Ein Demonstrant hält in den 1970er Jahren ein Plakat, auf dem "Du bist nicht sicher, Du bist nicht sauber, ..." als Protest gegen das AKW Fessenheim geschrieben steht. (Foto: SWR)

Historischer Rückblick

AKW Fessenheim: Von Anfang bis Ende Pannen und Proteste

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Am 29. Juni soll das Atomkraftwerk Fessenheim endgültig vom Netz gehen. Es ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Immer wieder gab es Pannen und Proteste – ein Blick zurück.

Nachdem am 22. Februar bereits der erste Reaktor abgeschaltet wurde, will die französische Elektrizitäts-Gesellschaft EDF in der Nacht zum Dienstag auch den zweiten endgültig stilllegen. Zumindest die Menschen in Südbaden und in der Schweiz freuen sich, dass das Kraftwerk abgeschaltet wird.

Anfang 1970 – das AKW Fessenheim ist gerade im Entstehen – formiert sich in Europa die Anti-Atom-Bewegung. Während andere Meiler durch Bauplatzbesetzungen verhindert werden können, ist es für Fessenheim zu spät.

Abschalten!

Deshalb heißt die Forderung von Anfang an: Abschalten! Auch, weil das Gebiet am Oberrhein erdbebengefährdet ist. Vor allem die Region rund um Freiburg würde es im Fall des Falles treffen.

Eine alte Grafik der Gefährdungszone rund um das AKW-Fessenheim mit maximalem Radius von 25 Kilometern. (Foto: SWR)
Die Gefährdungszonen rund um das AKW Fessenheim in einer alten Grafik aus den 1970er Jahren.

Frankreich produziert – Deutschland demonstriert

1977 geht Fessenheim ans Netz. Danach passiert lange Zeit nichts. Fessenheim produziert Energie und auf der anderen Rheinseite wird demonstriert. Die Atommacht Frankreich verbittet sich jegliche Einmischung in ihre Energiepolitik.

Deutsche AKW-Gegner machen sich derweil Sorgen über immer wieder auftretende Störungen. Dieter Salomon, ehemaliger Oberbürgermeister von Freiburg, erzählt: "Man weiß, dass nicht alle Störfälle so der Öffentlichkeit vermittelt wurden – von ihrem Schweregrad her – wie es eigentlich angemessen gewesen wäre.“

Französische Gemeinden fordern ebenfalls die Stilllegung

2007 kommt Bewegung ins Spiel. Mehrere französische Gemeinden fordern Staatspräsident Jacques Chirac auf, Fessenheim still zu legen. Aber all das kümmert die Regierung nicht. Erst mit Staatspräsident Hollande ist man beim Nachbarn offen für eine Debatte. Hollande kündigt erstmals – zur Freude der AWK-Gegner – die Stilllegung für Ende 2016 an. 

Die EDF – "wie ein Staat im Staat"

Jürg Stöcklin, Präsident des Trinationalen Atomschutzverbandes (TRAS), erinnert sich daran. "Dass es dann nochmals etliche Jahre gedauert hat, hat etwas damit zu tun, dass die EDF, der Betreiber also, etwas wie ein Staat im Staat ist – und sich erfolgreich, leider auch mit Unterstützung der Aufsichtsbehörde, gegen diese Schließung gewehrt hat."

Erst Staatspräsident Macron kann sich gegenüber der EDF durchsetzen und kündigt erneut die Stilllegung an: für Sommer 2020.

"Also wenn ich das richtig sehe, sind wir die einzige Volksbewegung, die es geschafft, hat ein laufendes Atomkraftwerk in dieser Art und Weise zu schließen."

... 43 Jahre hat es gedauert.

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