Spanierin mit Freiburger Wurzeln Dory Sontheimer: Nach 60 Jahren plötzlich Jüdin

Die meist tödlich endende Deportation Tausender Juden nach Gurs war ein Trauma für überlebende Angehörige. Manche Nachfahren schaffen es Verdrängtes oder Verschwiegenes aufzudecken.

Vor 79 Jahren, im Oktober 1940, deportierten die Nationalsozialisten mehr als 6.000 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden und der Pfalz ins das südfranzösische Lager Gurs. Für die meisten ein Weg ohne Rückkehr. Sie starben vor Hunger oder an Krankheiten oder sie wurden weiter verladen in die Züge nach Auschwitz ins Todeslager.

Dauer

Die Spanierin Dory Sontheimer war auf der Suche nach einem Familien-Geheimnis. Geboren in Barcelona hat sie 60 Jahre lang nicht gewusst, dass ihre jüdischen Großeltern in Freiburg zu Hause waren und von den Nazis deportiert wurden: erst ins südfranzösische Gurs und von dort nach Ausschwitz. Sontheimers Mutter konnte rechtzeitig nach Barcelona emigrieren. Doch das Grauen der Deportation und des Todes der Eltern ließ sie verstummen.

Erst nach dem Tod der Mutter entdeckt die inzwischen pensionierte Dory Sontheimer sieben Schachteln mit Hunderten von Briefen, Fotos und Dokumenten. Sie macht sich auf die Suche, reist nach Freiburg, findet das Wohnhaus der Großeltern – immer noch ungläubig, dass all das wirklich ihre eigene Familiengeschichte sein soll.

Zum 79. Jahrestag der Deportation der Freiburger Juden ist die Spanierin wieder nach Freiburg gekommen. Nicht mehr als fremde Suchende, sondern als eine Frau, die erinnert, an die bitteren, aber auch die schönen Momente: Dory Sontheimer, die immer dachte, sie käme aus einer katholischen spanischen Familie, ist zu einer Freiburger Mitbürgerin geworden. Ihre Geschichte hat sie in ihrem Buch "Das Vermächtnis der sieben Schachteln" aufgeschrieben – auch wenn das nicht einfach war.

STAND