SWR-Redakteur Dirk Starke über Fritz Keller "Kann im Stadion abgehen wie eine Rakete"

Was ist er für ein Typ, der Fritz Keller? SWR-Redakteur Dirk Starke kennt ihn seit vielen Jahren. Hier das Interview aus SWR4 Radio Südbaden zum Nachlesen.

Dirk Starke, Studio Freiburg (Foto: SWR, SWR - Alexander Kluge)
SWR - Alexander Kluge

Fritz Keller, der Präsident des SC Freiburg, soll neuer Präsident des Deutschen-Fußball-Bundes werden. Das hat die Findungskommission des DFB heute vorgeschlagen. Nächste Woche schon soll er sich den Regional- und Landesverbänden und der Deutschen-Fußball-Liga vorstellen, am 27.September dann in Frankfurt gewählt werden. Das ist ein ziemlich sportlicher Zeitplan. Frage an meinen Kollegen Dirk Starke: Kam diese Entscheidung eigentlich überraschend?

Dirk Starke: Also für uns alle hier schon…Aber hinter den Kulissen sind schon seit einigen Wochen Gespräche geführt worden, zwischen der Findungskommission und Fritz Keller. Er soll der einzige Kandidat der Kommission gewesen sein, also gewissermaßen die Wunschbesetzung.

Und doch ist das alles sehr überraschend, wenn man weiß, was Fritz Keller sonst noch so alles macht: Winzer, Leiter seines Weingutes, Gastronom, Hotelier, Weinhändler und nicht zuletzt Präsident des SC Freiburg. DFB-Präsident ist zwar offiziell ein Ehrenamt, aber ein Full-Time Ehrenamt in Fankfurt, das auch zu Teilen vergütet wird. Ich weiß nicht, ob sein Tag mehr als 24 Stunden, aber ab und zu treff ich ihn sogar noch im Fitnessstudio, in dem wir beide trainieren.

Was ist Fritz Keller für ein Typ?

Er ist echter Kaiserstühler, durch und durch, er kommt ja aus Oberbergen. Dort ist sein Weingut, sein Hotel, sind seine Gaststätten. Er ist ein Macher, er weiß, was er will, ein Mann klarer Worte, der auch mal aneckt. Aber er ist auch sehr bodenständig, er ist immer für ein Gespräch zu haben, freundlich, ein Kumpel-Typ und ein perfekter Gastgeber in seinen Restaurants. Und im Fußballstadion, da kann er auch schon mal ausflippen, abgehen wie eine Rakete. Er ist hat halt auch ein echter SC-Fan.

Und deshalb wird man beim SC Freiburg nicht gerade begeistert sein, ihn als Präsident zu verlieren. Er hat ja bereits angekündigt, nach seiner Wahl das Amt des SC Präsidenten abzugeben.

Klar. Den SC hat die Nachricht nicht überrascht. Fritz Keller hat mit offenen Karten gespielt. Beim SC unterstützt man die Kandidatur und wünscht dem Chef viel Erfolg. Sagt aber gleichzeitig, den Präsidenten zu verlieren, wäre ein großer Verlust, auch wenn der Verein strukturell und personell gut aufgestellt sei.

Gibt es schon andere Reaktionen?

Jede Menge, vom DFB zum Beispiel:  Die kommissarische DFB-Führung sagt: Mit Blick auf die großen Herausforderungen, vor denen der DFB derzeit steht, ist Fritz Keller der passende Kandidat, um den größten Sport-Fachverband der Welt in die Zukunft zu führen." „Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten für das Amt des DFB-Präsidenten.

Und auch in den sozialen Medien gibt es Reaktionen: Da ist von einer großen Ehre die Rede, da wird aber auch der Verlust für den SC bedauert, und einer schreibt: Baden erobert den DFB – neben Bundestrainer Jogi Löw jetzt auch noch Fritz Keller als DFB-Präsident. Das wir vor allem den Schwaben nicht gefallen.

Und was sagt Fritz Keller selbst…

Die Entscheidung sei ihm alles andere als leicht gefallen. Er werde sein Amt als SC-Präsident schweren Herzens niederlegen. Er habe aber großes Vertrauen in die derzeit handelnden Personen, dass sie den SC Freiburg auch ohne ihn sportlich erfolgreich und wirtschaftlich nachhaltig weiterführen werden.

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