bei Sieg: "Riesengroßes Fest"

Und was macht die Schule, wenn sie das Preisgeld gewinnt? "Also die Gelder sind nicht so riesengroß. Aber nehmen wir an wir würden gewinnen und Corona ist vorbei. Dann machen wir im Sommer ein riesengroßes Fest", verspricht Ruppaner. Mit Band und Essen und Getränke frei. Ob die Alemannenschule ein weiteres Mal den Deutschen Schulpreis gewinnt und das riesige Fest feiern kann, das wird sich am 10. Mai zeigen. Wer gewinnt bekommt 10.000 Euro. Doch als Finalist hat die Schule auch so schon 5.000 Euro Preisgeld sicher. Damit lässt sich ja auch schon mal ganz gut feiern.

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