Pilger-Ort und Touristen-Magnet Mein Wald: Das Geheimnis des "Balzer Herrgott"

Eine in eine Wildbuche eingewachsene Christusfigur, der "Balzer Herrgott" bei Wildgutach im Schwarzwald, zieht seit Jahrzehnten Wanderer an. Vielen gilt der Baum als Wallfahrtsort.

Um die Christus-Figur ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden. Eine davon erzählt, dass sie von einem Bauernhof stammt. Eine andere besagt, dass Hugenotten die Figur auf der Flucht aus Frankreich liegen gelassen haben. Tatsache ist: Jahr um Jahr umfängt der Baum die Figur mehr und mehr. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie ganz umwachsen sein wird.

Dauer

Woher stammt der Balzer Herrgott und wie kam er hierher?

Fragen, die sich auch der ehemalige Forstamtsleiter Wolf Hockenjos seit seiner Kindheit stellt. Arme und Beine der Sandstein-Figur fehlten. Friedrich Baumer ist felsenfest davon überzeugt, dass sein Vater den Korpus gefunden hat, denn die Geschichte hat er ihm immer wieder erzählt. Sein Vater, Jahrgang 1868, wohnte damals am Waldrand um die Ecke und seinen Erzählungen nach haben sie die Christus-Figur an den Baumstamm gelegt, angeblich war dort ein Astloch.

Eingewachsene Christus-Figur immer wieder frei geschnitzt

Der Baum fing an, um die Figur herum zu wachsen. Eigentlich wäre der Sandstein-Korpus längst komplett vom Baum bedeckt. Doch der Balzer Herrgott wurde zum Pilger-Ort und Touristen-Magneten. Um ihn zu erhalten, wurde er immer wieder frei geschnitzt.

Welche Legende stimmt? – Keiner kann es sagen.

Förster Jens Kerll ist für den Erhalt der Christus-Figur zuständig. Vor ein paar Jahren hat er das Forstamt übernommen. Er kennt die ganzen Sagen, die sich um den Korpus ranken. Welche davon stimmt? Das kann auch er nicht sagen. Doch der Ort fasziniert ihn und es grenzt für ihn fast an ein Wunder, dass die jahrhundertealte Buche mit dem Balzer Herrgott immer noch steht.

Anziehungsort mit zu viel Touristen-Rummel

Vor ein paar Jahren haben sie einen Zaun angebracht, denn viele Pilger fassten die Figur an und steckten Dinge in das Astloch, in er Hoffnung, der Balzer Herrgott werde ihnen helfen. Der Kopf drohte abzubrechen. Der Touristen-Rummel vor allem am Wochenende ist Wolf Hockenjos einfach zuviel. Wenn es nach ihm ginge, hätte man die Natur sich selbst überlassen sollen.

"Balzer Herrgott" bleibt ein Geheimnis

Hobby-Fotograf Friedrich Baumer ist ein gläubiger Mensch und froh, dass man den Balzer Herrgott immer noch sieht. Doch woher er stammt und wie er in den Wald nach Wildgutach kam – es bleibt ein Geheimnis.

STAND