SWR-Format "Gut zu wissen" Der Winterblues und was man gegen ihn tun kann

Bei Schmuddelwetter wie im Moment kann man schnell schlechte Laune bekommen. Manch einer kriegt sogar den Winterblues. Warum eigentlich? Kriegen ihn manche schneller? Und was hilft?

Morgens im Dunkeln raus. Noch müde. Eine Müdigkeit, die bleibt, den ganzen Tag. Und abends auch im Dunkeln wieder nach Hause. Die Tage kurz. Die Laune, wie das Wetter: mies. Aus dem Bett kommen? Schwierig. Typisch Winterblues. Immerhin jeder vierte hierzulande hat ihn. Wen der Winterblues eiskalt erwischt hat, kämpft sich antriebslos durch den Tag, will viel schlafen und viel essen, am liebsten Süßes.

Dauer

Warum bekomme ich einen Winterblues?

In den dunklen Wintermonaten bekommen wir zu wenig Sonnenlicht ab. Licht ist der wichtigste Taktgeber für den Menschen. Wir nehmen helles Tageslicht mit hohem Blauanteil auf der Netzhaut mit speziellen Rezeptoren wahr. Die geben Signale weiter, die im Gehirn zur Ausschüttung von Serotonin führen, auch Glückshormon genannt. Fehlt das Licht, wird Melatonin ausgeschüttet, das Schlafhormon. Wir sind müder und antriebsloser. Manche reagieren darauf sensibler als andere und bekommen einen Winterblues. Wem der Winter mehr als zwei Wochen am Stück auf die Stimmung drückt und das mindestens zwei Jahre hintereinander, der leidet an einer saisonalen Winter-Depression. Der Winterblues ist die Vorstufe.

Wen trifft der Winterblues besonders?

Büroangestellte neigen besonders zum Winterblues. Sie verbringen den ganzen Tag im Kunstlicht, kommen im Dunkeln zur Arbeit und fahren im Dunkeln heim. Frauen kriegen eher den Blues als Männer. Und auch das Alter spielt eine Rolle, sagt Claas Lahmann von der Klinik für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Freiburg.

Was hilft gegen den Winterblues?

Das wichtigste Gegenmittel ist Licht. Deshalb: Raus, zum Sport machen oder Spazierengehen, am besten mindestens eine halbe Stunde. Auch wenn's draußen trüb ist, damit der Körper weniger Melatonin, das Schlafhormon produziert und dafür mehr vom Glückshormon Serotonin. Das funktioniert auch, wenn man sich mit Freunden trifft und viel unternimmt. Die Extraportion Licht gibt's auch aus der Steckdose: Spezielle Therapiegeräte spenden Licht, so hell wie ein schöner Frühlingstag. Licht und Bewegung sind wichtig, vitaminreiche Ernährung hilft, empfiehlt Katharina Domschke, Leiterin Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uniklinik Freiburg.

STAND