Strukturwandel im Erzbistum Freiburg Gemeinden vor schmerzvoller Schrumpfkur

Die Zahl der Pfarreien im Freiburger Erzbistum wird drastisch schrumpfen, ebenso wie die der kirchlichen Gebäude. Mit solchen Zukunftsfragen befasste sich am Wochenende eine Diözesane Pastoralkonferenz in Freiburg.

Priestermangel, Missbrauchskrise, weniger Gläubige, unsichere Finanzierung: Die katholische Kirche steht in ganz Deutschland vor einschneidenden Veränderungen. Das Erzbistum Freiburg hat nun den Reformprozess "Kirchenentwicklung 2030" ausgerufen: In den kommenden Monaten soll über den Zuschnitt der Kirchengemeinden und über neue inhaltliche Schwerpunkte der Seelsorge und des religiösen Lebens beraten und entschieden werden.

Erzbischof Stephan Burger (Foto: dpa Bildfunk)
Erzbischof Stephan Burger aus Freiburg (Archiv)

Deutlich weniger Pfarreien im Erzbistum geplant

Am Freitag und Samstag beschäftigten sich die Mitglieder der Diözesanen Räte in Freiburg bei einer Pastoralkonferenz mit diesen Zukunftsthemen. Ein als Grundlage vorgelegtes 30-seitiges Arbeitspapier spricht von künftig nur noch 40 Pfarreien. Derzeit sind es rund 1.000, die zu 224 "Seelsorgeeinheiten" zusammengefasst sind. Diese Neuordnung würde im zu deutlich größeren Pfarreien führen.

Dass die katholische Kirche künftig nicht mehr flächendeckend präsent sein kann und will, hat Gründe. Als Beleg gilt der erwartete Abwärtstrend bei Priesterzahlen im Erzbistum Freiburg (2016: 391 - 2030: ca. 230) und Katholikenzahlen (2016: 1,88 Millionen - 2030: 1,64 bis 1,32 Millionen). Damit verbunden sind sinkende Kirchensteuereinnahmen und somit knappere Finanzmittel.

Priester beten (Foto: dpa Bildfunk)
Auch Priestermangel macht sich im Erzbistum Freiburg bemerkbar. (Archiv)

Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft

Erzbischof Stephan Burger kündigte vor 170 Delegierten tiefgehende Veränderungen in der Seelsorge und im kirchlichen Leben an. "Seien wir ehrlich, machen wir uns nichts vor. Wir können das, was wir derzeit anbieten, auf Dauer nicht halten", sagte Burger mit Blick auf einen Rückgang bei der Katholikenzahl und auf den Priestermangel.

Burger wies auf einen zunehmenden Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft hin. Kirche wolle zwar weiterhin in die Fläche hineinwirken, ein seelsorgliches "Vollprogramm" sei aber nicht mehr zu leisten, so der Bischof. Statt zu resignieren, brauche es neue Visionen. "Wir geben unseren Anspruch nicht auf, für die da zu sein, die uns brauchen, die nach dem gelebten Evangelium suchen."

Frauen fordern mehr Beteiligung

Mehrere Delegierte der Tagung kritisierten, Burger rücke in den Plänen nicht vom Prinzip der Gemeindeleitung durch einen Priester ab. "Wir dürfen hier nicht länger auf Frauen verzichten", sagte die Diözesanvorsitzende der Frauengemeinschaft kfd, Monika Bohn. Sie forderte die Weihe von Diakoninnen. Eine Vertreterin der katholischen Jugendverbände rief dazu auf, stärker auf die Wünsche von jungen Christen einzugehen. Mehrere Delegierte mahnten eine Demokratisierung kirchlicher Entscheidungsprozesse an.

Dauer

IG Pater-Jordan-Haus kämpft für Gemeindezentrum

Wie schmerzvoll der Reformprozess ist, erfahren derzeit zum Beispiel die Menschen in Gurtweil (Waldshut-Tiengen). Dort will sich die Gemeinde vom sanierungsbedürftigen Pater-Jordan-Haus trennen, weil es zu groß und zu teuer geworden ist. Eine Interessengemeinschaft (IG) stellt sich dagegen.

700 Unterschriften hat sie gesammelt. "Von jung bis alt, von Chören, Jugendgruppen oder vom Bildungswerk wird das Haus täglich genutzt. Man kann sagen, das Haus ist für die Menschen in Gurtweil eine ganz bedeutende Begegnungsstätte", sagt IG-Sprecher Dieter Hauser.

"Kirche muss sich beschränken"

Doch Pfarrer und Pfarrgemeinderat haben andere Pläne. Sie würden das alte Zentrum am liebsten loswerden und möchten das Gemeindehaus künftig in der deutlich kleineren historischen Pfarrscheune unterbringen. "Die Kirche muss sich beschränken", entgegnet Pfarrer Hermann-Josef Zoche. "Wir können keine Gemeindehäuser vorhalten für irgendwelche x-beliebigen Gruppen. Primär halten wir Gemeindehäuser vor zur Verkündigung des Glaubens und dafür, dass die kirchlichen Gruppen sich hier begegnen und auch feiern können."

Eine Entscheidung über das Gemeindezentrum will der Pfarrgemeinderat im Frühjahr fällen.

Neuordnung soll im Sommer feststehen

Der schmerzhafte Prozess, der in Gurtweil besonders hochgekocht ist, betrifft fast alle Seelsorgeeinheiten. Über 5.000 Immobilien stehen allein im Erzbistum Freiburg zur Debatte: Pfarr- und Gemeindehäuser, Kindergärten und sogar Kirchen. Von vielen dieser Immobilien werden sich die Gemeinden trennen müssen.

Dem am Samstag in Freiburg beendeten Treffen soll in den kommenden zwei Jahren ein "Konsultationsprozess" in den Gemeinden, Gremien und Gruppen vor Ort folgen. Bis zum Sommer soll es einen Vorschlag geben, wie die Kirchengemeinden geografisch neu aufgeteilt oder zusammengelegt werden. Ab 2021 geht es den Plänen zufolge an die Umsetzung. "Wir stehen am Anfang eines gemeinsamen Weges. Viele Fragen sind offen und müssen noch geklärt werden", betonte Erzbischof Burger abschließend.

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