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Das französische AKW Fessenheim ist endgültig stillgelegt – nach jahrzehntelangem, grenzüberschreitendem Streit. Bis vom AKW nichts mehr zu sehen ist, wird es noch Jahrzehnte dauern.

Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass ist am Montagabend gegen 23 Uhr endgültig abgeschaltet worden. Der Reaktor zwei des Atomkraftwerks Fessenheim war am Montagnachmittag, ab etwa 16:30 Uhr, heruntergefahren worden. Das bestätigte Anne Laszlo, Betriebsrätin und Gewerkschafterin der CFE, auf SWR-Nachfrage. Bereits am Nachmittag haben sich Atomkraftgegner getroffen und gefeiert, wie SWR-Reporterin Ina Held live vor Ort berichtete.

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Symbolische Beerdigung der Atomkraft

Am Montagnachmittag haben sich deutsche und französische Atomkraftgegner in Breisach am Rhein getroffen. Auf dem Fahrgastschiff Napoleon haben sich die Menschen versammelt, die seit vielen Jahren und teils Jahrzehnten gegen die Atomkraft am Oberrhein kämpfen. Gelbe Anti-Atomkraft-Fahnen säumen das Rheinufer in Breisach und wehen auf dem Deck des Schiffs.

Mitten auf dem Rhein Bilanz ziehen

In der Mitte des Rheins haben die Umweltschützer der "Breisacher Mahnwache" und von "Stopp Fessenheim" Bilanz gezogen. Sie ließen ihren langen Kampf Revue passieren gegen den Energieerzeuger EDF, der das älteste und störanfällige AKW im Elsass betreibt und die französische Politik, die immer wieder die Abschaltung verzögert hatte. Nach der Fahrt auf dem Schiff wollen sich die deutschen und französischen Atomkraftgegner gegen 18 Uhr zu Fuß in der Mitte der Rheinbrücke bei Breisach treffen und symbolisch die Atomkraft im Rhein beerdigen. Ein reiner Freudentag ist es nicht, sagen sie, denn die Brennelemente lagern noch mindestens drei Jahre in Fessenheim, bevor der Rückbau beginnt, der etwa 20 Jahre dauern soll.

Atomkraftgegner treffen sich in Breisach am Rhein

AKW Fessenheim wird endgültig abgeschaltet: Atomkraftgegner treffen sich in Breisach am Rhein (Foto: SWR)
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Atomkraftgegner treffen sich in Breisach am Rhein, um die Stilllegung des AKW Fessenheim zu feiern Bild in Detailansicht öffnen
Umweltaktivisten bestatten symbolisch auf dem Rhein die Atomkraft Bild in Detailansicht öffnen
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Umweltaktivisten bestatten symbolisch auf dem Rhein die Atomkraft Bild in Detailansicht öffnen
Umweltaktivisten bestatten symbolisch auf dem Rhein die Atomkraft Bild in Detailansicht öffnen

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni soll der zweite Fessenheimer Rektor für immer heruntergefahren werden, der erste ging im Februar vom Netz. Mit der Stilllegung, freuen sich viele AKW-Gegner in der Region, wird das Leben am Oberrhein ein gutes Stück sicherer.

Allerdings sollen die Brennelemente noch etwa drei Jahre in Fessenheim bleiben, bis sie ins französische La Hague abtransportiert werden. Bis dahin bleibt am Oberrhein die Gefahr, dass sie außer Kontrolle geraten könnten. AKW-Gegner kritisieren, die Abklingbecken in Fessenheim seien schlecht gesichert.

Der eigentliche Abriss der Reaktorgebäude soll dann 2025 starten und nochmal 15 Jahre dauern. Die grenzüberschreitende Umweltbewegung will den Abriss kritisch und konstruktiv begleiten.

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50 Jahre Anti-Atombewegung am Oberrhein

Die trinationale Anti-Atombewegung am Oberrhein entstand bereits in der Planungs- und Bauphase des AKWs Fessenheim - zunächst auf französischer Seite. Dann weitete sich die Bewegung auf Deutschland und die Schweiz aus. In den 1970er Jahren richtete sich ihr Protest gegen ein nur wenige Kilometer nördlich von Fessenheim geplantes AKW in Wyhl auf deutscher Seite und eines in Kaiseraugst in der Nordschweiz.

Beide scheiterten am erbitterten Widerstand der regionalen Bevölkerung und Umweltgruppen. Das AKW Fessenheim ließ sich nicht mehr verhindern, es war bereits im Bau und ging 1977 in Betrieb.

Flugblatt gegen das Atomkraftwerk in Wyhl mit der Aufschrift "Nai hämmer gsait!" Demonstranten in Wyhl. (Foto: SWR, SWR - SWR /Meinrad Schwörer)
Flugblatt gegen das Atomkraftwerk in Wyhl / Demonstranten in Wyhl. SWR - SWR /Meinrad Schwörer

Jahrzehntelanger Kampf um die Stilllegung des AKWs Fessenheim

Der Protest blieb und wurde durch die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verstärkt. 2011 nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima forderten 10.000 Menschen vor dem AKW die Schließung.

2012 bekräftigte der damalige französischer Präsident Francois Hollande sein Wahlkampfversprechen, das AKW Fessenheim bis 2016 zu schließen. Gehalten hat er dieses Versprechen nicht. Die Stilllegung wurde an die Inbetriebnahme eines anderen Atomkraftwerks in der Normandie geknüpft und immer wieder verschoben.

Die Geschichte des AKW in Bildern Fessenheim: Von der Baustelle bis zur Abschaltung

Baustelle des AKW Fessenheim im Jahr 1972 (Foto: SWR)
Baustelle des AKW Fessenheim im Jahr 1972 Bild in Detailansicht öffnen
Luftmessung in der Nähe von Breisach im Jahr 1977: Ein Team sucht nach möglichen Umweltbelastungen durch Radioaktivität. Bild in Detailansicht öffnen
Mehr als 7.000 Menschen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz protestieren im Jahr 1972 gegen das AKW Fessenheim. Bild in Detailansicht öffnen
Fiktive Störung in Fessenheim im Jahr 1997 Bild in Detailansicht öffnen
Kundgebung in Fessenheim im Jahr 2011 Bild in Detailansicht öffnen
Hollande verspricht im Wahlkampf 2012, das AKW Fessenheim abzuschalten Bild in Detailansicht öffnen
Protestkonzert für die Abschaltung des AKW Fessenheim im Jahr 2013 Bild in Detailansicht öffnen
Reaktor eins des AKW Fessenheim ist seit Februar 2020 heruntergefahren Bild in Detailansicht öffnen
Deutsche französische und Schweizer Atomkraftgegner sitzen nach der Abschaltung des Reaktor eins zusammen Bild in Detailansicht öffnen

Jetzt wird sie vollzogen unter Präsident Emmanuel Macron - unabhängig vom AKW Flamanville in der Normandie. Fessenheims erster Reaktor ist am 22. Februar vom Netz gegangen, der zweite soll zum Monatsende folgen.

Als eine Symbolfigur des Widerstands in Baden gegen das AKW gilt der langjährige Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein, Axel Mayer. Jetzt wo er im Ruhestand ist, geht auch das AKW Fessenheim vom Netz.

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