Prozess vor dem Freiburger Landgericht Fall Maria: Sechs Jahre Haft für Bernhard H.

Im Fall um die jahrelang verschwundene Maria hat das Freiburger Landgericht den Angeklagten zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er habe sich in 98 Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs und der schweren Kindesentziehung strafbar gemacht.

Das Gericht blieb damit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre und drei Monate Haft gefordert hatte. Es verhängte auch, anders als von der Staatsanwaltschaft gefordert, keine Sicherungsverwahrung. Der Angeklagte muss jedoch Schmerzensgeld an Marias Mutter zahlen.

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Bernhard H. nahm das Urteil ruhig und gefasst auf. Maria, die als Nebenklägerin auftrat, war sichtlich berührt, ihre Mutter erleichtert. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich mit der Höhe der Strafe zufrieden, hält aber im Gegensatz zum Gericht eine Sicherungsverwahrung für nötig.

Staatsanwältin prüft den Gang in die Revision

Staatsanwältin Nikola Nowack prüft deshalb, ob sie in Revision geht. Sie sehe das differenzierter als das Gericht, alleine schon die gezielte Kontaktsuche zu einem so jungen Mädchen und die dann erfolgten sexuellen Handlungen, rechtfertige ihren Antrag auf Sicherungsverwahrung. Auch die Hinweise auf Kinderpornografie wertet Nowack als ein starkes Indiz.

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Richter spricht von "absolut ungewöhnlichen Fall"

Der Richter sagte: Es handele sich um einen absolut ungewöhnlichen Fall. Es gehe um die strafrechtliche Aufarbeitung einer Beziehung eines minderjährigen Mädchens mit einem etwa 40 Jahre älteren Mann. Der Richter betonte, dass der Angeklagte zwar gestanden, aber keine Reue gezeigt habe. Dabei habe er schon früh die Absicht gehabt, Maria ihrer Familie zu entziehen. Die zu Beginn der Bekanntschaft erst 12-jährige Maria treffe daher keine Schuld.

Der Angeklagte war nach einer Reise quer durch Europa mit der 13-Jährigen für fünf Jahre auf Sizilien untergetaucht. Dort soll es regelmäßig sexuellen Kontakt gegeben haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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