Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass ist am Montagabend gegen 23 Uhr endgültig abgeschaltet worden. Der Reaktor zwei des Atomkraftwerks Fessenheim war am Montagnachmittag, ab etwa 16:30 Uhr, heruntergefahren worden. Das bestätigte Anne Laszlo, Betriebsrätin und Gewerkschafterin der CFE, auf SWR-Nachfrage. Bereits am Nachmittag haben sich Atomkraftgegner getroffen und gefeiert, wie SWR-Reporterin Ina Held live vor Ort berichtete.
Symbolische Beerdigung der Atomkraft
Am Montagnachmittag haben sich deutsche und französische Atomkraftgegner in Breisach am Rhein getroffen. Auf dem Fahrgastschiff Napoleon haben sich die Menschen versammelt, die seit vielen Jahren und teils Jahrzehnten gegen die Atomkraft am Oberrhein kämpfen. Gelbe Anti-Atomkraft-Fahnen säumen das Rheinufer in Breisach und wehen auf dem Deck des Schiffs.
Mitten auf dem Rhein Bilanz ziehen
In der Mitte des Rheins haben die Umweltschützer der "Breisacher Mahnwache" und von "Stopp Fessenheim" Bilanz gezogen. Sie ließen ihren langen Kampf Revue passieren gegen den Energieerzeuger EDF, der das älteste und störanfällige AKW im Elsass betreibt und die französische Politik, die immer wieder die Abschaltung verzögert hatte. Nach der Fahrt auf dem Schiff wollen sich die deutschen und französischen Atomkraftgegner gegen 18 Uhr zu Fuß in der Mitte der Rheinbrücke bei Breisach treffen und symbolisch die Atomkraft im Rhein beerdigen. Ein reiner Freudentag ist es nicht, sagen sie, denn die Brennelemente lagern noch mindestens drei Jahre in Fessenheim, bevor der Rückbau beginnt, der etwa 20 Jahre dauern soll.

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni soll der zweite Fessenheimer Rektor für immer heruntergefahren werden, der erste ging im Februar vom Netz. Mit der Stilllegung, freuen sich viele AKW-Gegner in der Region, wird das Leben am Oberrhein ein gutes Stück sicherer.
Allerdings sollen die Brennelemente noch etwa drei Jahre in Fessenheim bleiben, bis sie ins französische La Hague abtransportiert werden. Bis dahin bleibt am Oberrhein die Gefahr, dass sie außer Kontrolle geraten könnten. AKW-Gegner kritisieren, die Abklingbecken in Fessenheim seien schlecht gesichert.
Der eigentliche Abriss der Reaktorgebäude soll dann 2025 starten und nochmal 15 Jahre dauern. Die grenzüberschreitende Umweltbewegung will den Abriss kritisch und konstruktiv begleiten.
Abschalten-abbauen-und was kommt dann? Zukunft des AKW-Geländes Fessenheim ist noch ungewiss
Die Schließung des AKW Fessenheim steht kurz davor, doch was dann? Viele Projekte – aber der konkrete Plan steht noch aus. Gedanken macht man sich auf beiden Seiten des Oberrheins. mehr...
50 Jahre Anti-Atombewegung am Oberrhein
Die trinationale Anti-Atombewegung am Oberrhein entstand bereits in der Planungs- und Bauphase des AKWs Fessenheim - zunächst auf französischer Seite. Dann weitete sich die Bewegung auf Deutschland und die Schweiz aus. In den 1970er Jahren richtete sich ihr Protest gegen ein nur wenige Kilometer nördlich von Fessenheim geplantes AKW in Wyhl auf deutscher Seite und eines in Kaiseraugst in der Nordschweiz.
Beide scheiterten am erbitterten Widerstand der regionalen Bevölkerung und Umweltgruppen. Das AKW Fessenheim ließ sich nicht mehr verhindern, es war bereits im Bau und ging 1977 in Betrieb.

Jahrzehntelanger Kampf um die Stilllegung des AKWs Fessenheim
Der Protest blieb und wurde durch die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 verstärkt. 2011 nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima forderten 10.000 Menschen vor dem AKW die Schließung.
2012 bekräftigte der damalige französischer Präsident Francois Hollande sein Wahlkampfversprechen, das AKW Fessenheim bis 2016 zu schließen. Gehalten hat er dieses Versprechen nicht. Die Stilllegung wurde an die Inbetriebnahme eines anderen Atomkraftwerks in der Normandie geknüpft und immer wieder verschoben.

Jetzt wird sie vollzogen unter Präsident Emmanuel Macron - unabhängig vom AKW Flamanville in der Normandie. Fessenheims erster Reaktor ist am 22. Februar vom Netz gegangen, der zweite soll zum Monatsende folgen.
Als eine Symbolfigur des Widerstands in Baden gegen das AKW gilt der langjährige Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein, Axel Mayer. Jetzt wo er im Ruhestand ist, geht auch das AKW Fessenheim vom Netz.