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Nach der Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 beschloss Deutschland den Atomausstieg. Doch gleich hinter der Grenze läuft das Schweizer AKW Beznau weiter und weiter - nicht ohne Pannen.

Über Nacht war nichts mehr wie zuvor: Vor zehn Jahren bebte in Japan die Erde, ein Tsunami traf die Ostküste, und die Flutkatastrophe wurde zur Atomkatastrophe. In vier Reaktorblöcken versagte die Kühlung. Es kam zur Kernschmelze. Die Region ist bis heute radioaktiv verseucht.

Fukushima hat die Welt verändert. Wie sicher sind unsere Atomkraftwerke? Diese Frage wurde auf der ganzen Welt gestellt und neu beantwortet. Auch das AKW Beznau, das als das älteste der Welt gilt und an der deutsch-schweizerischen Grenze unweit von Waldshut-Tiengen auf einer Insel gebaut ist, musste nachgerüstet werden. Trotzdem fürchten Kritiker, dass es nicht ausreichend gegen Naturkatastrophen geschützt ist.

Nach Fukushima legte auch die Schweiz Pläne zum Bau von drei neuen Atomkraftwerken auf Eis und will schrittweise aus der Atomkraft aussteigen. Bestehende AKW können weiterlaufen, solange sie die Atomaufsicht als sicher erachtet. Neue AKW dürfen aber nicht mehr gebaut werden. Diese Entscheidung hält Doris Leuthard, damals Energieministerin der Schweiz, bis heute für absolut richtig.

"Sie müsste jetzt noch mehr umgesetzt werden. Wir schulden es der nächsten Generation, diesen Transformationsprozess schnell voranzutreiben."

Alte AKW werden nachgerüstet und sollen 60 Jahre laufen

Auch in der Schweiz kommt der Ausbau der erneuerbaren Energieformen nur schleppend voran. Atomkraftwerke wie Beznau werden deshalb nicht abgestellt, sondern ihre Laufzeit wurde verlängert. Statt von 30 Jahren Betriebszeit ist inzwischen von 60 die Rede. Nach Fukushima wurde in die Notstromversorgung, die Kühlung, sowie in den Hochwasser- und Erdbebenschutz investiert.

"Die Anlage in Beznau entspricht dem Stand der Nachrüsttechnik. Sie ist im Vergleich zu der Zeit, wo wir sie in Betrieb genommen haben, hundertmal sicherer geworden. Zweieinhalb Milliarden Franken wurden in den letzten 50 Jahren investiert."

Baufehler erst nach 30 Jahren entdeckt

Sommavilla musste in den letzten Jahrzehnten aber auch des öfteren Probleme und Pannen einräumen. Die lassen an der Sicherheit der Anlage immer wieder Zweifel aufkommen. Erst jetzt fiel den Betreibern beispielsweise auf, dass bei der Notstrom-Versorgung seit 30 Jahren in bestimmten Maschinen Bauteile fehlen. Die sollen die Maschinen auch bei schweren Erdbeben am Laufen halten.

Im Dezember waren die beiden Reaktoren außerplanmäßig abgestellt worden. Der Betreiber sprach von Mängeln bei Notstromgeräten. Diese kühlen den Reaktorkern, wenn die reguläre Stromversorgung zum Beispiel durch ein starkes Erdbeben ausfällt. Die betreffenden Notstromgeräte wurden 1992 und 1993 in Beznau eingebaut. Was offenbar nicht mitgeliefert wurde, waren die so genannten Schwingungsabsorber.

Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit

"Diese Geschichte zeigt uns in aller Deutlichkeit, dass man menschliche Fehler nie ausschließen kann. Selbst wenn auf einem Papier die Sicherheit garantiert ist, muss es in einem konkreten Fall nicht wirklich funktionieren. Egal, ob uns die Aufsichtsbehörden sagen, es ist erdbebensicher, es ist alles gut. Sie können es nicht zu 100 Prozent garantieren, dass diese Nachrüstungen wirklich funktionieren."

Und das AKW Beznau wird weiter nachgerüstet: Gerade ist eine neue Studie erschienen, wonach die Hochwassergefahr an Rhein und Aare deutlich höher bewertet wird. Auch darauf müssen die Betreiber reagieren.

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