Eine junge Frau liest eine Gedenktafel an einem Brunnen (Foto: SWR, Brigitte Koerner)

Platz der Alten Synagoge Freiburg Plansch-Problem bleibt

Der Freiburger Gemeinderat befürwortet ein Doku- und Infozentrum zum Nationalsozialismus. Die Diskussion um einen würdevollen Umgang mit dem Synagogenbrunnen wurde vertagt.

Wie sich verhindern lässt, dass Kleine wie Große durch den Gedenkbrunnen hüpfen, will der Gemeinderat erst im Herbst besprechen. Die Räte geben sich kleinlaut: Dass der Wasserspiegel auf dem Platz der Alten Synagoge vor allem, wenn es heiß ist, mehr zum Vergnügen als zum Besinnen einladen würde, hatte bei der Planung niemand auf dem Schirm. Nun wird der Konflikt zwischen unbedachtem Vergnügen und respektvoller Erinnerung über den Sommer also wohl weiterschwelen.

Planschen, wo die Synagoge brannte

Wenn sich die Hitze staut auf dem Platz der Alten Synagoge, wird der Gedenkbrunnen schnell zum Planschbecken. Nicht nur Kinder laufen dann durch den Wasserspiegel, der die Umrisse der von den Nazis zerstörten Synagoge nachzeichnet. Das verhindert auch eine Steele nicht, die dort nachträglich aufgestellt wurde mit dem Hinweis, man möge sich respektvoll verhalten.

Erinnerung nicht ins Museum verbannen

Um das zu verhindern, will der Gemeinderat noch Ideen suchen. Baubürgermeister Martin Haag ist zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde, vernünftig mit dem Brunnen umzugehen. Er spricht von einer Daueraufgabe, immer wieder daran zu erinnern, dass man mit manchen Orten in der Stadt sorgfältiger umgehen müsse. Es sei auch wichtig, dass es diese Orte im öffentlich Raum gebe, so Haag, sonst müsse man am Ende einen Zaun drumherum ziehen oder alles ins Museum stecken, was dem Ort nicht gerecht würde.

Diskussion ums Planschen hält Erinnerung wach

Stattdessen gibt es solche Ansätze: Bessere Infotafeln, vielleicht auch Ehrenamtliche, die an sonnigen Tagen die Planschenden ansprechen. In der Diskussion ist auch ein Ideenwettbewerb. Über das weitere Vorgehen will der Gemeinderat nach der Sommerpause in enger Absprache mit den jüdischen Vertretern beraten. "Das ist noch ein langer Weg," sagt Irina Katz von der israelitischen Gemeinde, die nicht als Spaßverderberin da stehen will.

Michael Moos von den Unabhängigen Listen kann dem Problem aber auch etwas Gutes abgewinnen. Noch nie hätte sich die Freiburger Stadtgesellschaft so intensiv mit dem Thema beschäftigt, dass hier eine Synagoge abgebrannt wurde.

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