Frau trägt Bollenhut (Foto: picture-alliance / dpa, Achim Keller)

Schwarzwälder Markenzeichen 222 Jahre Bollenhut

AUTOR/IN

Der Hut mit den Wollbollen ist heute weltberühmt. Vor 222 Jahren, als am 7. Januar 1797 seine Geburtsstunde schlug, wurde die Hutmacherei noch als Ausweg aus der Armut empfohlen.

Als Herzog Friedrich Eugen von Württemberg sich an jenem 7. Januar 1797 mit einem Brief an das zuständige Oberamt wandte, konnte niemand ahnen, dass der Gegenstand seiner Anweisung mehr als 200 Jahre später sogar auf der Weltausstellung im fernen Shanghai Aufsehen erregen würde: Selbst dort präsentierten ihn chinesische Hostessen, so wie er überall weltweit im Einsatz ist, wenn es um den Schwarzwald geht, der Werbeträger mit Wollrosen.

Dauer

Die Entstehung des Bollenhuts geht zurück auf eben jenen Brief des Herzogs. Der hatte einen Akt der Wirtschaftsförderung im Sinn, als er seinen Schwarzwälder Gemeinden 1797 die Hutmacherei als Ausweg aus der Armut empfahl. "Der erste Hut war ein Strohgeflecht mit 14 aufgemalten Kreisen in rot oder schwarz", erzählt die Bollenhutmacherin Gabriele Aberle in Gutach: "Erst so gegen 1820 wurden dann zum ersten Mal Wollbollen aufgenäht."

Dauer

"Keine badische, sondern eine württembergische Tracht"

Gutach ist einer der drei Orte, in denen der Hut bis heute zur angestammten Tracht gehört, außerdem Kirnbach und Reichenbach. Rote Bollen prangen auf Hüten der Ledigen, Hüte mit schwarzen Bollen tragen die Frauen nach der Hochzeit. "Es isch ein einfaches Strohgeflecht am Anfang", sagt Gabriele Aberle, "das wird geleimt und geformt gegipst,  dass es hält." Dann fertigt sie 14 Bollen in unterschiedlicher Größe, die in Kreuzform aufgenäht werden.

Ob die Zahl 14 auf einen christlichen Ursprung zurückgeht, ist umstritten. Zuweilen wurde vermutet, damit seien die 14 katholischen Nothelfer symbolisiert. Dagegen spricht, dass der Bollenhut in drei evangelischen Gemeinden entstand, angeregt vom evangelischen Landesherrn, eben dem Herzog von Württemberg. An diesen Ursprung ist auch aus einem anderen Grund zu erinnern, sagt der Freiburger Kulturwissenschaftler Professor Werner Mezger und erklärt: "Ausgerechnet der Bollenhut ist keine badische, sondern eine württembergische Tracht."

Gleichwohl wurde der Hut in den 1950er Jahren zum Instrument im badischen Kampf gegen den Zusammenschluss von Baden und Württemberg zu einem Bundesland. Auf Plakaten, die für den Erhalt Badens votierten, platzierten die Altbadener ausgerechnet den Bollenhut. Das bedeutet: Pikanterweise wurde mit einer württembergischen Tracht für Baden geworben.

Tätowierter Unterarm (Foto: SWR)

"Wir sind Bollenhut!"

Als Symbol für den Schwarzwald ist der Hut, vorzugsweise der mit den roten Bollen, längst allgegenwärtig. Es ging schon los mit Gemälden, mit denen ihm die Maler der Gutacher Künstlerkolonie Ende des 19. Jahrhunderts einen weithin beachteten Auftritt verschafften. Im Operettenfilm "Schwarzwaldmädel" von 1950  trug ihn Sonja Ziemann - ein weiterer Popularitätsschub.

Filmszene aus "Schwarzwaldmädel" (Foto: SWR, Haus des Dokumentarfilms)
Heile Welt in Farbe: Szene aus dem Film "Schwarzwaldmädel" Haus des Dokumentarfilms

Heute findet sich der Bollenhut auf Milchverpackungen und im Logo des Schwarzwaldtourismus, Bollenhutmädchen, eben auch in China, werben mit ihm für den Schwarzwald. In den drei Gemeinden Gutach, Kirnbach und Reichenbach müssen sie es mit Fassung tragen, dass ihre Tracht weltweit vermarktet wird. Dagegen können sie wenig ausrichten. Aber stolz sind sie natürlich, dass der Hut bei ihnen daheim ist. Wie rief es der Bürgermeister einer der drei Gemeinden: "Wir alle dürfen stolz von uns sagen: Wir sind Bollenhut!"

AUTOR/IN
STAND