Alarm beim Forst: Tausend Buchen im Schopfheimer Stadtwald vertrocknet (Foto: SWR, Katja Schiementz)

Klimawandel und Trockenheit

Alarm beim Forst: Tausend Buchen im Wiesental vertrocknet

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Einheimische Buchen leiden offenbar immer stärker unter der Trockenheit. Im Wiesental (Kreis Lörrach) sind die Forstleute jedenfalls hoch alarmiert.

Der Klimawandel hat unsere heimischen Wälder fest im Griff. Stürme walzen immer wieder riesige Waldflächen nieder, den Rest übernimmt der Borkenkäfer. Besonders betroffen ist im Schwarzwald der Fichtenbestand. Im Gegensatz zur Fichte ist die Buche ein einheimischer Baum und weit verbreitet. Vielerorts gibt es in Südbaden noch dichte Reinbestände - die Frage ist: wie lange noch? SWR Reporterin Katja Schiementz hat sich die Lage in Schopfheim vor Ort angesehen.

Im Schopfheimer Stadtwald führt Forstrevierleiter Stefan Niefenthaler zu einem Waldstück, das besonders stark betroffen ist. Dort, im Gewann Entegast, sind rund tausend Buchen vertrocknet. Ihr Kronenbereich ist völlig kahl. Das Schadbild ist für jeden leicht erkennbar. Die Kronen der Bäume sind meist schon entlaubt, komplett braun. Die Rinde fängt an abzublättern. Von unten hoch sieht sie meist noch gesund aus, aber von oben her wird sie immer brauner, immer dürrer.

Drei Sommer trocknen Waldboden aus - zu viel für die Buchen

Etwa 200 Liter Wasser braucht eine Buche am Tag. Doch in den letzten drei Sommern war der Waldboden völlig ausgetrocknet - auch in den tieferen Schichten - erklärt Markus Wursthorn vom örtlichen Bund für Umwelt und Naturschutz: "Natürlich kann man sagen, es hat immer Dürrejahre gegeben, aber das häuft sich jetzt eben. Zum Beispiel, dass 2018 und 2019 so trocken waren - letztes Jahr war das Frühjahr ziemlich trocken - und das schädigt natürlich Bäume. Also ein Dürrejahr können die Bäume meistens ertragen, aber wenn das nächste Jahr gleich wieder trocken ist, dann wird es einfach zu viel für sie."

Tempo sterbender Buchen-Altbestände überrascht Förster

Besonders geschädigt ist der Altbestand, also Buchen, die über einhundert Jahre und rund 30 Meter hoch sind. Dass diese imposanten Baumriesen so schnell absterben können, hat die Forstleute völlig überrascht: "Wir wussten, dass der Klimawandel kommt und dass das Ganze nicht spurlos an uns vorbeigehen wird. Aber dass es mit diesem Tempo und mit dieser Wucht kommen wird, das hat keiner geahnt. Wir waren schockiert, weil das natürlich eine Hauptbaumart ist bei uns hier im Stadtwald und wir nicht wissen: Können wir weiter mit dieser Baumart weiterarbeiten? Wird sie überleben? Und das ist für uns besorgniserregend bis beängstigend."

Für Stefan Niefenthaler, Forstrevierleiter im Schopfheimer Stadtwald, ist das Buchensterben beängstigend (Foto: SWR, Katja Schiementz)
Für Stefan Niefenthaler, Forstrevierleiter im Schopfheimer Stadtwald, ist das Buchensterben beängstigend Katja Schiementz

Langzeiterfahrungen mit anderen Baumarten fehlen

Die Frage ist also nun: wie reagieren? Soll man die Bäume einschlagen oder stehenlassen? Darauf vertrauen, dass die Jungbuchen schon nachwachsen werden oder sie durch neue Baumarten ersetzen? Ahorn und Eiche sind nicht so stark wüchsig wie Buche, aber die vertragen gerade felsige Böden mit weniger Wasser besser. Es gibt aber auch noch eine andere Buchenart aus dem mediterranen Bereich. Neue Baumarten anzupflanzen - das klingt zwar naheliegend. So schnell und einfach wird das aber nicht gehen, meint Revierleiter Stefan Niefenthaler. Denn manche hitzeresistenten Baumsorten kämen zwar mit den Dürresommern klar, aber nicht mit den hiesigen Spätfrösten. Zudem fehle die Langzeiterfahrung mit diesen Baumarten: "Man kann Bäume absägen und neue pflanzen, das geht, aber nur in einem bestimmten Maß. Zum einen weil man auf natürliche Verjüngung setzt. Weil man das möchte aber derzeit noch nicht die Auswahl an Bäumen hat, um das flächendeckend, auf riesigen Flächen umzusetzen. Man macht das in Experimenten, dass man teilweise seltene, fremde Baumarten pflanzt - aber alles als Experiment auf kleiner Fläche und kontrolliert."

Keine Lösung für das Buchensterben - Förster sind hilflos

Die südbadischen Förster fühlen sich deshalb momentan ziemlich hilflos. Denn eine Lösung für das Buchensterben ist vorerst nicht in Sicht. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg will demnächst entscheiden wie es weitergehen soll. Fest steht: Der Buchenwald, wie wir ihn heute kennen, wird sich in den nächsten Jahren spürbar verändern.

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