Freiburger Stadtwald Wem nützt die Jagd? – Jäger contra Tierschützer

Knapp 170.000 Rehe wurden im letzten Jagdjahr im Land erlegt. Einige davon im Freiburger Stadtwald. Stimmt die Jagd, stimmt der Wald, heißt es unter Jägern. Tierschützer sehen das anders.

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Jüngst hatte das Forstamt der Stadt Freiburg zur Gesellschaftsjagd im Stadtwald geladen. 70 Jäger waren mit dabei. Jagd ist erstmal Bürokratie: Jeder Jäger muss nicht nur Jagdschein sondern auch einen Schießnachweis vorlegen. Dieser belegt, dass das Schießen geübt wurde.

Die Jäger verteilen sich auf Hochsitze im Wald. Erst dort dürfen sie die Waffe laden. Währenddessen machen sich die Treiber auf, sie bringen Unruhe in den Wald. Das Wild soll aufgeschreckt werden. Statt von einer Treibjagd sprechen die Jäger von einer "Bewegungsjagd" – treiben oder gar hetzen kann hier im steilen Dickicht keiner.

"Wir brauchen auch die Rehe, die gehören zum Ökosystem, wie die anderen Tiere und Pflanzen auch", sagt Berno Menzinger, der stellvertretende Freiburger Forstamtsleiter. "Nur, da es die natürlichen Feinde nicht mehr gibt, müssen wir die Population entsprechend managen oder schauen, dass es eben nicht überhand nimmt."

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Wildtiere regulieren sich selbst, sagen Tierschützer

Die Natur braucht keine Jagd, sagen dagegen Vertreter der Tierrechtsorganisation Peta, die die Jagd grundsätzlich abschaffen will. "Wir berufen uns auf wildbiologische Studien, die schon seit Jahren belegen, dass die Jagd gar nicht notwendig ist. Weil Wildtierpopulationen sich von allein regulieren, nämlich über Klima, Krankheiten und Nahrungsverfügbarkeit", so die Stuttgarter Peta-Sprecherin Nadja Michler.

Im Schweizer Kanton Genf zum Beispiel werde seit über 40 Jahren nicht gejagt und dort gebe es gesunde Wildtierbestände und auch nicht zu viele Wildtiere. Dass die Tiere dort von staatlichen Wildtiermanagern kontrolliert werden, erzählt Michler nicht. Doch nicht nur die Jagd, auch die Jäger stehen in der Kritik: Denn sie verursachen hierzulande immer wieder Unfälle – auch tödliche.

Baden-Württemberg hat sein Jagdrecht 2015 modernisiert. Den Kritikern gehen die Reformen jedoch nicht weit genug. Die Diskussion ist also noch lange nicht vorbei.

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