Satellitenbild der Grenzregion am Oberrhein bei Rust (Foto: SWR, Magdalena Zlotkiewicz)

Vom Europapark Rust ins Elsass Seilbahn soll Rhein und Grenze überwinden

Die geplante Seilbahn vom Europapark Rust ins benachbarte Elsass soll Besucher und Mitarbeiter aus Frankreich in den Park bringen. Noch ist das Projekt aber nur eine "Vision".

Dauer

Die Bahn soll von Rust (Ortenaukreis) über den Rhein nach Rhinau oder Diebolsheim im Elsass führen. Noch handele es sich lediglich um eine Vision, sagte Michael Mack, Geschäftsführer des Europaparks.

1,3 Millionen Franzosen besuchen jährlich den Park, rund 1.500 französische Mitarbeiter pendeln täglich über den Rhein. Gleichzeitig gibt es gerade zu den Stoßzeiten Verkehrsprobleme. Die könnten mit einer rund fünf Kilometer langen Seilbahn behoben werden. Der Europapark sucht bekanntlich Mitarbeiter für seine neue Wasserwelt - auch in Frankreich, wo es eine hohe Arbeitslosenquote gibt. Sowohl das baden-württembergische Verkehrsministerium als auch das Regierungspräsidium Freiburg und das Ortenauer Landratsamt sind über die Pläne informiert.

"Starkes Zeichen"

"Es ist ein Projekt mit großem Symbolcharakter", sagte Mack. "Eine gemeinsame Seilbahn, die den Rhein und damit die Grenze überwindet, wäre ein starkes Zeichen für das Zusammenwachsen beider Länder und für ein gemeinsames Europa." Angedacht ist eine rund 15-minütige Fahrt über Rhein. Die Bahn werde ganzjährig in Betrieb sein. Die Gondeln würden im Winter beheizt.

Geplant seien Investitionen im zweistelligen Millionenbereich. Auch ein Hotel oder gar ein Feriendorf kann sich der Europapark auf französischer Seite vorstellen. Werde das Vorhaben von den Behörden beider Länder genehmigt, könne es voraussichtlich in den kommenden fünf Jahren in Angriff genommen werden.

Europa-Park a choisi d’investir en France. C’est la consécration d’un vrai projet franco-allemand qui créera des milliers d’emplois ! #ChooseFrance https://t.co/VBc9hHpb7O

Nach Angaben des Europaparks wurde die Idee bei einem Treffen zwischen Frankreichs Präsident Macron und Parkgründer Roland Mack am Sonntag präsentiert. Macron lobte die Pläne inzwischen per Twitter als ein "wahres deutsch-französisches Projekt", das "tausende Arbeitsplätze" schaffen werde. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sich positiv. Außerdem wurde das Projekt offenbar auch einigen elsässischen Abgeordneten vorgestellt.


Strecke rund fünf Kilometer lang

Demnach soll die Seilbahn von Rust aus entweder nach Rhinau oder nach Diebolsheim führen. Eine Strecke, die zwischen 5,2 und 5,6 Kilometer lang ist und möglicherweise auch den Taubergießen überspannt - eines der größten Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg. "Wir haben dort Natura2000-Gebiete, FFH-Gebiete - von daher ist es nicht so ganz leicht, aber der Wille ist da", sagt der Ortenauer Landrat Frank Scherer. Erste Vorprüfungen zeigten, dass das Projekt nicht unmöglich sei.

Jean Rottner, Präsident der französischen Verwaltungsregion Grand Est, bezeichnete die Seilbahn als beispielhafte Verbindung und Koordination zwischen Deutschland und Frankreich. Weil viele Franzosen mit dem Auto zum Europapark fahren und das Parkplatzangebot in Rust begrenzt ist, könnten sie künftig quasi per Seilbahn einschweben.

Sechs Männer in einem prunkvollen Zimmer (Foto: Europapark)
Deutsch-französischer Schulterschluss (von links): Jean-Luc Marx (Préfet de la Région Grand Est), Michael und Roland Mack (geschäftsführende Gesellschafter des Europa-Park), Emmanuel Macron (Staatspräsident), Jean Rottner (Président de la Région Grand Est), Winfried Kretschmann (Ministerpräsident Baden-Württemberg) Europapark

Politik reagiert positiv

Auch Baden-Württembergs Justiz- und Tourismusminister Guido Wolf (CDU) reagierte positiv: "Das wäre ein tolles Zeichen deutsch-französischer Freundschaft und ein echter Gewinn für unser Tourismusland". Die Seilbahn könnte zu einem der deutsch-französischen Leuchtturmprojekte werden, zu denen sich beide Länder bei der Neuauflage des Élysée-Vertrages Ende Januar nächsten Jahres bekennen wollen. "Wir arbeiten daran, dass das geplante Projekt noch in den neuen Elysée-Vertrag aufgenommen wird. Das wäre ein starkes Signal", sagte der Minister.

Kai-Achim Klare (SPD), der Bürgermeister von Rust, sieht eine mögliche Erweiterung des Parks auf französischer Seite nicht als Gefahr für seine Gemeinde. "Für mich ist das Projekt ein Impuls für die ganze Region", sagte Klare im SWR.

BUND sieht Taubergießen bedroht

Der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein sieht die Seilbahnpläne dagegen äußerst kritisch. "Eine Seilbahn durch eines der letzten großen Naturschutzgebiete am Oberrhein würde die winzige Restnatur bedrohen", warnt Axel Mayer, Geschäftsführer des BUND-Regionalverbands. Nur noch 3,4 Prozent der Flächen im Regierungsbezirk Südbaden seien geschützte Gebiete. Mayer befürchtet zudem eine "zunehmende Verrummelung" durch den Europapark, der immer mehr Menschen anziehe.

Vergnügungspark und Gemeinde von oben (Foto: SWR)
Der Europapark baut und baut, manch einem Einwohner Rusts wird es allmählich mulmig

Europapark expandiert bereits im großen Stil

Derzeit baut der Europapark in Rust eine gigantische Wasserwelt. Auf einer Fläche von 45 Hektar entstehen ein Hotel und ein großes Vergnügungsbad. Der neue Bereich soll kommendes Jahr eröffnet werden.

Im Mai hatte es im Europapark einen Großbrand gegeben. Dabei wurde die Attraktion "Piraten in Batavia" zerstört. Sie soll nun neu aufgebaut werden. Als Brandursache gilt ein technischer Defekt.

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