Afhganin Nilufar Hamidi lebt in Weil am Rhein und sorgt sich um die Zukunft von Frauen in ihrer Heimat (Foto: SWR)

Skepsis und Zweifel gegenüber Taliban

Afghanin in Weil am Rhein sorgt sich um Frauen in ihrer Heimat

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Die Afghanin Nilufar Hamidi lebt in Weil am Rhein und hat vor 17 Jahren einen Verein gegründet. Er verhilft Frauen in Dschalalabad zu Arbeit und Bildung.

Menschen, die sich an Flugzeuge klammern, um aus Afghanistan zu fliehen: Fernsehbilder aus Kabul, die erschüttern. Auch Nilufar Hamidi ist entsetzt. Sie lebt mit ihrem Mann in Weil am Rhein und hat vor 17 Jahren den Verein "Hindukusch - Zukunft für Afghanistan" gegründet. Der Verein verhilft Witwen und alleinerziehenden Frauen in Dschalalabad im Nordosten Afghanistans zu Arbeit und Bildung. Jetzt - nach der Machtübernahme der Taliban - hofft das Paar, dass die Aufbauarbeit, das gesammelte Geld und das investierte Herzblut nicht umsonst gewesen sind.

Die 52 Jahre alte Nilufar Hamidi, Mutter von vier Kindern, darunter eine Jura- und eine Medizinstudentin, sitzt an ihrem großen Esstisch in Weil am Rhein. Im Rücken kunstvoll bestickte Kissen, über ihr eine Lampe mit Dutzenden Glaskristallen, auf dem Tisch eine Kanne aus Ton - natürlich aus Afghanistan, ebenso der Teppich. Schon allein wegen der geschmackvollen Einrichtungsstücke ist Afghanistan bei Nilufar Hamidi dauerpräsent. Jetzt aber umso mehr, denn ihr Blick weicht kaum vom Laptop auf dem Esstisch oder vom Handy daneben. Per Whatsapp, Facebook und über andere Kanäle verfolgt sie das Geschehen in ihrer Heimat.

Die ungewisse Zukunft, jetzt, wo die Taliban in Afghanistan wieder die Macht haben: Das lastet schwer auf der studierten Lehrerin Nilufar Hamidi, die seit 20 Jahren bestens integriert in Weil am Rhein lebt. Sie sorgt sich um das Projekt ihres Vereins "Hindukusch - Zukunft für Afghanistan" in Dschalalabad. Dort haben sie Witwen und alleinerziehenden Frauen Arbeit als Teppichknüpferinnen gegeben und für deren Kinder einen Kindergarten gebaut. Ihnen jetzt vielleicht nicht mehr helfen zu können, das treibt Nilufar Hamidi zur Verzweiflung.

Afhganin Nilufar Hamidi lebt in Weil am Rhein und sorgt sich um die Zukunft von Frauen in ihrer Heimat (Foto: SWR)
Afhganin Nilufar Hamidi glaubt nicht, dass sich die Taliban im Bezug auf Frauen verändert haben

Nilufar Hamidis Mann Alim, ein studierter Ingenieur mit Arbeitsplatz in der Schweiz, macht sich ebenfalls Sorgen um die Frauen in Afghanistan, die in den letzten Jahren Freiheit, Bildung und Selbstbewusstsein bekommen haben. Nilufar Hamidi glaubt nicht daran, dass sich die Taliban heute von denen früher unterscheiden - schon gar nicht, wenn es um die Behandlung von Frauen geht. Sie hat gerade online von einem Streit um einen Schleier in Dschalalabad gelesen - mit tödlichem Ausgang.

Besonders traurig sind Nilufar und Alim Hamidi, wenn sie an ihre Kindheit in den 70er Jahren zurückdenken, als Kinder der gehobenen Bildungsschicht in Afghanistan. Denn damals war Afghanistan schon mal weiter - moderner und aufgeschlossener, sagt Nilufar: "Wenn ich die Fotos von meiner Mutter sehe - sie hat damals Minirock getragen." Und Alim fügt hinzu: "Wir dachten, unsere Gesellschaft würde in diese Richtung weiter gehen. Das ist leider nicht passiert und deshalb sind wir sehr enttäuscht."

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