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Egal ob Bäcker, Tankstellenbesitzer, Eisverkäufer: Alle stöhnen über die neue Kassenbonpflicht. In Kenzingen hat jetzt ein Buchhändler einen Berg von Papier gesammelt – und nach Berlin geschickt.

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Werner Bürk aus Kenzingen (Kreis Emmendingen) ist seit 30 Jahren Buchhändler aus Leidenschaft. Er habe in dieser ganzen Zeit immer alles gründlich verbucht und versteuert, versichert er; seine Kasse habe alles registriert, auch ohne Bons. Und jetzt das. Während Frankreich die lästigen Zettel abschaffen will, führt Deutschland eine umfassende Pflicht ein.

Aus Protest hat Bürk jetzt die Bons einen Monat lang gesammelt – zusammengeklebt etwa 3,5 Kilometer Papier. "Natürlich ärgert mich das, wenn hier Papier für den Müll produziert wird und wenn jede Stunde dafür eine Fichte in Deutschland gefällt werden muss, um diese Kassenbons herstellen zu können", schimpft Bürk. Dabei ist er in seinem Laden um Nachhaltigkeit und Müllvermeidung bemüht. Und in den Papiermüll darf das Thermopapier noch nicht einmal, wegen der Chemikalie Bisphenol.

Jetzt hat Bürk ein Paket voller Bons nach Berlin geschickt. An Finanzminister Olaf Scholz persönlich. Dafür hat er die Bons alle geschreddert – aus Datenschutzgründen, wegen der Namen, die da drauf stehen. Ein symbolischer Akt. Eine Art Notwehr für den Buchhändler. Denn die Bonpflicht, glaubt er, könne "die Einzelhandesstruktur vernichten".

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