Sitzgelegenheit vor Aussicht  (Foto: SWR, Laura Könsler)

Verein fühlt sich gegängelt

Ärger statt Hingucker: Die neuen Aussichtsplattformen in Todtnauberg

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AUTOR/IN
Tamara Spitzing
ONLINEFASSUNG
Laura Könsler

Zwei Sitzgelegenheiten, die wie Vogelnester aussehen - neue Hingucker in Todtnauberg? Ein Bürger hat dagegen Anzeige erstattet.

Im Todtnauer Höhenortsteil Todtnauberg (Kreis Lörrach) kümmert sich seit Jahren der Verein "Liebenswertes Todtnauberg" um die Verschönerung des Ortes und schafft attraktive Plätze für Einheimische und Gäste. Er finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und durch einen Teil der Kurtaxe. Doch jetzt hat der Verein einen herben Rückschlag erlitten. Ein Bürger hat Anzeige erstattet und die Sicherheit zweier Sitzgruppen angezweifelt, die der Verein im Frühling aufgestellt hatte.  

Oberhalb Todtnauberg: die Luft ist klar, die Sicht reicht bis zu den Alpen, der Wind rauscht leise durch die herbstlich gefärbten Blätter der Bäume. Ein Verein hat hier eine Sitzgelegenheit aufgestellt, die aussieht wie ein großes Vogelnest - eine runde Empore mit Bänken und in der Mitte ein Tisch - doch sie ist abgesperrt.

Frau auf einer Bank sitzend, Kamerafrau und Tontechniker davor  (Foto: SWR, Laura Könsler)
Ortsvorsteherin Franziska Brünner im Fernsehinterview. Sie kann den Frust der Ehrenamtlichen gut verstehen und versucht zu vermitteln Laura Könsler

"Der Bürgerverein hat zwei Aussichtsplattformen eingerichtet und ein Bürger hat sich daran gestört oder hat zumindest die Rechtmäßigkeit der Sitzgelegenheiten in Frage gestellt."

Auch habe der Bürger sich direkt an die Behörden und an die Polizei gewandt, ohne vorher das Gespräch zu suchen, ergänzt die Ortsvorsteherin.

eine Sitzgelegenheit mit Absperrband (Foto: SWR, Laura Könsler)
Das Vogelnest ist leer. Es darf noch nicht genutzt werden, bis die Bauaufsicht grünes Licht gibt Laura Könsler

Sperrung der Vogelnester

In der Folge wurden die sogenannten Vogelnester gesperrt. Für die Vereinsmitglieder war dies ein Schock: denn die Planung läuft seit mehr als zwei Jahren, Statiker und Handwerker waren in das Projekt eingebunden - und im Frühling wurden die Vogelnester aufgebaut, denn auch das örtliche Bauamt hatte grünes Licht gegeben.

"Wir haben mit dem Bauamtsleiter gesprochen und er sagt, nach seiner Auffassung braucht es für eine Sitzgelegenheit keine Baugenehmigung."

Konstruktion auf einem Betonsockel (Foto: SWR, Laura Könsler)
Handwerker und Statiker haben bei der Entwicklung und dem Aufbau der Vogelnester mitgewirkt. Doch eine Baugenehmigung fehlt, aus diesem Grund wurde die Sitzgelegenheit gesperrt Laura Könsler

Bauantrag muss nachgereicht werden

Doch die Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt ist anderer Auffassung. Sie verlangt einen nachträglichen Bauantrag.

"Wir haben eine E-Mail bekommen, dann die Nutzung untersagt und nun kann man das in Ruhe prüfen."

Ob die Vogelnester der Prüfung durch die Bauaufsicht standhalten ist noch unklar. Klar ist aber, dass das nachträgliche Verfahren das Dreifache der Genehmigungsgebühr eines einfachen Bauantrags kosten wird, so die Aussage der Fachbereichsleiterin. Bei 40.000 Euro Gesamt-Baukosten dürften dies in etwa drei mal fünf Promille der Baukosten, also 600 Euro sein.

Ein Mann mit rot-weißem Absperrband an einer Treppe (Foto: SWR)
Muss bis auf Weiteres gesperrt werden: das Vogelnest. Ein Bauantrag wird nachgereicht

Vereinsmitglieder fühlen sich gegängelt

Trotzdem sind die Vereinsmitglieder frustriert. Denn der Bürger, der Anzeige erstattet hatte, hatte noch nicht mal das Gespräch mit ihnen gesucht - geschweige denn, dass er sich in einem Interview dazu äußern möchte. Für den Vorsitzenden des Vereins "Liebenswertes Todtnauberg“, Alfred Boch, ist das nicht nachvollziehbar. Er sieht darin eine reine Piesackerei und dazu habe er keine Lust. Ortsvorsteherin Franziska Brünner kann das gut verstehen. Für sie fühlt es sich an, wie ein Angriff aufs Ehrenamt.

Der Ärger hat auch was Gutes - das Dorf ist wieder geeint

Doch bei all dem Ärger hat die Geschichte auch was Gutes, sagt sie. Nachdem ein geplantes Hotelprojekt vor Jahren die 700 Einwohner des Dorfes gespalten hatte, stellt sie nun fest, "dass ich den Ort schon lange nicht mehr so geeint erlebt habe. Das ist der schöne Aspekt an einer eigentlich sehr unschönen Geschichte."

Wie geht es weiter inTodtnauberg?

Am Dienstagabend (11.10.2022, 20 Uhr Kurhaus Todtnauberg) kommt der Verein zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen und bespricht das weitere Vorgehen.

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