Urteil im zweiten Staufener Missbrauchsprozess Bundeswehrsoldat zu acht Jahren Haft verurteilt

Im zweiten Prozess im Missbrauchsfall Staufen schickt das Landgericht Freiburg den angeklagten 50-jährigen Soldaten acht Jahre ins Gefängnis. Sicherheitsverwahrung ist nicht vorgesehen.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Nach vier Tagen Verhandlung hat das Landgericht Freiburg im Fall des jahrelangen Missbrauchs eines Kindes ein weiteres Urteil gesprochen. Der angeklagte Soldat der Bundeswehr muss acht Jahre in Haft und 12.500 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Dieses Geld gehe an das Opfer der Taten, ein heute neun Jahre alter Junge, so hieß es im Urteil.

Bundeswehrsoldat hat den Missbrauch gestanden

Der 50-jährige Deutsche hatte gestanden, den aus Staufen stammenden Jungen im vergangenen Jahr zweimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben. Die Mutter des Jungen und der Stiefvater, alles Deutsche, seien dabei gewesen. Auch sie missbrauchten das Kind, wie das Gericht feststellte. Die Taten wurden gefilmt und die Filme an andere weitergeleitet.

Für Sicherungsverwahrung fehlt rechtliche Grundlage

Auf Sicherungsverwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Nebenklage gefordert hatten, verzichtete das Gericht. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin zur Begründung.

Im Prozess gegen den Soldaten hatte die Staatsanwältin zwölf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung gefordert, der Verteidiger vier Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung. Die Anwältin der Nebenklage, die das Opfer vertritt, plädierte auf elf Jahre Gefängnis, Sicherungsverwahrung und 12.500 Euro Schmerzensgeld.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die am Prozess Beteiligten haben nach Angaben des Gerichts eine Woche Zeit, Revision einzulegen.

Prozessbeginn gegen Hauptangeklagte am 11. Juni

Es ist das zweite Urteil in dem Missbrauchsfall, der vor vier Monaten bekannt wurde. Weitere Prozesse folgen. Insgesamt gibt es acht Tatverdächtige, jeder ist einzeln angeklagt. Der Junge war mehr als zwei Jahre lang in Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen worden. Seine Mutter und ihr Lebensgefährte gelten als die Hauptbeschuldigten. Der Prozess gegen sie beginnt am 11. Juni vor dem Landgericht Freiburg.

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